Kreuzstrasse überfordert die kantonale Verwaltung Nidwalden

Aus dem Willen, Kosten zu sparen, wurde ein Zusatzkredit von 180 000 Franken – die Testplanung für das Areal Kreuzstrasse kommt über 25 Prozent teurer als geplant. 

Philipp Unterschütz
Drucken
Teilen
Die Testplanung für das Areal Kreuzstrasse kommt teurer als erwartet.

Die Testplanung für das Areal Kreuzstrasse kommt teurer als erwartet.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 18. September 2019)

Um die Kosten des kantonalen Projektes auf dem Areal Kreuzstrasse in Stans möglichst tief zu halten, sollten viele Arbeiten im Rahmen des Verfahrens von der kantonalen Verwaltung übernommen werden. Darauf basierend beschloss der Landrat im Dezember 2018 einen Kredit von 695 000 Franken für die Durchführung einer Testplanung und die Erarbeitung eines Bebauungsplans. Drei Planerteams dafür sind mittlerweile bestimmt und im September 2019 begann die Testplanung.

An seiner kommenden Sitzung muss der Landrat nun aber über einen Zusatzkredit von 180 000 Franken befinden. Eine beträchtliche Überschreitung des bewilligten Kredits um knapp 26 Prozent. Wie aus dem Bericht der Regierung dazu hervorgeht, führten verschiedene Umstände zu diesen Mehrkosten. Das Projekt sei gewachsen und immer komplexer geworden. «Während der Erarbeitung wurde der Bestellkatalog erweitert», heisst es unter anderem. Das hätte zu einem zusätzlichen Raumprogramm geführt. Mehr Geld braucht es auch für die Anpassung des Kommunikationskonzepts und die Projektwebsite mit Erklärvideos.

Das Areal Kreuzstrasse.

Das Areal Kreuzstrasse.

Bild: PD

Kantonspersonal kann das Projekt nicht stemmen

Zur Hauptsache liegen die Mehrkosten im personellen Bereich. Beim ursprünglich viel kleineren Projekt Kreuzstrasse sei vorab nach den in Nidwalden üblichen Planungsmethoden vorgegangen worden, sagt Regierungsrätin Karin Kayser auf Anfrage. «Das heisst, dass viele Arbeiten im Rahmen des Verfahrens von unseren Mitarbeitern übernommen werden sollten und wenig gegen aussen vergeben würde. Das ist einerseits kostensparend, anderseits bindet es Zeit und Personalressourcen.» Durch die Grössenordnung, die relativ hohe Komplexität, die das Vorhaben annahm, und verschiedene natürliche Stellenwechsel hätte diese Einschätzung revidiert werden müssen, so die Sicherheits- und Justizdirektorin weiter.

Die ursprünglich angedachten kantonsinternen personellen Ressourcen reichen also nicht aus, einen effizienten und professionellen Verfahrensverlauf zu garantieren. «Um nicht zu einem späteren Zeitpunkt im Planungsprozess negativ überrascht zu werden, soll nun mittels Nachtragskredit die Projektbegleitung professionell vergeben werden», erklärt Karin Kayser. Über die gesamte Zeitspanne der Testplanung wird für die Leistungen des mandatierten Projektleiters ein Zusatzbudget von 70 000 Franken veranschlagt.

Regierung konnte Kommissionen überzeugen

Zwar ohne Begeisterung, aber doch mit klaren Mehrheiten, empfehlen die landrätlichen Kommissionen für Staatspolitik, Justiz und Sicherheit (SJS), Bau, Planung, Landwirtschaft und Umwelt (BUL) und die Finanzkommission (FiKo) dem Landrat, dem Zusatzkredit zuzustimmen. «Wir konnten in den Kommissionssitzungen die Problematik, welche zu diesem Mehraufwand geführt hat, klar, transparent und mit der nötigen Selbstkritik aufzeigen», erklärt Karin Kayser.

Für die SJS war das Hauptkriterium, dass die Wechsel im personellen Bereich nicht vorauszusehen waren, diese aber das Projekt beeinflussen und Qualitätsverlust und Verzögerungen mit sich bringen würden. Bezüglich Projektleitung dürfe nicht aus Kostengründen auf Qualität verzichtet werden, «da in dieser Projektphase eine Falschplanung kostenträchtige Folgen mit sich bringen kann». Die anfängliche Skepsis habe durch die offene und transparente Information der Regierung beseitigt werden können, schreibt die SJS. Man schätze das Eingestehen einer zu tiefen Budgetierung durch die Regierung. 

Die Kommission BUL bemängelt in ihrem Bericht, dass die Position Projektleitung nicht von Beginn weg entsprechend der Wichtigkeit der Funktion eingeplant war. Man habe aber erkannt, «dass das Projekt und damit auch die Aufgaben der Projektleitung seit der ursprünglichen Idee gewachsen sind und nicht mehr durch kantonsinterne Ressourcen abgedeckt werden können». In Anbetracht der Gesamtkosten sei der Betrag von 180 000 Franken, der an sich nicht marginal sei, aber vertretbar. Ein Antrag einer Kommissionsminderheit, den Zusatzkredit auf 90 000 Franken zu beschränken, war chancenlos.

Landrat wird wohl kaum applaudieren

Regierungsrätin Karin Kayser.

Regierungsrätin Karin Kayser. 

Bild: cog

Stimmt der Landrat am kommenden Mittwoch dem Antrag für den Zusatzkredit von 180 000 Franken zu, beträgt der Objektkredit für die Testplanung über das Areal Kreuzstrasse neu total 875 000 Franken, ist also 25,9 Prozent höher als der ursprünglich bewilligte Kredit. «Die Argumentation zeigt die Dringlichkeit des Nachtragskredites auf. Aber dass der Landrat zu diesem Antrag murrend Ja sagt und nicht Beifall zollen wird, ist verständlich und nachvollziehbar», sagt Karin Kayser.

Mehr zum Thema