Luftseilbahn-Fahrt auf die Klewenalp endet mit Heliflug

Wenn die Luftseilbahn nicht mehr weiter fährt, müssen die Fahrgäste mit dem Heli evakuiert werden. Dieses Szenario wurde am Mittwoch geübt. Wer sich als Figurant opferte, wurde mit einem seltenen Ausblick belohnt.

Matthias Piazza
Drucken
Teilen
Am Seil des Helikopters geht es für die «Passagiere» in Richtung sicheren Erdboden. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)

Am Seil des Helikopters geht es für die «Passagiere» in Richtung sicheren Erdboden. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)

Plötzlich verlangsamt die Fahrt, die Kabine steht still, auf halber Strecke zwischen Beckenried und der Bergstation Klewenalp, rund 100 Meter über dem Boden. Der Motor streikt, auch mit Hilfsantrieb lässt sich die Kabine mit rund einem Dutzend Personen nicht mehr bewegen. Eine Luftrettung drängt sich auf. Innerhalb von dreieinhalb Stunden müssen die Passagiere aus der Kabine, die bis 70 Personen fasst, befreit werden, so schreibt es das Gesetz vor. Dieses Szenario wurde am Mittwoch geübt.

Gegen zehn Uhr vernimmt man Rotorenlärm. Ein Rega-Heli nähert sich der Kabine und seilt mehrere Heli-Rettungsspezialisten (RSH) der Alpinen Rettung Schweiz auf dem Dach ab. Über die Luke steigen sie ein und machen sich an die Arbeit. Nachdem sie sich an einem Seil gesichert haben, öffnen sie die Kabinentür und bereiten die ersten paar «Passagiere» für den Heliflug vor. Diese ziehen einen speziellen Gurt an, an dem das Seil angehängt wird. Es kann losgehen. Der Heli hebt mit den ersten zwei Personen ab in Richtung Bergstation. Sachte sinkt der Heli, bis die zwei «Geretteten» wieder sicheren Boden unter den Füssen haben. Zwei Heli-Rettungsspezialisten nehmen sie in Empfang und lösen ihnen das Seil. Fast im Minutentakt befreit so der «Luft-Shuttle» die restlichen Passagiere und am Schluss die Rettungskräfte aus der Kabine.

(Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)

(Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)

Nur Lob für die Einsatzkräfte übrig

«Es war mega supercool», gibt Übungsteilnehmerin Maria Haldimann aus Affoltern am Albis, die eine Passagierin spielte, zu Protokoll. Die schöne Aussicht aus dieser ungewöhnlichen Perspektive habe sie begeistert. «Aus der Luftseilbahn habe ich die wunderschöne Region schon ein paar Mal gesehen, aber noch nie aus dieser Höhe wie heute mit dem Heliflug.» Für die Einsatzkräfte hat sie nur Lob übrig. Sie hätten ihren Job sehr gut gemacht.

Nur um Auswärtigen einen Gratisflug mit einem Panoramablick über Nidwalden und den Vierwaldstättersee zu gönnen, wurde die aufwendige eintägige Übung mit rund 40 Beteiligten der Rega, der Alpinen Rettung Schweiz und der Bergahnen Beckenried-Emmetten AG (BBE) natürlich nicht gestemmt.

«Wenn der Antrieb streikt und auch über Notantrieb nichts mehr zu machen ist, müssen wir die Passagiere evakuieren», erklärt Paul Odermatt, Technischer Leiter der BBE. Auch wenn dies bei dieser Luftseilbahn noch nie vorgekommen sei, müsse man für den Fall der Fälle gerüstet sein. «Zweimal im Jahr üben wir, die Passagiere abzuseilen, denn der Heli kann nicht bei jedem Wetter fliegen.»

Ein Rega-Helikopter schwebt oberhalb einer Kabine der Klewenalp-Bahn. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
8 Bilder
Die Heli-Retter der Alpinen Rettung Schweiz bereiten sich auf ihren Einsatz vor. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
Der Helikopter nähert sich seinem Ziel. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
Ein Retter wird zur Seilbahnkabine geflogen.  (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
Über die Dachluke gelangen sie ins Innere der Kabine. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
Ein weiterer Retter nähert sich der Kabine. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
Die «Passagiere» werden ausgeflogen. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)
Am Boden werden die «Geretteten» in Empfang genommen. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)

Ein Rega-Helikopter schwebt oberhalb einer Kabine der Klewenalp-Bahn. (Bild: Nadia Schärli, 8. Mai 2019)

Am Mittwoch wurde nun erstmals bei der Luftseilbahn Beckenried–Klewenalp mit dem Heli geübt. «Wir üben jedes Jahr eine solche Rettung aus der Luftseilbahn. Die Bahnen fragen uns dafür an, weil es für sie ja auch eine spannende Sache ist», erklärt Rega-Übungsleiter Markus Koch. Die Besonderheit sei, dass man besonders sanft fliegen müsse, wenn Personen statt Waren am Seil hingen. Wie einfach lassen sich Leute mit dem Heli an einem Seil ausfliegen? Klar sei so ein spezieller Flug für viele Leute eine Erfahrung fürs Leben. Aber von einem Problem spricht er nicht, dazu trage auch das Image bei. «Die Leute verbinden die Rega mit Sicherheit und Professionalität.»

Die Leute seien froh, wenn sie befreit würden

Ob die Rega diesem Ruf auch diesmal gerecht wird, bewertet Markus Reichenbach, der für die Rega die gesamte Übung verfolgt. «Ich achte insbesondere, ob die vorgeschriebenen Abläufe und die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden.» Das Zwischenfazit fällt positiv aus. «Tipp topp.» Übungen seien immer wertvoll, um etwas optimieren zu können.

Erfreut über den bisherigen Verlauf zeigt sich auch Iwan Infanger, Chef der alpinen Heli-Retter. Mit einer so grossen Kabine gestalte sich die Rettungsaktion allerdings auch nicht wirklich schwierig. Eine «echte» Evakuation mit dem Heli erachtet er auch nicht als Problem. «In einem Ernstfall sind die Leute froh, wenn sie befreit werden.»

Am Nachmittag wurde dieselbe Evakuationsübung bei der Sesselbahn Ängi durchgeführt, ebenso erfolgreich.