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Giro-Laden in Stans: Nach knapp einem Vierteljahrhundert tritt der Leiter ab

24 Jahre lang leitet Thomas Waser bereits den Giro-Laden am Dorfplatz in Stans. Bald bricht eine neue Ära an. Nicht nur für ihn, auch für die Kunden und Mitarbeiter. Er blickt auf eine bewegte Zeit zurück.
Matthias Piazza
Thomas Waser im Giro-Laden, den er seit 24 Jahren führt. (Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 4. Juli 2018)

Thomas Waser im Giro-Laden, den er seit 24 Jahren führt. (Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 4. Juli 2018)

«Hallo Brigitte, wie geht’s?» – «Hoi Thomas». Wenn Thomas Waser «seinen» Giro-Laden am Dorfplatz betritt, ergeben sich sofort Gespräche mit den Kunden. Man spürt das persönliche Verhältnis, das er mit ihnen pflegt. Thomas Waser bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung den Eindruck. «Die meisten Kunden kenne ich persönlich, wenn nicht mit Namen, dann zumindest vom Gesicht her.» Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist hart erarbeitet. Seit dem 1. Januar 1995 führt der heute 55-jährige Emmetter den Giro-Laden beim Stanser Dorfplatz, ein Lebensmittelgeschäft mit etwa 7'500 Migros-Artikeln auf einer Fläche von rund 250 Quadratmetern. Als selbstständiger Unternehmer wirtschaftet er auf eigene Rechnung und bezahlt auch die drei festangestellten Mitarbeiter und sechs Aushilfen selber. Ausserdem hat er den Ladenumbau im Jahre 2000 für eine halbe Million Franken selber finanziert.

Im nächsten Jahr endet nach einem Vierteljahrhundert eine Ära. Thomas Waser gibt seine Geschäftstätigkeit auf. Er erneuert den Mietvertrag mit dem Liegenschaftsbesitzer nicht mehr. Die Migros übernimmt das Geschäft und baut es im kommenden Jahr während sechs Monaten zu einem Voi-Laden um. Bei diesem Ladenkonzept, das es beispielsweise schon in Alpnach, Beromünster, Büron und Sempach gibt, ist die Migros für die Infrastruktur besorgt.

«Die Kunden behalten ihren Dorfladen, die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Ich bin sehr glücklich mit dieser Lösung», freut sich der dreifache Vater, der ab nächstem Jahr als Allrounder der Migros Luzern Filialumbauten begleitet oder Ferienvertretungen macht – und damit wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Schliesslich hat er vor ziemlich genau vierzig Jahren seine Detailhandels-Lehre in der Do-it-yourself-Abteilung der Migros in Ebikon begonnen. Es folgten verschiedene Stationen und Weiterbildungen, so war er auch Do-it-yourself-Leiter im Länderpark.

Arbeitsbeginn um 5 Uhr

Seine langjährige Tätigkeit als Ladenbesitzer bezeichnet er als Traumjob und als Berufung. «Ein ausgebildeter Detailhandels-Kaufmann will eben auch als solcher wirken.» Die Gelegenheit, dieses Märchen eines eigenen Geschäfts zu verwirklichen, ergab sich, als er zu Beginn der 1990er-Jahre in diesem Geschäft als junger Migros-Mitarbeiter die Lehrabschlussprüfung abnahm. Er übernahm als Giro-Geschäftsführer auch einen geschichtsträchtigen Laden, der 1962 eröffnet hatte. Es war der erste Selbstbedienungsladen Nidwaldens.

Ein Honigschlecken sei der Job allerdings nicht gewesen. Der Wecker klingelte in Emmetten bereits um 4.45 Uhr, Arbeitsbeginn war um 5 Uhr. Um 6.15 Uhr trafen bereits die ersten Kunden ein – eine dreiviertel Stunde vor der offiziellen Ladenöffnung. «Es war eine intensive Zeit, vor allem zu Beginn arbeitete ich bis abends um 20 Uhr und auch samstags», erinnert er sich zurück. Mit der Zeit gönnte er sich zwei freie Nachmittage unter der Woche.

Der Laden lief in all den Jahren gut. Zwischen 550 und 650 Kunden kaufen hier im Schnitt täglich ein – trotz Konkurrenz der Grossdetailisten. «Die Leute decken sich bei mir mit Produkten ein, die sie beim Wocheneinkauf im Länderpark vergessen haben oder die sie täglich brauchen, wie etwa Milch», beschreibt Thomas Waser das Kaufverhalten seiner Kunden, darunter vielen Stammkunden, die ihm ans Herz gewachsen seien.

Auch Bühne menschlicher Tragödien

Er erzählt von einem älteren Kunden, der jahrelang bei ihm einkaufte und nun aus gesundheitlichen Gründen das Haus nicht mehr verlassen kann. Ihm liefere er die Lebensmittel nach Hause, auch wenn dies eigentlich nicht rentiere. «Die Welt lebt von Menschen, die mehr als nur das Minimum machen», laute eben sein Motto und auch sein Erfolgsrezept.

Der Laden sei oft auch eine Bühne menschlicher Tragödien. «Man nimmt am Leben der Menschen teil, bekommt es mit, wenn es ihnen schlecht geht. Oder erfährt Schicksale über häusliche Gewalt und vernachlässigte Kinder. Auch Todesfälle hat es leider schon gegeben.»

Doch bleibe ihm natürlich vor allem das Positive in Erinnerung, so etwa die riesige Erfahrung, die er in all den Jahren habe sammeln können. Auch als «normaler» Kunde wolle er dem Laden die Treue halten. «Natürlich kaufe ich auch künftig hier ein», beteuert er – bestimmt wird es dabei zum einen oder anderen Schwatz mit einem ehemaligen Kunden kommen.

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