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«Megacool»: In Wolfenschiessen wurde der Wald zum Schulhaus

Die Schüler der ersten Oberstufe tauschten am Tag des Waldes am Donnerstag das Klassenzimmer gegen den Wald – und waren begeistert. Dies verleitete den Oberförster gar, ein Anliegen an den Regierungsrat zu richten.
Matthias Piazza
Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. Hans Odermatt zeigt, wie man einen Baum fällt. (Bild: Eveline Beerkircher (Wolfenschiessen, 21. März 2019))

Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. Hans Odermatt zeigt, wie man einen Baum fällt. (Bild: Eveline Beerkircher (Wolfenschiessen, 21. März 2019))

Die Kettensäge frisst sich lautstark durch den Stamm im Hofwald etwas oberhalb der Talstation der Seilbahn Dallenwil–Niederrickenbach. Sekunden später ist es soweit. Erst wankt die Tanne, dann fällt sie krachend zu Boden. Was für den Förster Alltag ist, ist für einen Teil der rund 30 Wolfenschiesser Schüler der ersten Oberstufe, die in sicherer Entfernung die Fällaktion verfolgen, eine Premiere und ein kleines Spektakel. Sie applaudieren lautstark. Beeindruckt ist auch Daniela Da Silva Monteiro: «Es war megacool zu erleben, wie der Baum fiel, vor allem mit welchem Krach. Ich dachte, das passiere ganz lautlos.»

Zuvor hatte Revierförster Ruedi Scherer den interessierten Jugendlichen erklärt, dass dieser Baum gefällt wird, weil er benachbarte Bäume stört, und dass er in einer Sägerei in Stansstad verarbeitet wird, vielleicht zu Holz oder zu Möbeln. Ehrfürchtig versammeln sich die Schüler nach dem Fällen um dem Baumstrunk und zählen die Jahrringe, welche dem Alter des Baums entsprechen: 140 Jahre!

Einen ganzen Tag lang stehen an diesem Donnerstag die Arbeit des Försters und der Wald mit seinen Bewohnern bei den zwei Wolfenschiesser Schulklassen im Rampenlicht. Sie halten am gestrigen internationalen Tag des Waldes ihren eigenen Waldtag ab. «Die Schüler nehmen den Wald mit verschiedenen Sinnen wahr. Hier draussen nehmen sie in 20 Minuten mehr auf, als während drei, vier Stunden Unterricht im Klassenzimmer», zeigt sich der Nidwaldner Oberförster Rudolf Günter überzeugt, der diesen Waldtag mit Wildhüter, Forstingenieur, Revierförster und Forstwart auf die Beine gestellt hat. Rund 200 Kinder kämen pro Jahr in den Genuss solcher Waldtage, etwa eine Klasse pro Gemeinde und Jahr. «In den vergangenen fünf Jahren durften also schon etwa 1000 Schüler davon profitieren.»

Der Wildhüter macht nicht alles gerne

Etwas weiter oben im Wald erzählt Wildhüter Werner Durrer über seine Arbeit, welche manchmal auch mitten in der Nacht oder am Wochenende ausgeführt werden müsse.

«Das Telefon ist immer eingeschaltet. Bei einem Unfall mit Wild muss ich jederzeit ausrücken.»

Auch erfahren die Schüler, warum es die Jagd braucht, nämlich, weil der Bestand dem Lebensraum angepasst werden muss. Zu den Aufgaben des Wildhüters gehört auch das «Sauberhalten» des Waldes. «Güsel im Wald zu deponieren ist strafbar, trotzdem muss ich ihn immer wieder einsammeln», gibt er sich etwas frustriert. Nebst Appell gibt’s auch Wissenswertes über die Waldbewohner, etwa über den Fuchs, der tote Tiere fresse und so die Rolle des Gesundheitspolizisten übernehme oder über die Murmeltiere, welche ihren Winterschlaf in der Gruppe abhalten, weil sie sonst erfrieren würden.

Die Wolfenschiesser Schüler bauen an ihrem Waldtag auch an einem «Waldsofa». (Bild: Eveline Beerkircher (Wolfenschiessen, 21. März 2019))

Die Wolfenschiesser Schüler bauen an ihrem Waldtag auch an einem «Waldsofa». (Bild: Eveline Beerkircher (Wolfenschiessen, 21. März 2019))

Angepackt wird ein paar Meter weiter. Schwungvoll rammt Julian Töngi einen Holzpfahl in den Waldboden. Zusammen mit seinen Schulkollegen renoviert er gerade ein bestehendes «Waldsofa», eine im Kreis angeordnete Sitzgelegenheit aus Ästen und Holzstämmen. «Das ist besser als Schule», kommentiert Julian den Waldtag, bevor er zum nächsten Schlag ausholt.

Den Eindruck, dass die Schüler mit vollem Eifer bei der Sache sind, teilt auch Lehrer Franz Müller: «Solche lehrreichen Anlässe im Wald kommen immer sehr gut an.» Das wisse er auch aus eigener Erfahrung: «Noch heute bin ich stolz auf das Biotop, das ich als Jugendlicher mit anderen angelegt habe.»

«Die Erlebnisse verankern sich im Gedächtnis»

Bildungsdirektor Res Schmid, der zusammen mit Forstdirektor Joe Christen dem Wolfenschiesser Waldtag einen Besuch abstattet, spricht von einem hohen Nutzen, wenn der Unterricht für einmal draussen stattfinde: «Der Waldtag ist für den Bezug der Schüler zur Natur enorm wichtig. Die Erlebnisse an solchen Exkursionen verankern sich im Gedächtnis.»

Das dürfte Musik in den Ohren von Oberförster Rudolf Günter sein. Er wolle dem Bildungsdirektor beliebt machen, dass künftig garantiert werde, dass jeder Nidwaldner Schüler mindestens einmal in seine Schulkarriere in den Genuss einer Exkursion im Wald komme.

Blicken Sie tiefer in den Wald hinein in unserer Bildergalerie:

Oberstufenschüler von Wolfenschiessenverbringen den Schultag im Wald, lernen und arbeiten. Ruedi Scherer überprüft mit den Schülern, wie alt der Baum ist. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019Oberstufenschüler von Wolfenschiessenverbringen den Schultag im Wald, lernen und arbeiten. Ruedi Scherer überprüft mit den Schülern, wie alt der Baum ist. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019
Oberstufenschüler von Wolfenschiessenverbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Wolfenschiessenverbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)
Oberstufenschüler von Wolfenschiessenverbringen den Schultag im Wald. Hans Odermatt zeigt, wie ein Baum gefällt wird. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Wolfenschiessenverbringen den Schultag im Wald. Hans Odermatt zeigt, wie ein Baum gefällt wird. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)

Oberstufenschüler von Nidwalden verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Nidwalden verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)

Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)

Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)

Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. Lehrer Franz Müller mit Julian Töngi (orange Jacke) am «Waldsofa». (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. Lehrer Franz Müller mit Julian Töngi (orange Jacke) am «Waldsofa». (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)
Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)

 Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019) Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)
 Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019) Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)
 Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019) Oberstufenschüler von Wolfenschiessen verbringen den Schultag im Wald. (Bild: Eveline Beerkircher, Wolfenschiessen 21. März 2019)
11 Bilder

Wolfenschiesser Schüler auf Försters und Wildhüters Spuren

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