KULTUR: Jury sucht das Besondere beim Bauen

Nidwalden möchte den Blick fürs Bauen schärfen. Eine Ausstellung im Salz­magazin stellt von einer Jury ausgewählte Objekte zur Diskussion.

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Vor den Fenstern durchschnittliche Nidwaldner Architektur und im Salzmagazin die von 
Roland Heini und Monika Imhof ausgewählten besonderen Bauten. (Bild Romano Cuonz)

Vor den Fenstern durchschnittliche Nidwaldner Architektur und im Salzmagazin die von Roland Heini und Monika Imhof ausgewählten besonderen Bauten. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Mit unserer Ausstellung ‹Nidwalden Architektur Nidwalden Architekten› möchten wir die Vielfalt, aber eben auch die Qualität des Bauens in Nidwalden zeigen», sagt Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums. Und er begründet: «Ich sehe die Aufgabe des Museums darin, Gegenständen das Wort zu geben, aber diese möchten nicht nur alte Geschichten erzählen, sie möchten auch Stellung nehmen zu aktuellen Fragen.» Und gerade die Architektur in Nidwalden werfe viele aktuelle Fragen auf.

In welche Richtung solche Fragen zielen können, formuliert prägnant und pointiert Projektleiterin Diana Hartz von der Wirtschaftsförderung Nidwalden: «Bei so manchem Objekt frage ich mich, ob das das Ergebnis ist, wenn ein Computerprogramm die Vorstellungskraft des Architekten und Planers ersetzt.» Ja, manchmal denke sie dann: «Was hätte man mit dem Geld bauen können, wenn man einen wirklichen Architekten gehabt hätte?»

86 Millionen Franken verbaut

Auf der andern Seite weiss Diana Hartz als Wirtschaftsförderin nur zu genau: «Die Bauwirtschaft stellt in Nidwalden eine bedeutende Branche dar, sie ist ein unerlässlicher Motor, der massgeblich zur Wertschöpfung und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beiträgt.» Seit 2008 seien allein in den Hochbau rund 86 Millionen investiert worden. Die Zahl der beim Baugewerbe Beschäftigten dürfte gegen 5000 betragen. Bei solchen Zahlen werde klar, dass für die Nachhaltigkeit des Lebensraums und Wirtschaftsstandorts eine intelligente Architektur und auf die Zukunft gerichtete Baupolitik wichtig seien. Dass Architektur auch progressiv neue Räume für eine sich verändernde Gesellschaft schaffen könne, zeige nun die Ausstellung im Salzmagazin.

In der Vereinigung Nidwaldner Architekten & Ingenieure sind 41 Unternehmen und Betriebe organisiert. Stefan Zollinger hebt hervor: «Alle Nidwaldner Architekturschaffenden sind eingeladen worden, sich und ihre Werke in Dokumentationen vorzustellen.» Das Resultat: Mit der Präsentation der eingereichten Dossiers im Erdgeschoss des Museums ist ein höchst interessantes Gesamtbild entstanden. Der Besucher erkennt, wie gross die Anforderungen an Architekten sind und wie vielfältig die Lösungsansätze. Das Vorgehen, mit dem schliesslich neun Bauten hervorgehoben und im oberen Stock mit Bild, Modell und Dokumentation präsentiert werden, ist äusserst interessant. Zuerst durchreiste Bildhauer und Gestalter Roland Heini Nidwalden. Er fotografierte, was ihn ansprach. Schuf so eine Broschüre, in der 62 Bauten mit je vier Fotos aufgeführt waren. Darauf trat ein Kuratorium mit vier Fachleuten aus Schwyz, Luzern, Uri und Obwalden in Aktion. Präsidentin Monika Imhof aus Sarnen legt dar: «Wir wählten vorerst 18 Objekte aus, die wir besichtigten und beurteilten.» Die schwierigste Aufgabe sei dann gewesen, neun Bauten mit verschiedenen Bauaufgaben von verschiedenen Architekturschaffenden und in verschiedenen Gemeinden für die Ausstellung auszuwählen.

Ausschau nach dem Besonderen

«Wir haben bei der Auswahl nach Besonderem Ausschau gehalten», grenzt Monika Imhof ein. In Bezug auf die Landschaft, punkto Stellung im Ortsbild, was das Angebot an Begegnungsräumen angehe und beim Versuch, den lokalen Formenschatz zeitgenössisch umzusetzen. In der Ausstellung detailliert zu sehen und zu studieren ist etwa die Heilpädagogische Schule Stans mit ihren speziellen Lichthöfen im Untergrund. Oder ein Wohnhaus aus Buochs, das auf Distanz zu nahen Chalets geht. Oder der Industriebau Brandboden in Dallenwil mit Einblick in sein Innenleben.

Auch der Länderpark brilliert mit sorgfältiger Gestaltung und Farbgebung. Ein Wohn- und Geschäftshaus an der historischen Stanser Schmiedgasse schafft ein Maximum an zeitgemässem Wohn- und Arbeitsraum in engster Lage. Das Verwaltungsgebäude der Zentralbahn in Stansstad stellt einen starken Bezug zum Themenkreis Schiene/Eisenbahn her. Im Zentrum von Stans wurde ein Käselager aus dem 19. Jahrhundert ideal vergrössert. Schliesslich sind da auch noch das Wohn- und Geschäftshaus Miracasa in Stans mit einem einmaligen Farbenspiel und ein weisses, sehr leicht scheinendes Wohnhaus am Vorderberg, Kehrsiten, subtil in die steile Wiese eingesetzt. Neun inspirierende Begegnungen mit Bauten.

Hinweis

Nidwaldner Architektur. Salzmagazin in Stans, offen bis zum 3. Mai. Infos zu Rahmenveranstaltungen unter www.nidwaldner-museum.ch