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MARIA-RICKENBACH: Kleine Kostbarkeiten in Kästchen gebettet

In der Weberei des Klosters Maria-Rickenbach können demnächst in stimmiger Umgebung wunderbare, filigrane Klosterarbeiten von Trudy Stengele-Zimmermann bewundert werden.
Andrea Waser
Trudy Stengeles Kunstwerke sind ab Sonntag in der Kloster-Weberei zu bewundern. Bild: Andrea Waser (Maria Rickenbach, 10. November 2016)

Trudy Stengeles Kunstwerke sind ab Sonntag in der Kloster-Weberei zu bewundern. Bild: Andrea Waser (Maria Rickenbach, 10. November 2016)

«Das Wort Geduld ist ein Schatz im Haus», besagt ein chinesisches Sprichwort, welches auch zur alten Volkskunst der Klosterarbeiten passt. Sorgfältig in verglasten Holzkästchen arrangiert oder auf kleinen Sockeln unter Glasglocken bestens geschützt, zeigen sich dem Betrachter faszinierende Kunstwerke, wie in einer eigenen, kleinen Welt. Angefertigt in unzähligen Stunden, nach alter, barocker Tradition, in liebevoller und filigraner Handarbeit.

Waren es anfänglich Nonnen, welche diese Kostbarkeiten zur persönlichen Andacht, als Votivgaben oder Schmuck der Altäre in der Stille ihrer Zellen anfertigten, versuchen heute Frauen verschiedener Altersgruppen, wie Trudy Stengele-Zimmermann, dieses faszinierende und traditionelle Kunsthandwerk am Leben zu erhalten. In stundenlanger Arbeit und fast meditativer Hingabe werden geschickt und hingebungsvoll mit Gold- und Silberdrähten, geschliffenen Steinen, allerlei Glasperlen, Pailletten und schönsten Stoffen kleine Reliquien, Heiligen- und Madonnenfiguren verziert.

Vielseitiges, kunsthandwerkliches Geschick

Aufgewachsen ist Trudy Sten­gele-Zimmermann, Mutter von vier erwachsenen Kindern und sechsfache Grossmutter, am Seeplatz in Buochs. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann in Ennetbürgen, ganz in der Nähe des Sees.

Ihre Leidenschaft für die Herstellung von Klosterarbeiten fand Trudy Stengele-Zimmermann erst in, sagen wir mal, reifen Jahren – über ihr Alter spricht sie nicht gern. Seit jeher betätigte sie sich jedoch kunsthandwerklich: Sie stickte Gobelin, arrangierte Blumengebinde, strickte, widmete sich der Bauernmalerei, fertigte Schmuckgegenstände und bis heute prächtige Fasnachtshüte an. Ihr unermüdliches Schaffen scheint für sie ein wahrer Jungbrunnen zu sein.

Im Laufe der Jahre bekam Trudy Stengele-Zimmermann jedoch den Puls der Zeit zu spüren und musste feststellen, dass ihre geliebte Bauernmalerei aus der Mode kam. «Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, ich muss doch wieder etwas finden, was mir Freude macht und Anerkennung findet», sagte sich die vitale Dame.

Es ist nie zu spät für etwas Neues

Schon seit geraumer Zeit schlummerte in ihr die Begeisterung für Klosterarbeiten. Geweckt wurde diese durch den ehemaligen Beckenrieder Pfarrer Aschwanden, welcher selber über Jahre barocken Weihnachtsschmuck anfertigte und eine kostbare Sammlung alter Klosterarbeiten besass. Nachdem sie sich das nötige Fachwissen in Gesprächen mit ihm bereits angeeignet hatte, wagte sie sich schliesslich selber an das Anfertigen dieser kleinen Kostbarkeiten. Unterstützung fand sie dabei in ihrem Mann Max, welcher für sie die kleinen Holzkästchen herstellt und verglast. «Ohne seine Hilfe könnte ich meine Arbeiten gar nicht anfertigen», erwähnt Trudy Stengele-Zimmermann dankbar.

Klosterarbeiten haben nichts mit Kitsch zu tun

Nachdem sie einige Arbeiten fertiggestellt hatte, plagten sie plötzlich Selbstzweifel: «Ist das Kitsch, oder macht das Sinn», fragte sie sich immer wieder und suchte schlussendlich Rat bei Urs Sibler, Leiter des Museums Bruder Klaus in Sachseln. Dieser fand Gefallen an ihren filigranen und aufwendigen Arbeiten, konnte sie beruhigen und zum Weitermachen animieren.

Wenn Trudy Stengele-Zimmermann meist abends und teilweise bis spät in die Nacht an ihrem Arbeitstisch sitzt, vergisst sie Raum und Zeit. Was in stundenlanger Arbeit in dieser Zeit von ihr geschaffen wurde, wird nun einige Zeit in der Weberei des Klosters Maria-Rickenbach ausgestellt, um einem breiten Publikum Freude zu bereiten. Indem Urs Sibler an der Vernissage die Laudatio halten wird, schliesst sich auch dieser Kreis auf eine schöne Weise.

Hinweis

Vernissage: Sonntag, 20. November, 14–16.30 Uhr. Öffnungszeiten: 26. November 11–20 Uhr, 27. November 11–17 Uhr (Weihnachtsmarkt Maria-Rickenbach), 3. Dezember 9.30–16.30 Uhr, 4. Dezember 11.30–16 Uhr, 7. und 14. Dezember 9.30–16.30 Uhr (offene Weberei), 8. Dezember 11.30–16.30 Uhr (Mariä Empfängnis).

Andrea Waser

«Ich muss doch wieder etwas finden, was mir Freude macht und Anerkennung findet.»Trudy Stengele, Künstlerin (Bild: Andrea Waser / NZ)

«Ich muss doch wieder etwas finden, was mir Freude macht und Anerkennung findet.»Trudy Stengele, Künstlerin (Bild: Andrea Waser / NZ)

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