Kräuter sind ihre Leidenschaft

Gartenarbeit, für viele ein Hobby, ist auf dem Hof Neufallenbach in Grafenort beruflicher Alltag. Und etwas, das die Bäuerin voll begeistert.

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Kräuter aus Trix Bissigs Garten. (Bild: Corinne Glanzmann)

Kräuter aus Trix Bissigs Garten. (Bild: Corinne Glanzmann)

Der Wetterfrosch kündigt im Radio den vielleicht allerletzten Sommertag an. Wir glauben ihm - trotz leichtem Regen - und besuchen den Hof Neufallenbach in Grafenort. Dieser stattliche Bio-Landwirtschaftsbetrieb beeindruckt durch seine fantasievoll durchmischte Gartenanbaufläche. Der Laie macht auf den ersten Blick vor allem Blumen und Gemüse aus. Bei eingehender Betrachtung wird allerdings deutlich, dass hier eigentlich Kräuter und Blüten dominieren. Das belegt auch das attraktive, hölzerne Kräuterhaus mittendrin. Im Raum, wo Tee getrocknet und gemischt wird, begrüsst uns inmitten von feinsten Sorten und umgeben von herrlichen Düften Trix Bissig, die «Kräuterfrau». Sie ist Bäuerin mit Fachausweis, hat in ihrer Ausbildung einiges über Kräuter erfahren, «aber eigentlich habe ich mir dieses Wissen selber und durch unsere Familientradition angeeignet», stellt sie fest.

Parzellen in verschiedenen Höhen

Sie zog vor 12 Jahren auf den Hof von Wäli (Walter) Bissig. Nach der Heirat wurde sie vor allem für die eigene Hausapotheke zur eigentlichen Kräuterfrau. «Daraus wurde langsam, aber kontinuierlich immer mehr. Ich begann meine Produkte zu verkaufen, benötigte dafür aber auch zunehmend Raum in unserem Wohnhaus», erzählt sie. Der Bau des Kräuterhauses war die notwendige, aber auch erfreuliche Folge davon. «Damit können wir auch dem Lebensmittelgesetz einfacher gerecht werden», sagt die rührige Unternehmerin.

Heute sammelt Familie Bissig mit Hilfe von Angehörigen, Freunden und Bekannten mehr als die Hälfte der Kräuter «wild». Sie bewirtschaftet dafür in der Region viele kleine Parzellen auf verschiedenen Höhen bis hinauf zur Bannalp auf 1600 Metern. Sie gibt auch ein wenig von ihrem Geheimnis preis: «An den Waldrändern und Bachborden gedeihen die verschiedensten Kräuter.»

16 Teemischungen

Der handgepflückte Alpenkräutertee steht je nach Mischung für verschiedene Wirkungen und Gefühle und trägt entsprechende Namen. Brennnesseln, Schafgarben, Ringelblumen (siehe Kasten) und anderes mehr entfachen den «Zauber»; die «Hoffnung» kommt bei Frauenmantel oder Zitronenmelisse auf; «Wellness» bewirken Birkenblätter, Apfelminze oder Löwenzahnblüten, während die «Sonne» in Erdbeerblättern, Oregano und anderen Kräutern wärmt. Es sind zurzeit 16 verschiedene Teemischungen - bestehend aus bis zu zehn Kräutersorten - im Angebot. Diese Vielfalt dient Trix Bissig ausserdem dazu, Sirup und Eistee herzustellen, und ihr Mann Wäli reichert damit die hofeigene Fleischproduktion an.

«Einen Kräutergarten zu unterhalten, ist eine landwirtschaftliche Tätigkeit», betont Trix Bissig. Deshalb wachsen auch im Talboden auf dem Hof Neufallenbach Kräuter überall dort, wo ein Plätzchen frei ist. Die Bäuerin verkauft ihre Produkte in der Landi, in Bio-Läden der Region. «Grossverteiler sind kein Thema, denn bei uns ist alles handgepflückt. Wir können und wollen nicht in Massen produzieren», bekräftigt sie.

Zurück zum vermeintlich letzten Sommertag: «Wir stehen meteorologisch tatsächlich an einem Wendepunkt», sagt Bissig, «der Herbst in unserem Garten hat schon längst begonnen, wir stehen am Beginn des Winterhalbjahres.» Die Kräuterfrau ist jetzt mehr und mehr im Kräuterhaus. «Mischen, abpacken und verkaufen sind angesagt, denn die Tee-Saison findet hauptsächlich im Winterhalbjahr statt.» «Auch wenn der Garten jetzt allmählich ruht», wie die Bäuerin sagt, «sind die Kräuter meine ganzjährige Leidenschaft.»

Primus Camenzind

Sie hilft auch den Garten säubern

cam. Sie steht in vielen Gärten als reine Dekoration. «Eigentlich hat die Ringelblume viele Eigenschaften, die genutzt werden können», sagt Trix Bissig. Sie gelte als wundheilend. Diese Fähigkeit könne sie auch im Garten entfalten. «Sie ist eine sehr gute Zwischenkultur, um den Garten zu säubern und wieder zu beleben», bekräftigt die Bäuerin. Im Herbst, wenn die Ringelblume noch blüht, könne man sie an einem Ort, wo keine andere Pflanzung vorgesehen sei, durchaus stehen und versamen lassen. «Darüber soll man froh sein und sich nicht ärgern, denn Ringelblumen (Calendula) tun dem Boden ausserordentlich gut.» Dem Menschen kann die Calendula sowohl als heilende Salbe als auch als Tee zugutekommen.

Ihr Garten auf dem Hof Neufallenbach in Grafenort ist ihr Stolz: Trix Bissig. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Ihr Garten auf dem Hof Neufallenbach in Grafenort ist ihr Stolz: Trix Bissig. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)