Mit Schwiizchiste gelang ihm der Durchbruch – nun mischt der Nidwaldner Robin Pickis das SRF auf

Mit seiner Instagram Seite Schwiizchiste unterhält der Nidwaldner Robin Pickis über 300000 Abonnenten. Für einen Job bei SRF schmiss er das Studium.

Roger Rüegger
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Im Podcast erzählt der Social-Media-Star auch, wie er regelmässig von der Online-Welt entflieht:

Der 25-jährige Robin Pickis aus Oberdorf NW dreht mit Julian Graf (27) und Ramin Yousofzai (28) seit zwei Jahren lustige Videos. Diese publizieren sie vorwiegend online. Mit der SRF Web-Show Zwei am Morge bekamen sie im Dezember morgens und abends einen Sendeplatz im Schweizer Fernsehen.

Als ich meinem Umfeld erklären wollte, wer mein Interviewpartner ist, fehlten mir die Worte. Wie hätte ich Dich beschreiben sollen?

Es ist noch schwierig. Die Berufsbezeichnung lautet Produzent bei SRF für das Format Zwei am Morge. Nebenbei betreue ich meine Instagram-Seite Schwiizchiste. Diese betreibe ich vorerst jedoch als Hobby.

Robin Pickis hat sich mit Schwiizchiste einen Namen gemacht.

Robin Pickis hat sich mit Schwiizchiste einen Namen gemacht.

Roger Grütter
Oberdorf, 3. Januar 2020

Für jene, die Schwiizchiste nicht kennen: Worum geht’s?

Das ist eine Unterhaltungsplattform, die ich mit lustigen Sprüchen und Videos füttere. Mit Situationen aus dem Alltagsleben.

Damit erreichst Du über 300000 Abonnenten auf Instagram und 70000 auf Facebook. Was bringt Dir diese Popularität?

Dass ich sehr viele junge Leute täglich zum Lachen bringen kann und gewissermassen auch einen Einfluss auf die Schweizer Comedy Szene habe. Nun bin ich beim Schweizer Fernsehen SRF. Dadurch fand ich den Weg zum Schweizer Fernsehen SRF. Die Schwiizchiste war im Prinzip meine Ausbildung.

Kann man sagen, dass Du da unbeabsichtigt in etwas reingerutscht bist?

Ich profitierte von meinen Social-Media-Kenntnissen. Ich studierte an der Universität Basel Sport und Geografie und wollte Lehrer werden. Plötzlich stand ich an einer Abzweigung, wo ein Weg zu einem Job als Produzent bei SRF führt. Eine Anstellung, die man üblicherweise nur bekommt, wenn man ein Medienstudium belegt hat und ein Praktikum vorweisen kann.

Also hast Du Dich fürs Fernsehen und gegen das Studium entschieden?

Diese Möglichkeit bietet sich einem nicht jeden Tag. Ich schmiss mein Studium, weil es zeitlich nicht machbar ist, in einem 60 bis 80-Prozent-Pensum bei SRF zu arbeiten und gleichzeitig zu lernen. Zudem habe ich meine eigene Firma gegründet, eine Social-Media-Agentur.

Wie schwierig war der Schritt weg vom Studium?

Für einen kurzen Moment habe ich mich gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, auch zu denen zu gehören, die abbrechen. Denn zuerst war für mich der Weg ins Berufsleben übers Studium der richtige. Heute denke ich anders, vor allem bei kreativen Berufen kommt es viel mehr auf die Eigeninitiative an.

Was erhoffen sich die Verantwortlichen des SRF von Dir?

Sie fragten mich an, weil ich auf Social Media sehr aktiv bin. Offenbar mache ich etwas in diesem Bereich richtig. Das SRF erhofft sich von mir bestimmt, dass ich auch mit der Sendung junge Menschen erreiche. Vor zwei Jahren startete die Web-Show Zwei am Morge. Dafür brauchten sie einen Produzenten. Nun haben wir im Dezember sogar vorübergehend einen Sendeplatz im Fernsehen bekommen. Sie haben mit uns drei junge, motivierte Comedians.

Roger Grütter
Oberdorf, 3. Januar 2020

Schwiizchiste und die Web-Show Zwei am Morge sind zwei völlig verschiedene Gefässe. Welche Erfahrung hast Du in den neuen Job einbringen können?

Das ist ja das Lustige. Ich hatte keine Erfahrung in dem Bereich. Ich schreibe zwar Witze und produziere auch Videos, die auf Schwiizchiste publiziert werden. Aber eine ganze Sendung zu produzieren, ist tatsächlich etwas Anderes. Bei meinen eigenen Videos gibt es kein ganzes Team. Ich wusste ganz ehrlich nicht, ob ich dem Job gewachsen war, und SRF wusste es ebenfalls nicht. Es war für beide Seiten ein Risiko.

Die beiden Moderatoren mit den exotischen Kaffeetassen und Du wirken wie ein eingespieltes Team.

Genau. Wir drei haben denselben Humor und ergänzen uns super. Es passt super weil wir uns privat sehr gut verstehen, und auch Videotechnisch sind wir gut aufeinander abgestimmt.

So sieht eine Folge von «Zwei am Morge» aus:

Und da ist ja eben noch Deine Instagram-Seite, die ich übrigens erst kürzlich durch junge Kollegen entdeckte. Spricht es eigentlich gegen mich oder für Dich, dass ich als älterer Typ die Schwiizchiste nicht kenne?

Die ist mein Herzstück. Zu deiner Frage: Weder noch. Das gute am Schwiizchiste-Humor ist ja, dass ich Schweizer Eigenheiten aufs Korn nehme, mit welchen sich durchs Band Leute von Jung bis Alt angesprochen fühlen.

Wie kommst Du auf die Sprüche?

Mein Gehirn funktioniert so, dass es bei vielen Alltagssituationen oder Gesprächen einen Wortwitz zu kreieren versucht. So beobachte ich meinen Alltag und menschliche Interaktionen viel intensiver woraus dann die Sprüche entstehen. Doch auch persönliche Erfahrungen finden darin natürlich Platz.

Es hat Sprüche zum Schmunzeln. Etwa dieser: «Ha hüt d’Chuchi putzt und versteinerti Teigware gfunde. Sind vermuetli Fossili gsi.» Weniger lustig fand ich eine Ausstrahlung von Zwei am Morge, die ich zufällig über die Festtage gesehen habe. Die war aber immer noch um einiges besser als das Humorfestival von Arosa. Darf ich als Ü-50-iger diese Kritik anbringen?

Die verstehe ich sogar sehr gut. Viele Leute konnten zu Beginn gar nichts mit der Sendung anfangen, weil wir chaotisch sind. Man muss fast in die Sache reinwachsen, weil halt auch viele Insiderwitze dabei sind, die man als regelmässiger Zuschauer eher kapiert.

Das erklärt die Aussage einer Kollegin, die meinte, sie habe zuerst Mühe mit ihrem Format gehabt. Inzwischen findet sie euch aber okay. Ihr steht sicher unter Abschlussdruck?

Wir haben einen hohen Rhythmus und merken dadurch, was funktioniert und was nicht. In zwei Jahren entstanden rund 200 Sendungen. Es braucht viele Ideen, die wir sofort umsetzen müssen. Die hohe Energie wirkt vielleicht chaotisch. Unsere Followers sind aber eng mit uns verbunden, die reagieren auch. Unsere Stärke dabei ist dass wir gar nicht zu fest den Sachen hinterhertrauern, die nicht so gut funktionieren, sondern daraus lernen und beim nächsten Mal besser machen.

Mit derart vielen Followers auf Schwiizchiste hättest Du auch die Möglichkeit, durch Werbung viel Kohle zu machen.

Sicher, es wäre durchaus lukrativ und ich könnte davon sehr gut leben. Jedoch ginge dies auf Kosten meiner Glaubwürdigkeit gegenüber meinem Publikum. Wenn aber eine Firma kommt, hinter die ich 100 Prozent stehe und welche zur Seite passt, dann sogar sehr gerne.

Das klingt wie ein Plan.

Schwiizchiste wird demnächst als Website aufgeschaltet. Die Idee ist, für mein breites Publikum kleinere Nischenformate mithilfe einer kleiner Redaktion aufzubauen. So werden sich etwa verschiedene Spruchformate, eine Satire-News-Seite sowie weitere Kurzvideoprojekte darin finden.