MATURAARBEIT: «Mit einem neuen Trainer beginnt alles von vorne»

Fabian Murer aus Beckenried sticht mitten in ein Wespennest: Er nimmt das Trainerkarussell im Profifussball unter die Lupe.

Romano Cuonz
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Unter dem Titel «Trainerwechsel im Profifussball - Immer sinnvoll» hat der Beckenrieder Fabian Murer in seiner Maturaarbeit eine heisse Frage aufgeworfen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Unter dem Titel «Trainerwechsel im Profifussball - Immer sinnvoll» hat der Beckenrieder Fabian Murer in seiner Maturaarbeit eine heisse Frage aufgeworfen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Unter dem Titel «Trainerwechsel im Profifussball - Immer sinnvoll» hat der Beckenrieder Fabian Murer in seiner Maturaarbeit eine heisse Frage aufgeworfen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Unter dem Titel «Trainerwechsel im Profifussball - Immer sinnvoll» hat der Beckenrieder Fabian Murer in seiner Maturaarbeit eine heisse Frage aufgeworfen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

«Berechnet man die Anzahl Trainerwechsel pro Klub der europäischen Topligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich), ist die Schweiz klar hinter Italien und knapp vor Spanien an zweiter Stelle», lautet das Fazit der Maturaarbeit des Beckenrieders Fabian Murer (19). Selber von Kindsbeinen an leidenschaftlicher Fussballer, nahm sich Murer Grosses vor. «Ich wollte die Ursachen und Folgen eines Trainerwechsels im Profifussball genauer untersuchen», erklärte er seinen Zuhörern bei der Präsentation der Maturaarbeit im Kollegi St. Fidelis.

Wie aktuell, ja geradezu brisant sein Thema war – und nach wie vor ist –, zeigte sich schon, bevor seine Lehrer die Arbeit überhaupt benoteten. Das Schweizer Fernsehen kam in einem Gespräch mit Bernhard Challandes auf die Arbeit zu sprechen. Auch die Schweizer Boulevardzeitung «Blick» nahm Statistiken und Interviews, die der Nidwaldner Maturand erstellte, unter dem Titel «Trainerentlassungen – Wir sind Europameister»– zum Anlass für eine Titelgeschichte.

Prominente Leute befragt

Fabian Murer leistete eine Fleissarbeit, wie sie zuvor nicht einmal Fussball- Kommentatoren je vorweisen konnten. Einerseits fühlte er mit ausführlichen Interviews Betroffenen und Experten auf den Zahn. Dabei standen dem jungen Nidwaldner so bekannte Leute wie Andy Egli, Bernard Challandes, Heinz Moser, Samuele Drakopulos (ehemalige oder aktive Schweizer Trainer) auf der einen Seite oder Michael Renggli (Profi-Fussballer) und Walter Stierli (FCL-Ehrenpräsident) auf der anderen Seite Rede und Antwort.

Jedoch: Mehr noch als die Einschätzungen der Experten liessen Zahlen aufhorchen, welche Murer präsentieren konnte. «Ich nahm mir vor, einen Datensatz aller Trainerwechsel in den europäischen Topligen und der Schweiz zu erstellen», hielt er nicht ohne Stolz fest. Als besonders interessant erwiesen sich die erarbeiteten Informationen zur Punkteausbeute der Spitzenclubs vor und nach Trainerwechseln. Gezählt wurden Meisterschaftsspiele, Cupspiele und internationale Wettkämpfe.

Statistik spricht Bände

«Ich konnte in meiner Arbeit belegen, dass Trainerwechsel statistisch gesehen eine sofortige positive Wirkung erzeugen», bilanzierte Fabian Murer. Unmittelbar nach der Einstellung neuer Trainer hätten Clubs stets mehr Punkte erbeutet als zuvor. Aber nicht etwa neue Spielsysteme der Trainer seien das Erfolgsgeheimnis. Solche einzutrainieren, brauche Zeit. Murer nannte – gestützt auf seine vielen Gespräche – einen anderen, recht simplen Grund: «Mit einem neuen Trainer beginnt für alle Spieler alles von vorne.» Jeder Profi bekomme eine frische Chance zum Spielen. Dies löse eine zusätzliche Motivation aus, welche der eigentliche Grund für gesteigerte Leistung sei. «Ich fand die Vermutung, dass Trainer heute häufiger während der laufenden Saison gewechselt werden, als dies früher je der Fall war, bestätigt», fasste Fabian Murer seine Recherchen zusammen.

Schleudersitze für Trainer

In den europäischen Topligen bestünden allerdings Differenzen bezüglich der Häufigkeit. «Italien und mit einigem Abstand Spanien sind jene Länder, die in den letzten zehn Jahren klar am meisten Trainerwechsel verbuchten», erklärte Murer. Ein Grund dafür sei im emotionalen Naturell der Italiener zu suchen. «In Italien kann es gut sein, dass Verantwortliche nach schmerzvollen Niederlagen übereilt handeln, ohne die Entscheidung richtig überdacht zu haben.» Die niedrigste Wechselquote wiesen die etwas cooleren Briten in ihrer Premier League auf. Festzuhalten gelte es aber, betonte Murer: «In den letzten zehn Jahren sind Trainerwechsel in allen Ländern angestiegen.»

Was nicht einmal Experten erwartet hatten: dass die Schweizer Super League gleich auf die italienische Serie A folgt, wie eingangs erwähnt. Daran hat offenbar Sions Präsident Christian Constantin (mit 14 Trainern von Mai 2006 bis zum Mai 2012) einen wesentlichen Anteil. «Indessen: Trotz mangelnder Kontinuität feierte Sion in dieser Zeitspanne immer wieder Erfolge», stellte der Maturand aus Beckenried fest. Und er zog, aufgrund seiner Zahlen und Analysen einen Schluss, der wohl Trainern nicht allzu sehr gefallen wird: «Ich leite aus all diesen Ergebnissen ab, dass die Vereine bei Krisensituationen vielleicht noch mehr die Trainer wechseln sollten, weil dadurch mit höchster Wahrscheinlichkeit eine positive Wende eintritt.»

Sein Stuhl wackelt: FCL-Trainer Ryszard Komornicki, hier im Heimspiel gegen den FC Zürich am 17. Februar. (Bild: Philipp Schmidli)

Sein Stuhl wackelt: FCL-Trainer Ryszard Komornicki, hier im Heimspiel gegen den FC Zürich am 17. Februar. (Bild: Philipp Schmidli)