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Kolumne

Management by Babysitter - dort handeln, wo es am lautesten schreit

Ich meinti
Karl Tschopp
Nochmals ein neues von Karl Tschopp (Landrat, Stans). Bitte ab sofort dieses benutzen für "Ich meinti". PD

Nochmals ein neues von Karl Tschopp (Landrat, Stans). Bitte ab sofort dieses benutzen für "Ich meinti". PD

Allen bekannt ist ja sicherlich das «Management by Helikopter», was bedeutet: Rasch von oben dazukommen, viel Staub aufwirbeln und sich wieder schnell nach oben verabschieden. Da gibt es eine ganze Reihe von solchen «Managements», über die man sich vor allem in Wirtschaftskreisen und in der Unternehmenswelt lustig macht. Ein weiteres Beispiel ist das «Management by Fallobst», was bedeutet: Wenn Entscheidungen reif sind, fallen sie von selbst. Und wie ist das eigentlich in der Politik? Sie ahnen es richtig, da gilt primär das «Management by Babysitter», was bedeutet: Man kümmert sich um die Angelegenheit, wo jemand am lautesten schreit.

Alte Beispiele gibt es zu Hauf. Wegen ein paar wenigen «Minarettlis» in der Schweiz gab es einen Riesenaufschrei, man müsse diese optischen «Raketen» verbieten lassen. Prompt reagierte das Volk auf die geschürten Ängste und das Grundrecht aller Menschen auf Glaubens- und Gewissensfreiheit wird mehr als nur angekratzt. Aufgrund von ganz schlimmen Straftaten lässt es die heutige Gesellschaft ohne Weiteres zu, solche Täter für immer wegzusperren, nur damit möglichst keiner von ihnen jemals wieder rückfällig wird. Wut, Ängste und Hilfeschreie werden in der Politik gehört. Sicherheit dominiert, nicht Freiheit. «So etwas darf nie wieder passieren», oder «es droht, dass so etwas passiert» sind die meistlautenden Wortmeldungen. Je lauter, je heftiger reagiert die Politik. Eine Prüfung der Verhältnismässigkeit findet nur noch in den seltensten Fällen statt.

Jüngste Beispiele gibt es auch. Jetzt hat es wieder einmal «die da oben» erwischt. Die Chefetage der Post wird ausgemistet. Wahrlich bedenklich und fast unverständlich, was sich da abgespielt haben soll. Das Controlling hat total versagt, und das in einem Bundesbetrieb. Es wird schärfere Vorschriften geben, das ist sicher. Auch die fast göttliche Chefetage der Raiffeisenbank wurde von der Staatsanwaltschaft in Beschlag genommen. Nun darf der damalige Chef, aus der Untersuchungshaft entlassen, reden und sich verteidigen. Was strafrechtlich hängen bleibt, ist offen. Schärfere Corporate-Governance-Vorschriften in der Bankenwelt mit Wirkung auch auf andere Branchen werden wohl folgen. Auch diese jüngsten Verfehlungen werden Veränderungen im Normengefüge nach sich ziehen, die auf Prävention, Einschränkungen und Sicherheit ausgerichtet sind.

Ich meinti, die Toleranz gegenüber Normabweichung und Normüberschreitung nimmt immer mehr ab. Der Mensch ist drauf und dran, seine persönliche Freiheit zu Gunsten von vermeintlich absoluter Sicherheit einzuschränken oder gar aufzugeben. Wir leben in einem höchst zivilisierten Staatsgefüge mit gegenseitiger Kontrolle der Gewalten. Tief im Herzen sind wir doch alle liberal und freiheitsliebend. Im fast unüberblickbaren Normengefüge bereitet die Anwendung von Menschlichkeit und Verhältnismässigkeit leider zu oft Mühe. Zum Glück herrscht hier aber kein «Management by Moses» wie in diktatorischen Staatsgebilden, dort gilt: Er führte sein Volk in die Wüste und hoffte auf ein Wunder.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt und Landrat (FDP), Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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