Kriminalstatistik
Die Zahlen der Delikte blieben in Nidwalden und Obwalden praktisch stabil

Die jährliche Kriminalstatistik zeigt die Häufigkeit von Delikten aus verschiedenen Bereich auf. In einzelnen Gebieten sind die Schwankungen von Jahr zu Jahr gross.

Martin Uebelhart
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Die Kantone Obwalden und Nidwalden haben am Montag ihre Kriminalstatistiken für das vergangene Jahr veröffentlicht. In Obwalden sind die Straftaten, die nach dem Strafgesetzbuch (StGB) geahndet werden, im Vergleich zum Vorjahr mit einem Rückgang von rund zwei Prozent auf 1313 praktisch gleich geblieben. In Nidwalden sind sie um knapp zwei Prozent auf 1151 gestiegen. Inwieweit sich die Covid-19-Pandemie auf die Statistik ausgewirkt hat, sei zum heutigen Zeitpunkt eher eine Mutmassung, sagt Carole Fallegger, Leiterin der Nidwaldner Kriminalpolizei auf Anfrage. «Es ist schlicht zu früh, um dazu gefestigte Aussagen zu machen», hält sie fest. Christoph Fries, Leiter der Kriminalpolizei in Obwalden, hätte sich eher einen stärkeren Rückgang vorstellen können. «Insbesondere bei ‹klassischen› Delikten wie etwa Einbruch, denn die Grenzen waren zu und die Leute mehr zu Hause.»

Mit 62,2 Prozent ist laut einer Mitteilung der Obwaldner Kantonspolizei im vergangenen Jahr die Aufklärungsquote im Bereich der Delikte gegen das StGB rekordhoch. Die Steigerung liege im nationalen Trend. Trotzdem liege der Obwaldner Wert weiterhin sehr deutlich über der nationalen Quote von 41,7 Prozent.

Mehr Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz in Obwalden

Wie schon 2019 wurden auch im Jahr 2020 erneut deutlich mehr Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz bearbeitet. In diesem Bereich lege die Kantonspolizei denn auch ein Schwergewicht, sagt Christoph Fries. «Im Kanton Obwalden gibt es eine hohe Verfügbarkeit auch von harten Drogen», hält er fest. Sorgen bereitet der Kantonspolizei auch der verstärkte Trend zu Mischkonsum. Dieser sei auch im Kanton Obwalden, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu beobachten.

Während die Einbruchszahlen im vergangenen Jahr wieder abgenommen haben und nun noch bei 44 Taten liegen, haben die Betrugsdelikte auf der anderen Seite zugenommen. So wurden 2020 insgesamt 65 solcher Taten bearbeitet. Bei der Kantonspolizei Obwalden sei zudem ein Mehrfaches an entsprechenden Verdachtsmeldungen registriert worden. Vielfach sei bei einer solchen Meldung, aufgrund fehlender Tatbestandselemente, jedoch nicht ganz klar, ob es sich tatsächlich um einen Betrugsversuch gehandelt hat. Dagegen sei im Zuge von Ermittlungen gegen Cyberbetrüger immer wieder festzustellen, dass sich Geschädigte gar nicht bei der Polizei meldeten. Entsprechend hoch dürfte die Dunkelziffer in diesem Bereich sein. Die Kantonspolizei Obwalden rät zu Achtsamkeit bei Geschäften im Internet und dazu, Anzeige zu erstatten, wenn man trotzdem Opfer eines Betruges geworden sei.

Erwartungsgemäss gesunken sind laut der Mitteilung die erfassten Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz. Hier ist ein Rückgang von 27 Prozent zu beobachten.

Mehr Fälle von häuslicher Gewalt

Im Kanton Nidwalden wurden im Jahr 2020 total 1422 Straftaten angezeigt, die in der Kriminalstatistik erfasst werden. Davon betreffen 1151 das Strafgesetzbuch, 90 das Betäubungsmittelgesetz, 46 das Ausländergesetz und 135 die übrigen Bundesnebengesetze.

Im Jahr 2020 sind die Fallzahlen im StGB-Bereich leicht um 1,9 Prozent gestiegen. Die Aufklärungsquote liegt bei 43,1 Prozent (2019: 36,5 Prozent).

Im Jahr 2020 seien insgesamt 628 Straftaten gegen das Vermögen verübt worden, was einer Abnahme um drei Prozent entspreche, so die Mitteilung weiter. Von diesen Vermögensstraftaten entfielen 213 auf Diebstähle (ohne Fahrzeugdiebstähle) und 177 auf Sachbeschädigungen. Erfreulicherweise seien die Einbruchdiebstähle um 15 Prozent von 71 auf neu 60 Delikte zurückgegangen.

Bei der Häuslichen Gewalt stiegen die Straftaten von 47 auf 80, was einer Zunahme von 70 Prozent entspricht. Die Kantonspolizei weist in der Mitteilung daraufhin, dass in diesem Bereich in den vergangenen Jahren grosse Schwankungen zu verzeichnen gewesen seien. «Diese Zahl möchten wir senken», betont Carole Fallegger. Die Polizei beabsichtige, die Zusammenarbeit mit externen Stellen wie etwa dem Sozialamt sowie der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde oder dem Frauenhaus weiter zu intensivieren. Beispielsweise indem mit gemeinsamen Sensibilisierungskampagnen auf die Mechanismen bei der Häuslichen Gewalt aufmerksam gemacht wird, mit dem Ziel, die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Delikte gegen die sexuelle Integrität nahmen zu

Die Delikte gegen die sexuelle Integrität hätten sich von 24 im Jahr 2019 auf 36 markant erhöht. Auch in diesem Bereich habe es in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr Schwankungen gegeben, so die Mitteilung weiter. 2020 hätten fünf Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern bearbeitet werden müssen (2019: 0). Die Anzeigen wegen sexueller Belästigung hätten von sieben auf elf Delikte zugenommen. Auch die Fälle mit illegaler Pornografie im Internet hätten sich wiederum erhöht – auch wenn von 15 auf 16 nur leicht.

Bei den IT-spezifischen Delikten stieg die Anzahl gegenüber dem Vorjahr leicht auf 112 Straftaten an. Die Polizei will die Präventionsarbeit in diesem Bereich auch im laufenden Jahr weiterführen.

Im Jahr 2020 wurden in Nidwalden 90 Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz erfasst (2019: 128). Primär handelte es sich um Straftaten bezüglich Besitz und Konsum von Hanfprodukten.

Bei der Schweizerischen Kriminalprävention finden sich Informationen zu zu verschiedenen Themenbereichen.

Kriminalstatistik Obwalden 2020.pdf

Kriminalstatistik Nidwalden 2020.pdf