Märli-Biini-Protagonist erlebt schwierige Jahre als «Dreckspatz»

Die Märli-Biini Stans zeigt mit «Aljoscha und die drei Teufel» zum ersten Mal ein russisches Märchen. Die farbige, witzige und musikalische Inszenierung hat an der Premiere am Samstag für Begeisterung gesorgt.

Carina Odermatt
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Der Unterteufel (Lena Sprichtig, rechts) und der Unter-Unterteufel (Adrian Murer, links) ärgern sich, weil Aljoscha (Arni Häcki, im Hintergrund) die siebenjährige Prüfung annehmen will. (Bild: Roger Zbinden (Stans, 19. September 2018))

Der Unterteufel (Lena Sprichtig, rechts) und der Unter-Unterteufel (Adrian Murer, links) ärgern sich, weil Aljoscha (Arni Häcki, im Hintergrund) die siebenjährige Prüfung annehmen will. (Bild: Roger Zbinden (Stans, 19. September 2018))

Er ist ein armer Tropf: In Zeiten der Hungersnot braucht niemand einen Musikanten, wie Aljoscha Aleksejev (Arni Häcki) einer ist. Niemand, ausser der Teufel (Beat Barmettler), der sich für seinen Chor der Seelen nichts sehnlicher wünscht als eine Klarinette. Hungrig und verzweifelt lässt sich Aljoscha vom temperamentvollen Unterteufel (Lena Spichtig) und dem etwas dümmlichen Unter-Unterteufel (Adrian Murer) dazu verführen, für «Taschen immer voll Gold» seine Seele zu verkaufen. Erst als er schon mit seinem frischen Blut im Buch des Teufels unterschrieben hat, erkennt er den grössten Fehler seines Lebens. Denn ohne Seele ist das Herz wie Stein: kalt und hart.

Nur durch eine siebenjährige Prüfung kann er seine Seele noch retten. Sie stellt die grösste Probe seines Lebens dar und drängt ihn an den Rand der Gesellschaft. Sieben Jahre lang darf sich Aljoscha nicht mehr waschen, die Kleider nicht wechseln, die Nägel nicht schneiden und die Nase nicht schnäuzen. Die Taschen voll Gold machen nicht lange glücklich. Bald wird «der zehn Kilometer gegen den Wind stinkende» Aljoscha trotz seines Reichtums von der adligen Gesellschaft Moskaus vertrieben. Mit immer längerem Bart und juckender Haut ekelt er sich vor sich selbst und redet mit seinem Schuh, um nicht zu vergessen, wer er ist.

Ohne die Hilfe seiner Freunde und der weisen Magd Luba (Ramona von Deschwanden) wäre es ihm trotz aller Stärke unmöglich, den Verführungen des Unter-Unterteufels zu widerstehen, der ihm immer wieder in Form eines Seifenhändlers oder französischen Friseurs erscheint. Den letzten Überlebenswillen findet Aljoscha in der Liebe. Nur der Gedanke an Zarentochter Maruschka (Jeannine Soffner), in die er sich vor dem Teufelspakt verliebt hat, gibt seinem einsamen Sein noch einen Sinn.

Der Chor der Seelen beeindruckt

Mit «Aljoscha und die drei Teufel» bringt die Märli-Biini zum ersten Mal ein russisches Märchen auf die Bühne. Das Stück mit Originaltitel «Der Ungewaschene» wurde von Regisseur und Autor Claudio Schenardi aus Zürich neu inszeniert. Selbst wer noch nie in Russland war, fühlt sich durch die farbenfrohen Kleider, die energiegeladenen Tänze und die schönen Türme der Basilius-Kathedrale ins feierliche Moskau versetzt. Natürlich darf auch ein Gläschen Wodka nicht fehlen. Neben den hervorragenden schauspielerischen Leistungen beeindruckt besonders der Chor der Seelen, der unter der Leitung von Roman Glaser das Stück mit Livemusik begleitet. Er schafft zu jeder Szene die passende Stimmung, ob es sich nun um flüsternde Bäume, heulende Wölfe oder glückliche Festmusik handelt. Zusammen mit vielen lebhaften Choreografien von Sonia Rocha verschmelzen Schauspiel, Musik und Tanz zu einer wunderbaren Mischung.

Für Begeisterung sorgen die Kostüme von Brigitte Fries. Die prunkvollen Kleider der Zarenfamilie und adligen Moskauern stehen dabei in grobem Kontrast zu den verlumpten Stoffen der Bettler. Besonders eindrucksvoll gekleidet ist der Chor der Seelen, der durchaus etwas gruselig wirkt. Aus diesem Grund wird empfohlen, mit jüngeren Kindern vor dem Besuch das Online-Fotobuch anzuschauen, das Mitte Woche auf der Webseite aufgeschaltet wird.

Das Stück vereint Tiefsinn, Witz und Spannung. Es berührt mit der Geschichte von Freundschaften, denen auch grösste Widrigkeiten nichts anhaben kann. Es sind die einfachen Leute, die Solidarität nicht nur predigen, sondern über alle Grenzen hinweg leben. Im Kampf zwischen Gut und Böse gewinnt schliesslich die alles überwindbare Kraft: die Liebe. Und der Zuschauer bekommt die Antwort auf eine Frage, die er sich wahrscheinlich noch nie gestellt hat: Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich mich sieben Jahre nicht waschen könnte?

Weitere Aufführungen bis 17. November. Vorverkauf unter www.maerli-biini.ch oder im Theater bzw. via Telefon 041 610 29 11 freitags 17 bis 18.30 Uhr sowie samstags 11 bis 12.30 Uhr.