Landrat will Alternative zur offenen Doppelspur

Für den Nidwaldner Landrat ist das Projekt für eine offene Doppelspur in Hergiswil alles andere als optimal. Er will deshalb als Alternative ein Vorprojekt für einen Doppelspurtunnel ausarbeiten lassen.

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Eine Komposition der Zentralbahn bei der Haltestelle Hergiswil-Matt. (Bild: Robert Hess/Neue NZ)

Eine Komposition der Zentralbahn bei der Haltestelle Hergiswil-Matt. (Bild: Robert Hess/Neue NZ)

 Das Parlament stimmte am Mittwoch dem von der Regierung beantragten Projektierungskredit Studie für ein Vorprojekt für einen sogenannten «Tunnel lang» über 1,25 Millionen Franken mit 57 zu 0 Stimmen zu. Hergiswil wird sich an den Planungskosten beteiligen müssen.

Zur Zeit wird das Netz der Zentralbahn (zb) für 250 Millionen Franken ausgebaut. Dies ist nötig, damit ab 2014 mehr S-Bahn-Züge zwischen Luzern sowie Ob- und Nidwalden rollen können. Das Projekt wurde 2007 und 2008 von den Parlamenten der drei Kantone sowie der Stadt Luzern genehmigt.

Maurus Adam (FDP) betonte im Landrat, dass damals für Hergiswil noch gar kein konkretes Projekt vorgelegen habe. Tatsächlich stiess das Auflageprojekt auf grossen Widerstand. 176 Einsprachen und politische Vorstösse waren die Folge.

Gefahr eines «Flickwerks» abwenden

Das umstrittene Vorhaben sieht vor, die bestehende Doppelspur von der Kantonsgrenze zu Luzern bis zur Station Matt zu verlängern. Wegen des Hochwasserschutzes wird das neue 600 Meter lange Trassee gegenüber dem heutigen um bis zu 1,4 Meter höher liegen.

Peter Keller (SVP), der wie Adam in Hergiswil wohnt, konnte dem Projekt nichts abgewinnen. Es gelte ein «Flickwerk», wie es Hergiswil mit der A2 erlebt habe, zu verhindern, sagte er.

Die Kantonsregierung beharrte zunächst aus Solidarität zu Obwalden und Luzern auf dem Projekt, machte im letzten Herbst aber eine Kehrtwende. Demnach wird das Projekt offene Doppelspur sistiert und ein Vorprojekt für einen Doppelspurtunnel ausgearbeitet. Der Tunnel soll dabei nicht nur bis Matt führen, sondern bis zum Bahnhof Hergiswil. Er dürfte rund 1,3 Kilometer lang sein und nicht vor 2025 realisiert werden können.

Nur das Projekt «Tunnel lang» löse die Lärmprobleme, erlaube ein durchgehendes Tempo 90 und ermögliche einen späteren Fahrplanausbau, sagte Regierungsrat Gerhard Odermatt.

Zahlreiche Ungewissheiten

Viele Fragen sind aber noch offen. Eine Knacknuss ist die Finanzierung. Angedacht wurde eine gemischte Finanzierung zusammen mit privaten Investoren (Public Private Partnership). Zudem reagierten Obwalden und Bahnnutzer auf die Nidwaldner Pläne ablehnend, dies weil eine verspätete Inbetriebnahme der Doppelspur den Fahrplanausbau 2014 gefährde. Ein Ausweg könnte sein, die Station Matt aufzuheben.

Trotz Zustimmung waren im Rat deshalb auch zweifelnde Worte zu hören. Victor Baumgartner (CVP) wies auf die Risiken eines «Zwischenhalts» hin und die Notwendigkeit, den öffentlichen Verkehr auszubauen. Conrad Wagner (Grüne) sagte: «Machen wir das Vorprojekt, wir ahnen aber die Realitäten.» Letztendlich überwog aber die Überzeugung, dass es das Beste sei, wenn zwischen zwei Varianten ausgewählt werden könnte. Dies dürfte 2013 der Fall sein.

sda/zim