Millionenprojekte treiben den Chef der Zentralbahn um

Michael Schürch blickt als Geschäftsführer der Zentralbahn auf ein ereignisreiches Jahr zurück – und die Bauphase nimmt so schnell kein Ende.

Matthias Piazza
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Michael Schürch im neuen Depot der Zentralbahn.

Michael Schürch im neuen Depot der Zentralbahn.

Bild: Corinne Glanzmann (Stansstad, 5. Dezember 2019)

Es war ein Baujahr der Superlative für die Zentralbahn. Insbesondere die Streckensperrung zwischen der S-Bahn-Station Luzern Allmend/Messe und Hergiswil/Alpnachstad Anfang November war eine intensive Phase. «Rund um die Uhr wurde zwei Wochen am Stück gearbeitet. Das gab’s noch bei keiner unserer Baustellen in bewohntem Gebiet», erinnert sich Michael Schürch, Geschäftsführer der Zentralbahn (ZB). «Das verlangte nicht nur von den Arbeitern, sondern auch von den Anwohnern einiges ab. Sie waren noch mehr Baulärm als sonst ausgesetzt.»

Das dichte, praktisch bis auf die Minute ausgereizte Bauprogramm war ein Kompromiss. «Das beauftragte Unternehmen wollte eine drei- bis vierwöchige Sperrung. Das wollten wir unseren Kunden nicht zumuten.» Sein Wunsch von bloss einer Woche war hingegen nicht realistisch, weil der Beton zwölf Tage zum Austrocknen braucht.

Glückliches Ende einer langjährigen Geschichte

Die ZB-Kunden mussten schon Anfang Jahr auf diesem stark befahrenen Streckenabschnitt auf Bahnersatzbusse umsteigen – damals gar vier Wochen lang. Für rund 100 Millionen Franken erneuert die Zentralbahn die S-Bahn-Stationen Kriens Mattenhof, Horw und Hergiswil Matt. Die Mitte November in Betrieb genommene verlängerte Doppelspur vom Hergiswiler Tunnelportal des Haltiwaldtunnels bis Hergiswil Matt bezeichnet Michael Schürch als Highlight des zu Ende gehenden Jahres.

«Damit findet eine fast zwanzigjährige Geschichte, mit der sich bereits meine beiden Vorgänger intensiv befassten, ein glückliches Ende.» Die Doppelspur schafft auch die Voraussetzung, dass in Hergiswil Matt wieder alle S-Bahn-Züge halten. Die Eröffnung der Station im Frühling ist für Michael Schürch denn auch ein Meilenstein im kommenden Jahr.

Zur regen Bautätigkeit gesellten sich auch Streckenunterbrüche, weil sich die Gleise, die bei Hergiswil Matt noch nicht definitiv eingebaut waren, durch die Hitze verformten. Und bei Horw senkte sich das Gleis durch die neu erstellte Unterführung Wegmatt ungeplant um acht Zentimeter ab, was eine weitere Störung zur Folge hatte. Das hinterlässt in der Jahresbilanz seine Spuren. «97,5 Prozent unserer Züge kamen 2018 mit weniger als drei Minuten Verspätung an. Diesen hohen Wert werden wir dieses Jahr nicht erreichen können», bedauert Michael Schürch.

Seit Sommer 2016 ist der heute 44-jährige gebürtige Berner Chef der Zentralschweizer Meterspurbahn mit Sitz in Stansstad. «Mir gefällt der Job extrem gut, es war einer meiner besten beruflichen Wechsel», schwärmt der frühere Leiter der Geschäftseinheit «Auftragssteuerung und Projektbildung» bei SBB Infrastruktur.

Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter macht stolz

«Als Chef eines kleinen Bahnunternehmens mit 370 Mitarbeitern habe ich Einblicke in sämtliche Bereiche. Das geht vom Rollmaterial, über Infrastruktur bis hin zu Tourismus.» Schlanke Strukturen und Beweglichkeit würden bei der ZB gelebt. Als Beispiel erwähnt er den Spezialzug, der mit den eingebauten Lasern während einer normalen Passagierfahrt den Zustand der Gleise erfassen kann. Seit vergangenem Februar ist er damit ausgerüstet, knapp ein Jahr zuvor hatten die ZB-Verantwortlichen an einer Fachmesse in Russland das System entdeckt.

Dass mittlerweile fast jeder ZB-Bahnhof behindertengerecht umgebaut wurde, grösstenteils nur noch moderne Züge unterwegs sind, die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit weiter gesteigert wurde und über dem Schnitt vergleichbarer Bahnen liegt, mache ihn stolz. Mit Ausnahme des gescheiterten Bahnhofsprojektes in Engelberg mit gemischter Nutzung (Hotel, Wohnungen, Geschäfte) seien sämtliche Projekte in seiner bisherigen ZB-Amtszeit gelungen. Nächstes Jahr erhält der Bahnhof Engelberg immerhin eine moderne Schalterhalle.

Er will noch mehr Pünktlichkeit

Die Modernisierungswelle geht weiter. Die Zentralbahn bestellt für nächstes Jahr zwei siebenteilige Adler- und sieben dreiteilige Fink-Züge, welche auch die alten Kompositionen auf dem Engelbergerast ersetzen sollen. Michael Schürch spricht von einem wichtigen Schritt: «Mit den neun neuen Zügen erhöhen wir nach vielen Jahren wieder die Zahl der Sitzplätze statt bloss nur alte Züge zu ersetzen, und zwar um 19 Prozent.»

In naher Zukunft will die ZB Assistenzsysteme für Lokführer testen, die einen präziseren Zugbetrieb ermöglichen sollen. «Damit kommen wir auf einen Pünktlichkeitswert von über 98 Prozent», ist er überzeugt.

Trotz aller Bahnleidenschaft ist dem Vater zweier kleiner Kinder das Familienleben wichtig. «Die Familienzeit muss man genauso planen wie die Geschäftszeit», lautet sein Erfolgsrezept. Seiner Frau habe er versprochen, nicht mehr als drei abendliche Geschäftstermine wahrzunehmen. Das gelinge allerdings nicht immer, gesteht er ein.