Skirennfahrer Marco Odermatt richtet den Blick nach vorne und sagt: «Die Schere könnte noch weiter auseinandergehen»

Wie sich der Buochser Skicrack nach dem Saisonabbruch fit hält und was Corona für Folgen haben könnte.

Ruedi Wechsler
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Nach dem Saisonabbruch gönnte er sich zwei Wochen völlige Ruhe. Geplant waren diesen Frühling einige Tage in New York und Strandferien in Mexiko. Aktuell trainiert Marco im Grundlagenbereich mit Joggen und Velofahren.

Vor unserem Gespräch hat er sich via Face-Time mit seinem Mentaltrainer ausgetauscht. Da werden die Saison, die Leistung, das Konditionelle und das Taktische thematisiert. Die positiven Elemente nehme man in die nächste Saison. Skirennen, die nicht ganz nach seinem Gusto verliefen und Verletzungen werden vertieft analysiert. Respekt oder Überwindung kennt Marco eher weniger. Nach einer Verletzungspause könne nicht erwartet werden, dass man wieder mit dem gleichen Vertrauen in die Wettkämpfe zurückfinde. Da sei ein Mentaltraining oder die Visualisierung mit positiven Gedanken ein möglicher Weg.

Marco Odermatt hat nur einen statt drei Wünsche: Gesundheit.

Marco Odermatt hat nur einen statt drei Wünsche: Gesundheit.

Bild: Boris Bürgisser (Hergiswil, 5. April 2019)

Da verspürt auch Marco Odermatt Druck

«Ich habe meine Ziele erreicht und die vorletzte Saison bestätigt. In den Paradedisziplinen Super-G und Riesenslalom bin ich in der Weltspitze angekommen», sagte der zufriedene Athlet. Enttäuschungen gab es wenige. Im ersten Rennen in Sölden hatte sich Odermatt viel vorgenommen und in Beaver Creek ist er mit bester Zwischenzeit im 1. Lauf ausgeschieden. In Alta Badia fiel er im finalen Durchgang vom 2. auf den 5.Platz zurück und zog sich gleichzeitig die Knieverletzung zu.

Für Marco Odermatt ist das Chuenisbärgli in Adelboden eine der schwierigsten Strecken überhaupt. «Auf diesem Hang muss man ans Limit gehen, aber gleichwohl nicht zu aggressiv fahren. Vor diesem fantastischen Heimpublikum verspüre auch ich ein wenig Druck.» Wenn es die Leistung und die Gesundheit erlauben, wird Marco in der nächsten Saison auch auf den schwersten Abfahrten der Welt zu bestaunen sein.

Das sagt Marco Odermatt zu:




Vorbild: Roger Federer in jedem Bereich. Im Skisport habe ich keines.
Engelberg: Mein Heim-Skigebiet nebst der Klewenalp. Immer gerne dort im Sommer oder Winter.
Lauberhorn: Grosses Ziel für die Zukunft.
Streif: Schwierigste Abfahrt der Welt. Ein Traum, mal vorne dabei zu sein.
Peking: Nächste Olympische Spiele, schaue aber nicht zu weit nach vorne.
Davos: Davos? Junioren-WM in guter Erinnerung mit den fünf Goldmedaillen.
Buochs: Meine Heimat, wo ich wohne und immer gerne bin.
Beaver Creek: 1. Weltcup-Sieg. Ein Ort, an den ich in den nächsten Jahren immer wieder gerne zurückkehre.
Hunger/Durst: Lust auf Grilladen und in lockeren Zeiten auch einmal ein Bier mit Kollegen.

Gefördert wurde der «Rennhund» anfänglich von seinen Eltern. «Ohne ihre grosse Unterstützung wäre ich nicht annähernd so weit gekommen. Jetzt ist es das ganze Umfeld, die Trainer, Physiotherapeuten, Servicemann und Konditionstrainer», ergänzte er.

Teamintern ist der Nidwaldner öfters mit Gino Caviezel und Thomas Tummler unterwegs. Die Drei bestreiten die gleichen Disziplinen. Da wird auch mal ein Schieber geklopft oder Brändi-Dog gespielt.

Corona wird die Menschen nicht stark verändern

Die aufziehenden Coronawolken haben die Skicracks relativ spät mitbekommen. Erst nach der Abfahrt in Kvitfjell, als die Saison abgebrochen wurde, ist dem Team der Ernst der Lage richtig bewusst geworden. Künftig werde von grösseren und kleineren Sponsoren weniger Budget vorhanden sein. Da macht sich auch der 22-Jährige so seine Gedanken: «Wir sind der Wirtschaft ausgesetzt. Die Schere könnte noch weiter auseinandergehen und das werden wir alle zu spüren bekommen. Ich denke da vor allem an die etwas weniger erfolgreichen Athleten.» Die Menschheit werde sich nach dieser Krise nicht stark verändern, meint Marco. Er vergleicht sie mit einer Rekonvaleszenz: «Sobald diese abgeschlossen ist, vergisst man schnell und gibt wieder Vollgas.» Die Gesellschaft könnte aber schon zufriedener und lockerer aus dieser Misere finden und die kleinen Sachen wieder vermehrt schätzen lernen. Seine grösste Sorge ist die Gesundheit der Mitmenschen.

Auf drei Wünsche angesprochen meinte der sympathische Sportler: «Ich habe nur einen und das ist Gesundheit.