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LOPPER: Ziel ist ein Leitsystem für Amphibien

Die Population von Amphibien ist stark gestiegen. Während der Wanderungen in der Laichzeit wird die Lopper­strasse zur Todesfalle.
Philipp Unterschütz
Gerda Felber, Romy Ineichen und Hanspeter Rohrer (von links) von Pro Natura Unterwalden an der Lopperstrasse zwischen Alpnachstad und Stansstad. (Bild Philipp Unterschütz)

Gerda Felber, Romy Ineichen und Hanspeter Rohrer (von links) von Pro Natura Unterwalden an der Lopperstrasse zwischen Alpnachstad und Stansstad. (Bild Philipp Unterschütz)

«Einige hundert Erdkröten haben wir von Mitte bis Ende April eingesammelt, über die Strasse zu ihren Laichgründen im See oder zurück zum Berg gebracht und so vor dem Überfahren bewahrt», erzählen Gerda Felber und Romy Ineichen, beide Vorstandsmitglieder von Pro Natura Unterwalden. Momentan ist das die einzige Massnahme, welche das Massensterben der Kröten in der Laichzeit verhindert. Auf dem Weg von ihren Landlebensräumen im angrenzenden Wald über die Lopperstrasse in den See werden sie sonst zu Hunderten überfahren. «Dieses Aufsammeln kann aber keine dauerhafte Lösung sein», sagt Hanspeter Rohrer, Geschäftsführer von Pro Natura Unterwalden. «Da die Wanderungen in regnerischen Nächten mit eher schlechten Sichtverhältnissen stattfinden, ist das auf der kurvenreichen Lopperstrasse sehr gefährlich. Mittelfristig braucht es andere Massnahmen.»

Das Phänomen hat alle überrascht

Beim Kanton ist das Problem bekannt. Die stark angestiegene Population hat aber sowohl die Pro Natura als auch die Behörden überrascht. «Wie gross die Population ist, wissen wir nicht genau», meint Manuel Lingg, der Amphibienbeauftragte des Kantons Nidwalden. Er hat bereits mehrmals einen Augenschein auf der Lopperstrasse genommen und schätzt, dass in den Wandernächten ohne Massnahmen wohl ein Viertel bis die Hälfte der Erdkröten überfahren würden. «Die Kröten sterben nicht nur durch die Reifen, sondern auch durch den sehr schnellen Wechsel von Über- und Unterdruck.» Es bestehe Handlungsbedarf auf der Lopperstrasse. Felix Omlin, Leiter der kantonalen Fachstelle Natur- und Landschaftsschutz, bestätigt diese Einschätzung. «Das Phänomen hat uns alle überrascht. Als die Lopper­strasse vor rund vier Jahren vor der Rückgabe vom Bund an den Kanton saniert wurde, hatte man eine ökologische Baubegleitung. Aber damals tauchten nur einzelne Tiere auf, weshalb spezielle Massnahmen für die Amphibien nicht angezeigt waren.» Warum die Population in den letzten Jahren so zugenommen hat, wissen die Fachleute nicht. «Die Zahlen von Amphibien schwanken naturgemäss, aber hier ist die Zunahme schon sehr auffällig», meint Manuel Lingg. «Offenbar sind am Lopper die Lebensbedingungen für die Kröten einfach besser geworden, vielleicht hat es mit dem Wetter in den letzten Jahren zu tun», fügt Felix Omlin hinzu, der nicht glaubt, dass es mit dem Bau des Autobahntunnels zu tun haben könnte. Die Lopperstrasse sei laut Einheimischen in den Nächten nicht weniger befahren als zuvor.

Nachhaltige Lösung erwünscht

Für Hanspeter Rohrer ist das Aufsammeln nur eine Notlösung. Als kurzfristige Lösung schlägt er vor, die Strasse während der Laichwanderungen, die sich ab etwa Mitte April über drei Wochen hinziehen, jeweils von 21 bis 2 Uhr zu sperren. Allenfalls auch während der Rückwanderung der Erdkröten und des Nachwuchses von Mitte Juli bis Mitte August. Die Pro Natura Unterwalden werde diesbezüglich ein Schreiben an das kantonale Strassenbauamt schicken. «Mittelfristig wünschen wir uns aber eine nachhaltige Lösung. Ein sogenanntes Amphibienleitwerk mit zwei bis drei Durchgängen unter der Strasse.» Der Amphibienbeauftragte Manuel Lingg könnte sich eine temporäre Strassensperrung zwar vorstellen, allerdings nur während der Laichwanderungen. «Wenn die Kröten und ihr Nachwuchs zurückkommen, geht das nicht. Das findet nicht in einem eher kurzen Zeitrahmen wie die Laichwanderung statt, sondern verteilt sich über längere Zeit.» Man ermittle nun bis im Herbst im Auftrag des Kantons verschiedene Lösungsansätze und Kosten.

Kanton klärt Massnahmen ab

Beim Kanton ist man bezüglich der Amphibienleitsysteme offen, schliesslich hat man vor fünf Jahren bereits eines auf der Strasse ins Rotzloch gebaut, und in Kehrsiten werden im Rahmen der anstehenden Strassensanierung ebenfalls Durchgänge für die Amphibien realisiert. «Wegen der kürzlichen Sanierung der Lopperstrasse dürfte es hier aber noch etwas dauern, man muss berücksichtigen, dass solche Amphibienleitsysteme schnell mal über 100 000 Franken kosten, das können wir erst bei der nächsten Sanierung einbringen», sagt Felix Omlin. Das sei ein längerer Prozess, so ein Geschäft müsse von den politischen Instanzen beschlossen werden. Über die Strassensperrungen werde man sich sicher auch Gedanken machen. «Momentan sind wir mit dem Amphibienberater in der Abklärungsphase», erklärt Omlin, man werde im August bei der Rückwanderung genau beobachten, wo die Erdkröten nicht durchkämen. Daraus könne man dann auch Rückschlüsse ziehen für allfällige kleinere Massnahmen wie das Abspitzen von Randsteinen zum Öffnen von Durchgängen für die jungen Amphibien.

Kehrsiten ist eine Erfolgsstory

Felix Omlin betont, wie wichtig die Freiwilligenarbeit sei und dass sich Einwohner für die Natur in ihrer Umgebung engagieren. «Wir müssen uns für kurzfristige Massnahmen zuerst auf organisatorische Massnahmen fokussieren. Wichtig ist, dass hinter den Aktionen eine Struktur steht, damit die Arbeit nicht an einzelnen Personen hängen bleibt.» Der Kanton werde die Freiwilligenarbeit weiterhin wie bisher unterstützen. In Kehrsiten wurde seinerzeit extra ein Verein gegründet, mit dem der Kanton eine Leistungsvereinbarung abschloss und dafür Entschädigungen ausrichtete. «Kehrsiten ist eine Erfolgsstory in einem Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Am Lopper könnten wir uns sehr gut vorstellen, dass die Pro Natura, mit der wir sehr gut zusammenarbeiten, eine ähnliche Aufgabe übernehmen könnte.»

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