Hergiswil: Luftverschmutzung ist schon seit Jahren zu hoch

Seit 2010 wird im Lopperdorf der Stickstoffdioxid-Grenzwert überschritten. Schuld ist die verlängerte Galerie des Kirchenwaldtunnels. Kosten und Aufwand verhinderten bisher Massnahmen gegen die Abgaswolke.

Franziska Herger
Drucken
Teilen
Ist für die dicke Luft in Hergiswil mitverantwortlich: Der Kirchenwaldtunnel. (Bild: René Meier/LZ)

Ist für die dicke Luft in Hergiswil mitverantwortlich: Der Kirchenwaldtunnel. (Bild: René Meier/LZ)

In Hergiswil herrscht buchstäblich dicke Luft: Seit 2010 ist die Belastung durch Stickstoffdioxid im Dorf zu hoch. Grund für die Überschreitung des Jahresmittelgrenzwerts der Luftreinhalteverordnung sei die damalige Verlängerung der Galerie des Kirchenwaldtunnels, heisst es im Rechenschaftsbericht der Regierung. Denn dadurch entweichen die Emissionen konzentrierter am Nordportal aus der Tunnelröhre auf der Höhe des Dorfs.

Auch im Vergleich mit ähnlichen ländlichen, autobahnnahen Standorten wie Reiden sind die Immissionen daher höher. Und: «Aufgrund der Siedlungsdichte und der Nutzung dieses Gebiets als Wohnregion muss von einer relativ hohen Bevölkerungsexposition ausgegangen werden.» Gérald Richner, Leiter des Amts für Umwelt, wird konkreter: «Alles, was den Grenzwert überschreitet, ist grundsätzlich gesundheitsgefährdend.»

Sieben Monate lang zu viel Stickstoffdioxid

Beschwerden von Bürgern seien ihm nicht bekannt, sagt Gemeindepräsident Remo Zberg auf Anfrage. Er redet von punktuellen Überschreitungen. «Das macht uns noch keine Sorgen, solange die Werte wie jetzt konstant bleiben und regelmässig überwacht werden.» Die Messungen sowie die Kommunikation seien im Übrigen Sache des Kantons.

Der Rechenschaftsbericht zeigt, dass 2018 im Dorf Hergiswil der Stickstoffdioxid-Jahresmittelgrenzwert von 30 Milligramm pro Kubikmeter Luft von Januar bis März und von September bis Dezember um bis zu 5 Milligramm pro Kubikmeter überschritten wurde. Am Messstandort Hergiswil Matt wurde er stets unterschritten. «Die Korrelation mit der Autobahn und dem Tunnel-Nordportal ist eindeutig», so Richner. «Im Sommer sind die Werte besser, weil durch die Sonneneinstrahlung Stickoxide zu Ozon abgebaut werden und die Durchmischung der Luftschichten besser ist.»

Die Luftbelastung durch Stickoxide könne man weder riechen noch unmittelbar spüren, so Richner. «Ich finde es wichtig, dass die Bevölkerung informiert ist. Aufgrund der Überschreitung müssten eigentlich Massnahmen ergriffen werden, damit die Grenzwerte wieder eingehalten werden.» Die Bevölkerung sei im «Hergiswiler» und an der Gemeindeversammlung auch schon über die Überschreitungen informiert worden, sagt Remo Zberg.

Höhere Lärmschutzwände sollen Besserung bringen

Warum also ist seit 2010 nie etwas geschehen? Gespräche mit dem zuständigen Bundesamt für Strassen (Astra) hätten stattgefunden, sagt Gérald Richner. Dabei wurde diskutiert, etwa die Lüftung auch ausserhalb von Ereignisfällen zu betreiben. Doch diese Variante habe aus energetischen Gründen verworfen werden müssen, so Richner. «Man fand es zu aufwendig und zu teuer, zudem war die Wirksamkeit im Verhältnis zum Aufwand schwer abzuschätzen.»

Bereits vor der Verlängerung der Galerie sei eine allfällige Erhöhung der Schadstoffimmissionen abgeklärt worden, sagt Richner.

«Man ging davon aus, dass es auch aufgrund von Verbesserungen bei den Emissionen von Fahrzeugen nicht zu Grenzwertüberschreitungen kommen würde. Aber wie die Messungen zeigen, ist das nicht der Fall.»

Man sei gespannt, ob die aktuellen Bauarbeiten an der A2 eine Verbesserung bringen, meint er. «Wir hoffen, dass die Abgase durch die höheren Lärmschutzwände anders abgeleitet, verdünnt und weniger gegen das Dorf gerichtet werden.» Mit dem Astra sei vereinbart, nach den Bauarbeiten erneut Messungen durchzuführen. Auch Remo Zberg ist gespannt auf die Ergebnisse. «Ich hoffe auf eine Verbesserung.» Für Gérald Richner ist klar: «Wenn der Grenzwert noch immer überschritten wird, müssen mit dem Astra andere Massnahmen diskutiert werden.»

Seit 10 Jahren: Kirchenwaldtunnel bringt Sicherheit und Nähe

Mit dem Kirchenwald- und dem Verbindungstunnel von der A2 in Nidwalden zur A8 in Obwalden kamen sich die beiden Kantone vor 10 Jahren markant näher. Zudem ist der Verkehr seither vor der permanenten Steinschlaggefahr am Lopper sicher.
Philipp Unterschütz