Ludothek Stans: Mühle und Schach sind out, Hörspiele aus der Cloud im Trend

Die Ludothek in Stans wurde vor 40 Jahren gegründet und ist damit die älteste in der Zentralschweiz. Smartphones hätten das Spielen verändert, sagt die Präsidentin im Interview.

Franziska Herger
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Präsidentin Béatrice Lachmaier (rechts) und Ludothekarin Cindy Bigler bereiten in der Ludothek das «Schoggispiel» für das grosse Spielfest am 16. März vor. (Bilder: Pius Amrein, Stans, 7. März 2019)

Präsidentin Béatrice Lachmaier (rechts) und Ludothekarin Cindy Bigler bereiten in der Ludothek das «Schoggispiel» für das grosse Spielfest am 16. März vor. (Bilder: Pius Amrein, Stans, 7. März 2019)

Vor 40 Jahren, im März 1979, öffnete in Stans die erste Ludothek der Zentralschweiz. Was mit wenigen Spielen begann, ist heute ein Sortiment von rund 2000 Spielen für drinnen und draussen, Gruppen und Einzelspieler. Die Regeln dagegen sind gleich geblieben: Gegen eine jährliche Mitgliedergebühr von 15 Franken und Preisen zwischen einem und 18 Franken (für den grossen Go-Kart) kann das Spielzeug vier Wochen lang ausgeliehen werden. Hinter dem Angebot stehen zehn ehrenamtliche Ludothekarinnen. Im Interview erzählt Béatrice Lachmaier, Präsidentin des Vereins Ludothek Stans, wie die Nachfrage im Zeitalter der Computerspiele aussieht.

Warum entstand die erste Zentralschweizer Ludothek gerade in Stans?

Béatrice Lachmaier: Es waren die Pionierinnen des Vereins «Eltere-Zyt», die fanden, das brauche es in Stans. Die sieben Mütter, heute alle um die 70, hatten die Idee aus anderen Teilen der Schweiz aufgeschnappt. Das fing klein an: Es gibt Bilder vom ersten Standort an der Pfauengasse, auf denen die Regale noch halb leer sind.

Wie ist die Nachfrage heute, wo die Ludothek vor lauter Spielen fast aus den Nähten platzt?

Seit einigen Jahren sehr stabil. Wir haben jedes Jahr etwa 250 laufende Abos, letztes Jahr hatten wir 3350 Ausleihen. Die Spitzenzeiten der Ludothek waren aber um 2005, als Gameboy-Spiele beliebt waren. Davon konnten wir nie genug haben, sie waren immer reserviert. Damals hatten wir bis zu 8185 Ausleihen pro Jahr. Das änderte sich, als Gameboys ab 2006 ausser Mode kamen. Heute spielen die Kinder ihre «Games» auf dem Handy.

Wie hat die Technologie das Spielen noch verändert?

Langeweile gibt es nicht mehr. Niemand nimmt mehr ein Puzzle hervor, weil er oder sie gerade nicht weiss, was machen. Die Unterhaltung auf dem Handy ist immer greifbar. Einzelspiele werden daher weniger ausgeliehen. Und der Grossteil unserer «Kundschaft» ist zwischen vier und zehn Jahren alt. Danach fängt das mit den Handys so richtig an.

Ermuntert man die Kinder zu einem Spiel, merkt man, dass der Spielreiz ungebrochen wäre. Aber dafür braucht es drei, vier Gspändli oder Elternteile, die mitspielen.

Andererseits ist auch einiges leichter geworden: Statt lange Spielanleitungen zu lesen, gibt es heute zum Beispiel für viele Spiele Youtube-Videos, in denen die Anleitung vorgespielt wird. Das empfehlen wir den Kunden oft.

Gibt es Spiele-Dauerbrenner?

«Lotti Karotti», ein Spiel mit Karten und kleinen Hasenfiguren, die eine Karotte zu erreichen versuchen, ist seit Jahren beliebt. Wir müssen aber mit den Trends gehen: Natürlich haben wir Mühle und Schach, aber das wird höchstens von Schulen ausgeliehen. Auch Kassetten werden kaum mehr gesucht. Daher haben wir jetzt etwa auch Tonieboxen (eine Hörspiel-Box, auf der Figürchen sitzen und Geschichten «erzählen», die zuvor aus der Cloud heruntergeladen werden; Anm. der Redaktion).

Und welches Spiel ist immer ausgeliehen?

Präsidentin Beatrice Lachmaier in der Ludothek.

Präsidentin Beatrice Lachmaier in der Ludothek.

Das sind im Sommer vor allem unsere Fahrzeuge für draussen, vom Dreirad bis zum Go-Kart. Und Aquaplay, ein Wasserbahnsystem, das die Kinder selber bauen können. Das sind Spielsachen, die zum Kaufen nicht gerade billig sind. Überhaupt merken wir bei jüngeren Eltern eine Trendwende: Sie kommen vermehrt wieder ausleihen und kaufen nicht mehr alles selber.

Sie bieten «pädagogisch wertvolles Spielzeug» an. Was heisst das genau?

Wir achten darauf, dass Kinder bei unseren Spielen etwa bauen, miteinander kooperieren, Geschicklichkeit oder Taktik üben können. Das ist das Schöne am Spielen, dabei entdecken Kinder ihre Stärken, ohne dass sie es merken.

Das Spielfest mit Fahrzeugpark und Glücksrad findet am 16. März von 8 bis 18 Uhr im Länderpark statt. Weitere Infos zur Ludothe