Leichtgewicht mit Weltformat

Der «Stansstader Seebueb» Pius Z’Rotz gehörte in den 80er-Jahren zu den besten Leichtgewichtsruderern der Welt.

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Vor rund 30 Jahren: Pius Z'Rotz (rechts) beim Training auf dem Sarnersee mit dem Clubkameraden Roland Rosset. (Bild: PD)

Vor rund 30 Jahren: Pius Z'Rotz (rechts) beim Training auf dem Sarnersee mit dem Clubkameraden Roland Rosset. (Bild: PD)

Bereits in der Schule interessierte sich der heute 57-jährige Pius Z’Rotz für den Rudersport und konnte direkt von seinem Elternhaus aus die grossen Stansstader Ruderer Hugo und Adolf Waser beim Training bewundern. Zu einem Start ins Rudermetier animierten ihn Schulkollegen, die ihn zum Training in den Seeclub Stansstad mitnahmen.

Talent trifft auf Förderer

Bald zeigte sich, dass der grossgewachsene drahtige Sohn des Holzbildhauers Josef Z’Rotz grosses Talent hatte und auch entsprechend gefördert wurde. «Meine Förderer und Trainer waren im Seeclub Dölf Waser und später Ueli Sigg. Beide wussten, was mir noch fehlt und was ich für eine erfolgreiche Ruderkarriere brauchte», so der heute bei der Firma Meyer in Ennetbürgen als Schreiner tätige ehemalige Spitzenruderer. Als Vorbilder für seine Ruderkarriere nennt Pius Z’Rotz die beiden Weltklasseruderer der 1960er- Jahre Hugo und Dölf Waser, die damals an diversen internationalen Meisterschaften grosse Erfolge feiern konnten.

Als 14-jähriger Steuermann konnte Z’Rotz im Jahre 1969 in einem Achter zusammen mit seinen älteren Clubkameraden Ueli Sigg, Fredi Haller, Hugo Waser, Adolf Waser, Hans Hungentobler und Martin Studiger seinen ersten Schweizer-Meister-Titel einfahren. 1972 startete Pius Z’Rotz in Nottingham, erstmals an einem internationalen Grossanlass zusammen mit dem Zürcher Erich Zollinger an den Junioren-Weltmeisterschaften, wo sie im «Zweier mit Steuermann» den 12. Rang erreichten. Ab 1975 gehörte er dann zum Schweizer Leichtgewichtsruderer-Team, das sich in den folgenden Jahren immer erfolgreich an den Weltmeisterschaften beteiligte.

 

Reich befrachtet mit Medaillen: Pius Z'Rotz. (Bild: Franz Hess)

Reich befrachtet mit Medaillen: Pius Z'Rotz. (Bild: Franz Hess)

Russischer Kaviar in Nottingham

Als grösste Erfolge bezeichnet er die Gewinne der WM-Bronzemedaille im Jahre 1982 (zusammen mit dem Luzerner Kurt Steiner) und natürlich im Jahre 1983 zusammen mit Clubkamerad Roland Rosset in Duisburg. Beide Male im «Leichtgewichts-Doppelzweier». «Besonders der Gewinn der Bronzemedaille in Luzern, auf dem Rotsee im Jahre 1982, wo mich viele Nidwaldner Zuschauer, Bekannte und Freunde anfeuerten, war ein tolles Erlebnis in meiner Ruderkarriere», so Pius Z’Rotz im Rückblick zu unserer Zeitung. 1986 wechselte der Stansstader dann zu den «schweren Ruderern» und konnte auch hier Erfolge feiern. So erreichte er zum Abschluss seiner Eliteruderer-Karriere zwei zehnte Ränge an den Weltmeisterschaften in Nottingham und Kopenhagen in den Jahren 1986 und 1987. Dem damaligen Doppelvierer gehörten neben den beiden Bernern Beat Schwerzmann und Nick Hess auch sein Seeclub-Kamerad Gerhard Orthaber an.

Von den Weltmeisterschaften in Nottingham weiss er ein spezielles Müsterchen zu erzählen: «Wir waren zusammen mit dem russischen Team im Universitätsgebäude einquartiert, wobei die Russen uns immer wieder Kaviar verkaufen wollten. Für mich war das zu dieser Zeit etwas Spezielles, denn ich kannte diese teure Spezialität kaum. Für die Russen war dies eine willkommener Nebenverdienst.»

Mit stolz erzählt Pius Z’Rotz auch von seinen Erfolgen am damaligen Grossen Preis am Wohlensee (Langstrecken-Skiffrennen und Geländelauf) der jeweils zum Saisonauftakt ausgetragen wurde, wo er insgesamt zehn Mal in Folge den Tagessieg errang. Insgesamt sechs Mal konnte sich der Stansstader auch als Schweizer Meister in diversen Bootsklassen feiern lassen.

Betreuung des Nachwuchses

Dass Pius Z’Rotz nicht nur rudern konnte, zeigte er an diversen weiteren Wettkämpfen in der Region: Seine besondere Liebe galt den Ausdauersportarten wie Berglauf, Geländelauf, Radfahren und Skilanglauf. Auch dort blieb er sich treu. Denn auf alten Ranglisten taucht sein Name immer wieder in Spitzenrängen auf.

Nach seiner Ruderkarriere betreute Z’Rotz den Nachwuchs des Seeclubs Stansstad und durfte dabei Bernadette Wicki bis zur Weltspitze begleiten. Heute lebt er zusammen mit seiner Frau noch immer in seinem Elternhaus an der Rotzbergstrasse in Stansstad, wo er im Jahre 1955 auf die Welt kam. Er geniesst die Freizeit mit Sport allgemein; wobei Radfahren, Rudern und Laufen zu den Hauptaktivitäten gehören. «Auch die Arbeiten rund um das Haus geben immer wieder viel zu tun, und mein Alltag ist durchaus ausgefüllt», so der ehemalige, bescheiden gebliebene Spitzenruderer aus Stansstad.

Franz Hess