«Miär wurdid nä nimmä gä!»

Seit fünf Jahren ist Markus Blöse Leiter der katholischen Kirchgemeinde St. Jakob in Ennetmoos. Der aufgestellte Deutsche hat bislang keinen Tag bereut.

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Markus Blöse vor der Kirche in St. Jakob. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Markus Blöse vor der Kirche in St. Jakob. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

«Dass ich hier bin, ist reiner Zufall oder Gottes Führung – je nach Perspektive. Ich glaube an die Führung», sagt Markus Blöse. Angefangen hat alles mit der Stellenausschreibung der Gemeinde St. Jakob in Ennetmoos. Die hatte ihm eine Kollegin hingelegt. Das war ein Dreivierteljahr vor Abschluss seines Studiums bei den Steyler Missionaren St. Augustin bei Bonn gewesen. Der Diplomand war sofort fasziniert: «Immer wieder schaute ich mir den Ort Ennetmoos im Internet an. Aber erst mal war ich ja auf meine Diplomarbeit fokussiert!» Irgendwann der Schock: Die Stelle war nicht mehr da.

Geglücktes Experiment

Markus Blöse rief an. Das Verfahren sei schon ziemlich weit, aber er könne sich noch bewerben, hiess es. Er überlegte, ob es nicht anmassend sei, sich als Student gleich auf eine solche Stelle als Pfarreileiter zu bewerben. Immerhin hatten zwei Kollegen bereits eine Absage bekommen. Auf seine Entscheidung für die Bewerbung folgte prompt das Vorstellungsgespräch. «Es war die erste Sitzung hier im neu gebauten Pfarrheim», erinnert sich Markus Blöse. «Wir wagen was», beschlossen damals Präsident und Kirchenrat. Das Experiment ist geglückt.

«Er war von Anfang an sehr offen», erinnert sich Elisabeth Wigger, Sekretärin im Pfarramt. «Es tut Türen auf, wie er auf Menschen zugeht.» Sie erzählt von der blühenden Jugendarbeit in der Gemeinde, vom monatlichen Ministrantenhock und dem Firmweg, von der schier unerschöpflichen Gummibärlidose, von Bibelgruppen und dem Verein Ayuda, einem Hilfswerk für Kinder und Jugendliche in Lateinamerika, für die sich Markus Blöse während zahlreicher Aufenthalte dort eingesetzt hat. «Miär wurdid nä nimmä gä», lautet das Fazit von Elisabeth Wigger.

«Verschmitzter Humor»

Auch die Chemie zwischen ihm und Pater Adolf stimme, findet sie. Der Pater ist mit einer 45-Prozent-Stelle für die sakramentalen Dienste zuständig. Auf die Frage, was für ihn typisch Schweiz ist, antwortet Markus Blöse, er könne nur sagen, was typisch Ennetmoos sei. «Wir sind eine traditionelle Pfarrei, die auch Neues wagt – wenn das nicht so wäre, wäre ich nicht hier.» An den Ennetmoosern schätze er einerseits die Offenheit, aber auch, dass mancher zuerst einmal schaue und warte. «Ich mag den verschmitzten, hintergründigen Humor.»
Und daran, dass seine Frau reformiert ist und seit kurzem Jugendarbeiterin der reformierten Kirchgemeinde Kriens, stört sich hier niemand. In Deutschland hätte er sich in gemischt-konfessioneller Ehe in seinem Bistum nicht einmal bewerben dürfen. «Eine Stelle hätte ich aber auch in Deutschland bekommen», ist sich Blöse sicher.

Der gebürtige Bonner spricht glasklares Hochdeutsch, «Mundart würde sich bei mir komisch anhören», meint er und bedauert: «Es geht einfach nicht über meine Zunge.» Das findet er vor allem dann schade, wenn mancher eben immer noch mit ihm Schriftdeutsch rede. «Wenn ich Mundart sprechen würde, könnte ich näher zu den Leuten kommen. Vielleicht ist es irgendwann einfach da», hofft er. In intensiven Momenten kann es passieren, dass Markus Blöse in seinen Heimatdialekt, ins Kölsch verfällt. «Dann schauen die Leute schon ein bisschen verwundert.»

«Heimat wächst»

In der Schweiz zu leben, ist für Markus Blöse ein Anknüpfen an Wurzeln: «Mein Vater war in seinen Wanderjahren als Glasergeselle in der Schweiz gewesen. Er schwärmte davon immer als der Zeit seines Lebens.» Schon die erste Begegnung beim Vorstellungsgespräch mit Ennetmoos sei für ihn selbst «Verliebtheit» gewesen, erzählt der 36-Jährige und sagt dazu nur: «Die Berge hier!» Nidwalden ist für ihn eine wunderschöne Gegend. «Allein die Möglichkeit, für einen halben Tag etwas ganz anderes zu machen. Die faszinierende Natur ist ein grosses Geschenk, hier leben zu dürfen!», schwärmt er.

Gibt es auch etwas, das er und seine Frau Antje vermissen? «Unsere sehr guten Freunde in Deutschland und die Familie», antwortet Markus Blöse spontan. «Es schmerzt, wenn wir bei einem Geburtstag oder bei der Erstkommunion meines Patenkindes nicht dabei sein können.» Ist nun die Schweiz seine neue, seine zweite Heimat oder was sonst? Der Pfarreileiter denkt kurz nach: «Heimat wächst ...», antwortet er.

Marion Wannemacher