Kolumne
«Ich meinti»: Vatertag, Blumen und Bier

Nidwalden feiert am 19. März «Seppitag». Die Bedeutung dieses Feiertags ist nach Meinung unseres «Ich meinti»-Kolumnisten jedoch in den Hintergrund gerückt. Zu seinem Bedauern.

Karl Tschopp
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Karl Tschopp

Karl Tschopp

Bild: PD

Wie jedes Jahr wird am 19. März der katholische Feiertag St.Josef gefeiert. Es geht da nicht irgend um einen Josef oder «Seppi», der Namenstag hat, sondern um die Verehrung des Bräutigams der Gottesmutter. Der heilige Josef von Nazareth gilt als Ziehvater von Jesus und Ehemann der heiligen Mutter Maria. Aus der Bibel überliefert von Beruf Zimmermann ist er auch der Schutzpatron der Arbeiter, namentlich der Zimmerleute und Schreiner. Ausserdem gilt er auch als Schutzpatron der jungfräulichen Menschen und der Ehe.

Verehrt wird der heilige Josef schon lange. Schriftliche und mündliche Überlieferungen bestätigen den Josefstag als Festtag seit dem 9. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert förderten vor allem Bettelorden, wie zum Beispiel die Franziskaner und Dominikaner, den Kult um den heiligen Josef. Papst Sixtus IV. ernannte 1479 den 19. März offiziell zum Festtag des Heiligen. Aber erst 1621 wurde der 19. März als Josefstag von Papst Gregor XV. zum allgemein gebotenen kirchlichen Feiertag erklärt. Im Jahr 1870 wurde Josef durch Papst Pius IX. zum «Patron der ganzen katholischen Kirche» ernannt. Josef gegenüber wurden also die höchsten Ehren der katholischen Kirche erwiesen. Dieser Feiertag müsste eigentlich dem Nationalfeiertag gleichkommen.

Aber lediglich in fünf überwiegend katholisch bevölkerten Kantonen und vereinzelten Gemeinden ist der 19. März gesetzlicher Feiertag. In Spanien, Italien, Liechtenstein und im Kanton Tessin wird der 19. März auch als Vatertag begangen, an welchem Kinder ihren Vätern selbstgebastelte Geschenke machen. Eigentlich Grund genug, um einen schweizweiten Feiertag zu begründen. Aber weit gefehlt. Die Bedeutung hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen. Als gesetzlicher Feiertag an vielen Orten abgeschafft, verblieben oft nur noch gewisse Bräuche, die an den Josefstag erinnern. So war es in Österreich Brauch, den jungfräulichen Mädchen am St.Josefstag Blumen zu schenken. Zum einen sollte durch einen geflochtenen Blumenkranz die Jungfräulichkeit bewahrt werden, zum anderen galten Blumensträusse als Brautwerbung, indem sie bei der Suche nach dem richtigen Ehemann helfen sollten. Für junge Männer aus Bayern war der Tag des heiligen Josef der Stichtag für die erste Mass der Biergartensaison. Herrlich: Vatertag, Blumen und Bier.

Ich meinti, dass der 19. März in der Schweiz viel mehr Beachtung finden sollte. Tatsachen sind abnehmende Achtung vor dem heiligen Josef und einmal mehr verschwindendes Brauchtum. Im Ausland sind starke Strömungen daran, den abgeschafften gesetzlichen Feiertag wieder zu aktivieren. So sind die Italiener bemüht, den 1977 abgeschafften Feiertag wieder einzuführen. Dasselbe und einzige Ziel verfolgt die Königlich-Bayerische-Josefspartei, nämlich den in Bayern 1969 abgeschafften Josefstag wieder als Feiertag einzuführen und diesen gebührend zu feiern.

Leider ist die Bedeutung des Seppitags selbst als gesetzlicher Feiertag und trotz geschlossener Läden auch in Nidwalden in den Hintergrund geraten. Am 19. März werden zum Beispiel gemäss Anwohnerinformation im Auftrag der Zentralbahn in Stans aktuell lärmintensive Arbeiten ausgeführt und Spundwände in den Boden gerammt…

Karl Tschopp, Rechtsanwalt, Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.