Maturaarbeit
Diese Stanser Schülerin hinterfragt den Fernunterricht

Lea Zwyssig hat die Folgen des Homeschoolings untersucht. Ihre Maturaarbeit zieht klare Schlüsse.

Romano Cuonz
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Lea Zwyssig in den Gängen des Kollegiums St.Fidelis.

Lea Zwyssig in den Gängen des Kollegiums St.Fidelis.

Bild: Romano Cuonz (Stans , 9. Dezember 2020)

«Corona ist die kleinste Bombe mit der grössten Auswirkung», zitiert die 17-jährige Seelisberger Gymnasiastin Lea Zwyssig zu Beginn ihrer Maturaarbeit den Deutschen Lothar Hüther. Auch sie habe sich vertieft Gedanken über Corona gemacht. Nur schon, weil alle Schülerinnen und Schüler des Stanser Kollegiums St.Fidelis zum Homeschooling verpflichtet worden seien. «Ich entschloss mich dazu, in meiner Maturaarbeit anhand einer Umfrage herauszufinden, wie sich die Pandemie auf uns Schüler auswirkt und wie wir damit umgehen», sagt Zwyssig. Die Umfrage führte sie bei 149 der 480 Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse durch. 28 Prozent der Teilnehmer waren männlich, 72 Prozent weiblich.

Schon die Frage, wie viel Zeit ausserhalb des regulären Unterrichts in die Schule investiert wurde, ergibt eine kleine Überraschung: Es wird klar ersichtlich, dass die Schülerinnen während des Homeschoolings zwei Stunden mehr aufwendeten als zuvor. Bei ihren männlichen Kollegen sind es zusätzliche 1,5 Stunden. Zwyssig: «Möglicherweise arbeiten Schüler effizienter und haben weniger Probleme beim selbstständigen Lösen von Aufgaben als die Schülerinnen.»

Jüngere Schüler waren fleissiger

Auch punkto Alter zeigen sich Unterschiede: Erst- bis Drittklässler investierten rund zwei Stunden mehr als jene der vierten bis sechsten Klasse. Rund 78 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie keinerlei Probleme auf technischer Ebene hatten. Wo welche auftauchten, ging es um die Internetverbindung oder die Beherrschung des verwendeten Programms.

Ein schon fast heikles Thema waren die Onlineprüfungen. Immerhin 37 Prozent aller Befragten fanden sie schlecht oder sehr schlecht. Ihr Hauptargument: Sie erlaubten es den Prüflingen, unkontrolliert zu spicken. Damit würde das Bewertungssystem unfair. Viele Befragte fanden mündliche Prüfungen fairer als schriftliche. Auch wegen des Kontakts mit den Lehrpersonen. «Insgesamt brachten Onlineprüfungen mehr Nachteile als Vorteile», sagt Zwyssig.

Klares Votum für Präsenzunterricht

Im Mittelpunkt von Zwyssigs Arbeit stand die Frage: «Wenn du dich langfristig entscheiden müsstest, welche Unterrichtsform würdest du bevorzugen?» Das klare Ergebnis: 83 Prozent aller Befragten bevorzugen den Präsenzunterricht. Die Maturandin sieht einen wichtigen Grund dafür beim Unterrichtsklima. «In der Schule kann man sich besser konzentrieren als bei der Familie, auch der Kontakt mit Lehrpersonen ist vielen wichtig.» Entscheidend seien auch die beim Homeschooling fehlenden sozialen Kontakte. 40 Prozent der Befragten empfinden ihre Familie jedoch nicht wirklich als Störfaktor. Auch sagten lediglich 35 Prozent aus, dass Konflikte in der Zeit des Heimunterrichts zugenommen hätten. Eine Mehrheit schätzte die stärkeren Sozialkontakte in der Familie.

Auch wurde während des Homeschoolings nur minim weniger Sport betrieben. Der Konsum von Videospielen nahm etwas zu. Beim Musizieren gab es – ausser dass der Unterricht ausfiel – keine Einschränkung. Klar zugenommen hat in dieser Zeit das Onlineshopping. 66 Prozent der Befragten gaben auch an, dass sie im Lockdown mehr gegessen hätten als sonst. Der Alkoholkonsum dagegen ging zurück: dank fehlenden Ausgangs.

Etwas habe sie besonders erstaunt, resümiert Lea Zwyssig: «Dass auf der emotionalen Ebene viele von uns weniger gestresst waren und immerhin 86 Prozent aller Befragten ihre eigene psychische Gesundheit mit gut oder sehr gut einschätzten.»

Schulleitung ist nicht erstaunt

Gaby Wermelinger, Prorektorin des Kollegiums St. Fidelis, hat die Arbeit von Lea Zwyssig gerne gelesen. «Für die Schulleitung war vor allem die umfassende Schülerbefragung von grossem Interesse. Auch wir selbst haben nach der Umstellung auf den Fernunterricht eine Schülerbefragung durchgeführt.» Dabei habe man sich auf Fragen rund um den Unterricht beschränkt. So seien nun vor allem die Antworten zur Lebenssituation, den fehlenden Sozialkontakten oder zur Freizeitgestaltung wertvolle weitere Erkenntnisse. «Erstaunt sind wir nicht», so Wermelinger zum Ergebnis. «Es freut uns aber besonders, dass die grosse Mehrheit der Schüler den Präsenzunterricht dem Fernunterricht vorzieht.» (cuo)