KULTUR: Eine Schwäbin textet fürs Theater Buochs

Das Buochser Theater kennt Barbara Schüssler schon lange. Nun hat die Deutsche «Gekauftes Glück» zum Bühnenstück umgeschrieben.

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Barbara Schüssler machte aus Urs Odermatts Film «Gekauftes Glück» ein Theaterstück. (Bild: PD)

Barbara Schüssler machte aus Urs Odermatts Film «Gekauftes Glück» ein Theaterstück. (Bild: PD)

Barbara Schüssler ist 49-jährig und lebt im schwäbischen Städtchen Ludwigsburg. Bislang hat sie 14 Bühnenstücke verfasst. Die Stücke und deren Inszenierung wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem letztes Jahr mit dem Staatspreis Baden-Württemberg. Urs Odermatts Film «Gekauftes Glück» mit der Geschichte ums Anderssein, Dazugehören und die Gemeinschaft, habe sie sehr berührt, gab sie im Interview mit unserer Zeitung zu verstehen.

Wann und warum haben Sie mit dem Theater Buochs zum ersten Mal Bekanntschaft gemacht?

Barbara Schüssler: «D’Frai vom Beck» war 2004 das erste Stück, das ich bei einem Besuch bei Verwandten in Buochs gesehen habe. Die Laien, die da spielten, hatten mich beeindruckt.

Das Landtheater Buochs und die schwäbische Theaterfrau – war das gar so etwas wie «Liebe auf den ersten Blick»?

Schüssler: Auf jeden Fall! Die Spielfreude und die Leidenschaft, mit der hier die ureigene Sprache präsentiert wird, haben mich gleich begeistert. Allerdings habe ich beim ersten Mal kaum etwas verstanden. Inzwischen aber ist auch dies kein Problem mehr.

Zum Film «Gekauftes Glück» von Urs Odermatt: Kam Ihnen der Gedanke gleich, dass man daraus ein Theaterstück machen könnte, als Sie ihn im Kino zum ersten Mal sahen?

Schüssler: Nun, ich kannte den Film zuvor nicht einmal. Der Wunsch, aus diesem Filmstoff ein Theaterstück entstehen zu lassen, der kam ganz und gar von der Theater-Gesellschaft Buochs.

Aber Filmer Urs Odermatt hat Ihnen doch sicher Ratschläge gegeben oder Auflagen gemacht, als er von Ihrer Absicht erfuhr?

Schüssler: Nein, auch dies war nicht der Fall. Alle nötigen Absprachen hat einzig und allein der Vorstand der Theatergesellschaft Buochs getroffen. Mir wurden sehr viele Freiheiten gelassen. Die habe ich genutzt. Ich hoffe nun sehr, dass ich Urs Odermatt bei der Premiere kennen lernen werde. Es würde mich nämlich freuen zu hören, was er zu meinem Stück sagt.

Nachdem der Auftrag an Sie erfolgt war, galt es wohl, mit zahlreichen Leuten auf Distanz intensiv zusammenzuarbeiten. Wie haben Sie dies erlebt?

Schüssler: Ich hatte mich mit einem Textkonzept um den Auftrag beworben. Später kam Regisseurin Eva Mann dazu. Bei einem persönlichen Treffen habe ich mich mit ihr intensiv über die Grundstruktur des Stücks ausgetauscht. Eine erste Textfassung schickte ich ihr per E-Mail. Dann haben wir telefoniert und Details abgesprochen. Aus meiner Sicht war die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gut und Gewinn bringend.

Eigentlich schrieben Sie dann in Hochdeutsch eine Fassung für Urschweizer Mundart. War das nicht doch etwas sehr speziell?

Schüssler: All meine Stücke entstehen in Hochdeutsch. Die Schauspieler sollen sich dann ihre Texte formen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Speziell ist in diesem Fall, dass sich mit Alois Gander und Franz Troxler gleich nochmals zwei Texter mit der Mundartfassung beschäftigt haben.

Haben Sie ein Beispiel dafür, wo Sie bei dieser Arbeit auch vor Problemen standen?

Schüssler: Die Figur des Faden-Kari hatte ich mir ganz anders vorgestellt als die Buochser, die ihn noch persönlich erlebt und gekannt hatten. Wir berieten dann intensiv und entschieden schliesslich, dass die endgültige Fassung für diese Figur während des Probenprozesses entsteht.

Sie haben einen Film zum Theaterstück gemacht, und dieses steht nun vor seiner Erstaufführung. Worauf sind Sie denn da am meisten gespannt?

Schüssler: Der grösste Unterschied zwischen Film und Theater ist wohl, dass im Film viele verschiedene Spielorte in schnellem Wechsel gezeigt werden können. Das ist im Theater nur schwer machbar. Daher bin ich gespannt, wie das Bühnenbild das Geschehen bebildert und einrahmt. Und natürlich bin ich besonders gespannt, ob und wie der Nidwaldner Dialekt die Wirkung meiner Textfassung verändert.

Interview Romano Cuonz