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MATURAARBEIT: 18-jähriger Buochser zeigt die Erdbebengefahr auf

Für seine Maturaarbeit ging Nicholas von Holzen der Frage nach, wie gut Nidwalden auf Erdbeben vorbereitet ist. Dabei stiess er auf Widersprüchliches.
Edi Ettlin
Nicholas von Holzen: «Mich interessiert alles, was mit Geografie zu tun hat.» (Bild: Edi Ettlin (22. Dezember 2017))

Nicholas von Holzen: «Mich interessiert alles, was mit Geografie zu tun hat.» (Bild: Edi Ettlin (22. Dezember 2017))

Edi Ettlin

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Den Entscheid, eine Maturaarbeit zur Erdbebenthematik zu erarbeiten, fällte Nicholas von Holzen spontan, als im Fernsehen eine Doku über die verheerenden Beben im italienischen Amatrice lief. «Mich interessiert alles, was mit Geografie und unserer Welt zu tun hat», erklärt der 18-jährige Buochser. «Ich wollte mich mit etwas beschäf­tigen, was vielen Leuten eher unbekannt zu sein scheint, aber trotzdem von grosser Bedeutung ist.»

Über die Fachliteratur machte er sich mit den Prozessen im Inneren der Erde vertraut. Es sind komplexe Vorgänge, die dazu führen, dass sich Deformationsenergie im Gestein über lange Zeit aufstauen und dann schlagartig wieder entladen kann. Im Kanton Nidwalden führt dies zu einer mittleren Erdbebengefährdung. Von Holzen wollte herausfinden, wie Bevölkerung, Behörden und Fachstellen in Nidwalden mit dieser Gefahr umgehen.

Bevölkerung schätzt Hochwasser gefährlicher ein

Im Staatsarchiv sichtete er zunächst Aufzeichnungen über Erdbeben in der Vergangenheit. Das stärkste beschriebene Beben war jenes von 1601, bei dem Gebäude einstürzten, Felsen abbrachen und eine Flutwelle den Vierwaldstättersee heimsuchte. In Nidwalden sind 16 Todesopfer belegt. In den Jahren 1774, 1777 und 1964 gab es weitere starke Erd­beben in der Region. Weil der Nidwaldner Untergrund seither sehr ruhig blieb, vermutete von Holzen, dass die Gefahr von der Bevölkerung mittlerweile unterschätzt werde.

Um dies abzuklären, erstellte er eine schriftliche Umfrage, die von 80 Personen unterschiedlichen Alters ausgefüllt wurde. Er bat die Teilnehmer, neun in zufälliger Reihenfolge aufgelistete Naturgefahren nach der Grösse des Schadenspotenzials zu bewerten. Die Auswertung zeigt deutlich, dass die Bevölkerung Hochwassern das grösste und Erdbeben das geringste Schadenspotenzial beimessen. Von Holzen schreibt dies klar den Überschwemmungen in jüngerer Vergangenheit zu.

1200 Gebäude langfristig unbewohnbar

Der Eindruck steht im Widerspruch zur Einschätzung von Fachleuten. Von Holzen zitiert ein Dossier des Bundesamts für Umwelt (Bafu), welches Erdbeben als grösstes Risiko unter den Naturgefahren bezeichnet. Es gibt ein Szenario, nach dem bei einem Beben wie 1601 in Nidwalden etwa 1200 Gebäude längerfristig unbewohnbar wären. «Die Erdbebengefährdung hat also bezüglich Wahrnehmung noch nicht das gleiche Niveau erreicht wie andere Naturgefahren», sagt Nicholas von Holzen. Doch beginne man nun in der gesamten Schweiz, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Interviews mit kantonalen Stellen

Im Gespräch mit Fachleuten des Kantons erfuhr von Holzen, dass Normen zum erdbebensicheren Bauen erst ab den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführt wurden. Somit seien über die Hälfte der Nidwaldner Gebäude vorher erstellt worden und dürften dementsprechend anfällig sein. Auch bei der Versicherung gegen Erdbebenschäden gebe es in Nidwalden ohne obligatorische Erdbebenversicherung noch Defizite, stellt von Holzen fest. Mit der NSV, die sich am Schweizerischen Pool für Erdbebendeckung beteilige, sei Nidwalden aber im Gegensatz etwa zu Obwalden einigermassen auf die­ finanziellen Folgen von Erdbeben vorbereitet.

Am meisten beeindruckt hat den Maturanden bei seinen Nachforschungen der Bereich Notfallplanung, wo Nidwalden weiter sei als die Nachbarkan­tone (siehe Kasten). «Einerseits war ich überrascht, dass es diese Planung gibt, und andererseits habe ich gestaunt, wie ausführlich sie ist», sagt er.

Differenzierte Antworten

Wie sehr sich Nicholas von Holzen in die Materie vertieft hat, wurde auch in der Fragerunde am Präsentationstag im Kollegi deutlich. Kompetent beantwortete er ganz konkrete Detailfragen aus dem Publikum. Auf seine Leitfrage, ob Nidwalden auf die Erd­bebengefahr vorbereitet sei, hatte er eine differenzierte Antwort bereit: «Die Antwort ist ein klares Jein. Die Bevölkerung unterschätzt zwar die Gefahr, aber die Behörden haben Massnahmen ergriffen.»

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