Mehr Sicherheit für Velofahrer in Hergiswil

Das Pilotprojekt auf der Seestrasse in Hergiswil war ein Erfolg: Die neue Markierung ohne Mittellinie, dafür mit Velostreifen, kommt bei den Verkehrsteilnehmern gut an. Nun wird die sogenannte Kernfahrbahn verlängert.

Philipp Unterschütz
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Auf der Kernfahrbahn fühlen sich Velofahrer sicherer. (Bild: Jakob Ineichen, Hergiswil, 3. Juli 2019)

Auf der Kernfahrbahn fühlen sich Velofahrer sicherer. (Bild: Jakob Ineichen, Hergiswil, 3. Juli 2019)

Vor einem Jahr starteten Kanton und Gemeinde mit einem Pilotversuch: Die Seestrasse wurde zwischen Restaurant Seehus und der Glasi als Kernfahrbahn signalisiert. Der auf Anregung der Gemeinde entstandene Versuch sollte Klärung darüber bringen, ob die optische Gestaltung ohne Mittelstreifen, dafür mit Radstreifen, mehr Sicherheit für die Velofahrer bringe. Auf der Seestrasse herrschen nämlich aufgrund der geringen Fahrbahnbreite und des Verkehrsaufkommens schwierige Verhältnisse für den Veloverkehr. Die vorhandene Fahrbahnbreite lässt eine Markierung von normgerechten Radstreifen und einer Mittellinie nicht zu.

Um möglichst aufschlussreiche Grundlagen für einen Entscheid über eine definitive Einführung einer Kernfahrbahn zu erhalten, wurden Videoaufnahmen, Geschwindigkeitsmessungen und Befragungen gemacht. Der Auswertung liegt mittlerweile vor und wurde vom Gemeinderat an seiner Klausur Ende Juni behandelt. Wie er in einer Mitteilung schreibt, habe er beim Kanton die definitive Realisierung einer Kernfahrbahn vom Bootshafen bis zum Kreisel Schlüssel beantragt.

Autos und Lastwagen fahren langsamer

«Wir sind tatsächlich ausserordentlich zufrieden mit den Resultaten des Schlussberichts», erklärt Gemeindepräsident Remo Zberg auf Anfrage. Die Haupterkenntnis sei, dass die Kernfahrbahn sehr gut angenommen worden sei. «Die Kernfahrbahn hat sich wunderbar bewährt und den Verkehr in Hergiswil beruhigt.» Die Geschwindigkeitsmessungen vor und nach der Signalisierung hätten wie schon im ersten Halbjahr des Versuchs gezeigt, dass Autos und Schwerverkehr ihre Geschwindigkeit um durchschnittlich 4 km/h reduziert hätten, so Remo Zberg. Grund dafür sei, dass die Markierungen den Verkehrsteilnehmern rein optisch das Gefühl einer Verengung geben würden, weshalb vorsichtiger gefahren werde, sagte Kantonsingenieurin Stephanie von Samson nach den ersten sechs Monaten des Pilotversuchs in unserer Zeitung.

Laut der Studie befuhren in der Messperiode pro Tag durchschnittlich rund 8300 Fahrzeuge und 700 Velos die Seestrasse. Die Rückmeldungen der Bevölkerung zur Kernfahrbahn waren mehrheitlich positiv. Erwartungsgemäss seien die positiven Rückmeldungen bei den Velofahrern leicht höher als bei den Autofahrern. «Bei den Autofahrern liegt diese jedoch immer noch bei 75 Prozent», heisst es in der Mitteilung des Gemeinderats. Laut Remo Zberg habe auch die Schule eine Umfrage gemacht, zu 95 Prozent hätten sich Eltern und Schüler positiv geäussert.

«Der wichtigste Effekt ist, dass sich die Velofahrer sicherer fühlen, weil sie weniger bedrängt werden.»

Lief der Versuch nur bis zum Restaurant Seehus, beantragt die Gemeinde nun auch eine Verlängerung bis zum Kreisel Schlüssel. Damit ist die ganze Seestrasse abgedeckt. Auch zu dieser Verlängerung seien die Aussagen positiv, schreibt die Gemeinde in der Mitteilung weiter. «Wir hoffen auf eine Umsetzung im August», sagt Remo Zberg. Zuerst müsse der neue Feinbelag gemacht werden, dann folge die Markierung. Vom Steinibach bis zum Schlüssel müsse der Mittelstreifen demarkiert werden.

Laut Kantonsingenieurin Stephanie von Samson, sind die erhobenen Daten auch andernorts begehrt, weil die Seestrasse eigentlich zu schmal wäre für eine Kernfahrbahn. Sie habe die Erkenntnisse an mehrere interessierte Gemeinden, Städte und Kantone weitergeleitet.