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Kopie von U-Boot taucht bald im Vierwaldstättersee

Auch Nichtschwimmer können ab August die Unterwasserwelt des Vierwaldstättersees bestaunen. Berufstaucher Franz Hattan bietet neu einstündige Fahrten mit seinem U-Boot an. Ein solches Angebot gibt es bislang in der Schweiz noch nicht.
Matthias Piazza
Mit seinem U-Boot will Franz Hattan ab August Passagierfahrten anbieten. (Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 6. Juni 2018))

Mit seinem U-Boot will Franz Hattan ab August Passagierfahrten anbieten. (Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 6. Juni 2018))

Noch liegt das U-Boot in Stansstad auf dem Trockenen. Dafür hat es Franz Hattan im vergan­genen Jahr aber natürlich nicht gekauft. Der 65-jährige Hergiswiler, der bisher sein Geld vor allem als Berufstaucher verdiente, will sich mit U-Boot-Fahrten im Vierwaldstättersee ein zweites Standbein aufbauen. Dafür lässt er das 1988 erbaute, 6,8 Tonnen schwere, 2,3 Meter breite und 5,8 Meter lange Unterwassergefährt technisch auf den allerneuesten Stand bringen. So werden neue Batterien eingebaut, die für eine Einsatzzeit von zehn Stunden ausgelegt sind, es gibt eine leistungsstarke LED-Beleuchtung, einen neuen Antrieb und ein Positionierungssystem, welches das U-Boot auf zehn Zentimeter genau orten kann.

Schon diesen August will er mit dem vierplätzigen U-Boot im Vierwaldstättersee abtauchen und damit den Leuten ein einmaliges Erlebnis bieten. «Es gibt in der ganzen Schweiz kein zweites immatrikuliertes U-Boot», erzählt er stolz. In einem Radius von 300 Metern will er jeweils drei Passagieren auf einer einstündigen Fahrt die Schönheit der Unterwasserwelt näherbringen – bis auf den Grund des Vierwaldstättersees. Dieser liegt an der tiefsten Stelle rund 215 Meter unter der Seeoberfläche. «Bei guten Sichtverhältnissen sieht man alles bis zu einer Distanz von etwa 15 Metern, Wracks, ­Fische, aber auch interessante Felslandschaften», verspricht Franz Hattan.

Eine einstündige Fahrt kostet 200 Franken, ein fairer Preis, findet er. Andernorts würde man für ein vergleichbares Angebot rund 1400 Dollar bezahlen. Vorderhand will er während zweier ­Monate pro Jahr solche U-Boot-Fahrten anbieten – voraussichtlich im August und im Oktober. «Dann ist die Sicht am besten.» Im Siebentagesrhythmus können so zwölf Personen täglich in die Unterwasserwelt eingeführt werden. Bald sollen die Buchungen über Internet möglich sein.

Ältester Passagier war 87 Jahre alt

Hattan ist überzeugt, dass das Angebot auf rege Nachfrage stossen wird. Auch aufgrund früherer Erfahrungen. Denn bereits im vergangenen Jahr führte er mit dem U-Boot Passagierfahrten durch. Allerdings nur probeweise, was auch der Grund war, dass er die Sache bisher nicht an die grosse Glocke gehängt habe. Und vor einigen Jahren tauchte er mit einem zweiplätzigen Klein-U-Boot im Vierwaldstättersee. «Die Passagiere stiegen jeweils begeistert aus, waren fasziniert von der Technik oder überwältigt vom Anblick unter Wasser», erinnert er sich. Zugelassen für eine U-Boot-Fahrt sei grundsätzlich jeder, der Lust habe. «Mein ältester Passagier war 87-jährig», macht er ein Beispiel. Und auch Platzangst sei fehl am Platz. «Im U-Boot hat es nicht weniger Platz als in einem Auto.»

Und natürlich werde die Sicherheit grossgeschrieben. Eine Unterwasserfahrt ist kein einsames Unterfangen. Ein Schiffsführer überwacht mit einem Boot oben die Fahrt des U-Boots, während ein Kommunikator mit dem U-Boot-Führer in Verbindung bleibt. Ein vierter Mitarbeiter hilft beim Auftauchen und beim Aussteigen der Passagiere.

Sauerstoff für 100 Stunden

Auch für den Fall einer Panne ist vorgesorgt. «Wir können auf verschiedene Systeme zurückgreifen, um im Notfall mit einem schnellen Auftrieb das U-Boot an die Oberfläche zu bringen», erklärt Franz Hattan. Und für den Fall, dass das Auftauchen trotzdem nicht auf Anhieb klappt, ist vorgesorgt. «Im U-Boot sind Lebensmittelvorräte eingelagert, und der Sauerstoff reicht für 100 Stunden», versichert Hattan.

Das U-Boot hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Erbaut wurde es 1988 von einem Werftbesitzer am Bodensee zusammen mit einem Ingenieur. Gedacht war es vor allem als praktisches Arbeitsgerät für die Schadenkontrolle in Stauseen. Der Ausfall der Crew, die berufs- und krankheitshalber aufgeben musste, und das Alter des Werftbesitzers (77) erforderten den Verkauf – und so landete das U-Boot schliesslich beim Hergis­wiler Berufstaucher und Inhaber eines Tauchgeschäfts.

Auch für Inspektionsfahrten geeignet

Das U-Boot soll nicht nur für Passagierfahrten eingesetzt werden. Franz Hattan ist ja mittlerweile schweizweit bekannt als Berufstaucher, der keine Herausfor­derungen scheut: Egal, ob es dar­um geht, einen Schieber in der Kläranlage zu reparieren, eine Schweissarbeit im Kühlbecken eines Atomkraftwerks vorzunehmen oder bei einem Wasserkraftwerk Turbinen von Sand zu befreien, damit diese wieder die volle Leistung erbringen. Und genau bei solchen Arbeiten soll künftig auch das Unterseeboot ins Spiel kommen. «Damit kann man viel schneller und tiefer tauchen. Bei Stauseen beispielsweise lässt sich in derselben Zeit die zehnfache Fläche kontrollieren», ist er überzeugt. Auf diese Weise kommt das 30-jährige U-Boot doch wieder ein bisschen zu seiner ursprünglichen Bestimmung.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.ubootfahrten.ch

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