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Kolumne

Le soleil brille

Karl Tschopp macht sich in seinem Ich meinti Gedanken über den Wonnemonat Mai, der seinem Namen einfach nicht gerecht werden will.
Karl Tschopp
Karl Tschopp (Bild: PD)

Karl Tschopp (Bild: PD)

Oder einfach übersetzt: die Sonnenbrille. Nein, das ist natürlich nicht richtig: Die Sonne scheint. Das ist korrekt übersetzt. Gemäss Wettervorhersage auch heute. Wieso eigentlich «auch» heute? Die Sonne sollte schon lange länger scheinen. Was ist denn mit dem Mai-Wetter los? Hat sich die Klimaerwärmung bereits wieder verabschiedet? Erste Stimmen sagen schon, die Gletscher wachsen wieder. Auf jeden Fall war es im Langzeitdurchschnitt sicher zu kalt im eigentlichen Wonnemonat Mai. Die Aussichten für den Rest des Monats sind auch nicht gerade rosig. Wechselhaft, kühl und regnerisch soll es in den nächsten Tagen bleiben. Jetzt müssen wir halt auf den Sommer warten.

Vom «Wonnemonat» weit entfernt haben immerhin die öffentlichen Badeanstalten schon zum grossen Teil wieder geöffnet. Die Gäste fehlen weitgehend, das Personal ist jedoch einigermassen zuversichtlich. Aktuelle Fernsehbilder erreichen uns von badenden Menschen in einem See. Das Wasser sei immerhin bereits acht Grad, zwei Grad wärmer als im Winter. Es geht also aufwärts. Die «Wonne» hingegen hält sich in Grenzen. April-Wetter im Mai und Mai-Wetter im April. Also nur eine Verwechslung der beiden Monate in der richtigen Reihenfolge. Das Aufblühen und Erneuern der Natur geht nur zaghaft voran und in den Alpen liegt auf geringer Meereshöhe noch sehr viel Schnee.

Der Klimadiskussion tut dies grundsätzlich keinen Abbruch. Obwohl der Klimawandel mehr und mehr zur Glaubensfrage verkommt. So beeinflussen aktuelle Ereignisse stark unsere Meinung. Heftiger denn je wird protestiert und eher die jüngere Generation zieht es mit Plakaten auf die Strasse. Wahlergebnisse zeigen auf, dass die sogenannt «grünen» Themen im Rahmen der Klimadiskussion besser ankommen. Andere politische Parteien beteiligen sich zaghaft. Den Klimawandel auf wissenschaftlicher Basis nachzuvollziehen benötigt Zeit und viel Geduld. Alles, was da an unzähligen Stellen geschrieben steht, wirkt logisch und belegt. Alles, was man auf Bildern zu sehen kriegt, am wirkungsvollsten mit «Früher»- und «Heute»-Aufnahmen, versetzt uns in Staunen und regt zum Nachdenken an. Die globale Erwärmung ist zwar Fakt, die Meinung aber, dass dieser Klimawandel durch menschengemachte Einflüsse entstanden ist, wird nicht überall geteilt.

Ich meinti, eine komplett wertfreie Diskussion und Interpretation der Fakten ist zwar kaum möglich, aber trotzdem sollte man Fakten und Meinungen bei der Klimadiskussion klar trennen. An heissen Tagen glauben nämlich mehr Menschen an den Klimawandel als zum Beispiel bei der aktuellen Wetterlage, wie eine Studie deutlich belegt. Was so banal tönt, widerspiegelt die Schwierigkeit einer sachlichen Diskussion. Spätestens also wenn die Sonne wieder «brilliert» und uns die Sonnenbrille von der feuchten Nase rutscht, wird uns auffallen, dass die Gletscher doch erheblich zurückgegangen sind und das einen Zusammenhang mit dem Klimawandel haben könnte.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt, Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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