Müller-Drossaart inszeniert «Heidi» in den Nidwaldner Bergen

Hanspeter Müller-Drossaart erzählt im Buochser Theater Johanna Spyris «Heidi» einmal anders.

Romano Cuonz
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Hanspeter Müller-Drossaart im Frühling am Casting für die Jubiläumsproduktion «Eyses Heidi» in Buochs.

Hanspeter Müller-Drossaart im Frühling am Casting für die Jubiläumsproduktion «Eyses Heidi» in Buochs.

Bild: Pius Amrein (25. April 2019)

Kaum ein anderer Autor vermag so nahtlos zwischen mehreren Urschweizer Mundarten zu wechseln wie Hanspeter Müller- Drossaart. Selbst wenn der in Obwalden und Uri aufgewachsene Schauspieler, Regisseur, Erzähler und Kabarettist Johanna Spyris Heidi und Alpöhi nun Dialoge im reinsten Nidwaldner Dialekt in den Mund legt, benötigte er dazu kein Wörterbuch. Müller erklärt: «Mein Vater war Obwaldner, wollten wir Kinder jedoch etwas von unserer Mutter, redeten wir mit ihr Nidwaldner Mundart.» Denn diese stammte vom Ennetmooser Muoterschwandenberg.

Als Kathrin Niess Kissling, Präsidentin des Theaters Buochs, auf Müller zutrat und ihn fragte, ob er für die renommierte Laienbühne ein Nidwaldner Mundartstück schreiben möchte, musste er nicht lange überlegen. Nidwaldner Dialekt war ja seine Muttersprache! «Die Idee, mich auf das berühmte ‹Heidi› einzulassen, gefiel mir auf Anhieb.» Der in Zürich lebende Autor sagte zu. Erklärte aber: «Wenn ihr das Heidi wollt, bekommt ihr ein Buochser Heidi!» Darüber war man in der Seegemeinde höchst erfreut.

Und so lässt Müller wie anno dazumal Fremde mit dem Schiff aus Luzern herfahren. Den riesigen Stoff des zweibändigen Kinderbuchklassikers reduzierte er auf eine zweistündige Bühnenfassung. Darin wird der Bündner Alpöhi zu einem gut niwaldnerischen «Äimièslèr-Sepp» und «Grossdädi». Mehrere Buochser Dorfkinder treten als echte «Chabis-Goofe» auf. Da lässt wohl der berühmte Grenzstein zwischen Nid- und Obwalden grüssen. Müller sagt zu den neuen Figuren: «Es gab ja beim Casting so viele Kinder, die mitmachen wollten!»

Der Autor weiss, was Heimweh ist

«Erstmals begegnet bin ich ‹Heidi›, als ich im Wartezimmer eines Erstfelder Zahnarztes sass», besinnt sich Hanspeter Müller-Drossaart. Doch dieses «Mädchenbuch» habe ihn damals wenig interessiert. Viel lieber habe er Josef Konrad Scheubers «Trotzli» oder den «Geissbub vom Etzlital» gelesen. Jedoch: Als er mit Frau und dreijähriger Tochter nach Wien ans Burgtheater ging, vermisste der Obwaldner die Berge, die er von Zürich aus immer noch gesehen hatte. «Damals plagte mich Heimweh nach der Schweiz, nach unserer Eigenart und nach unserem besonderen Umgang mit der Sprache», gesteht Müller. «Ja, ich bin ein Landei.»

Und als solches habe er für die Buochser auch «Eyses Heidi» als Volksstück geschrieben. Natürlich hat sich Müller sehr intensiv mit, wie er sagt, «der Schweizer Grundsaga» befasst. Johanna Spyris Heidi sei eine Art Erlöserfigur. Immer wieder müsse das Kind Erwachsene – den Alpöhi, den Doktor, Herrn Sesemann, aber auch Klara – von ihren Problemen befreien. Eine unglaubliche, eine gigantische, oft aus religiösem Druck entstehende Überlast, findet Müller. Zwar respektiere er Spyris Grundidee, dass man Kinder lieben und zu ihnen schauen müsse. Dennoch habe er das Nidwaldner Heidi von diesem grossen Druck etwas befreit. «In Buochs wird es als ganz normales, befreites Mädchen sein Glück finden», verspricht der Autor.

In der Tat, das neue Heidi darf in heiteren Szenen auch reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: «Huändescheen! Hesch dui das gmacht, Grossdädi?» Neu ist bei Hanspeter Müller-Drossaart auch eine Erzählfigur: das mittlerweile 80-jährige Heidi. Es erzählt seiner Enkelin, was es früher erlebt hat. Müller erklärt: «Dies ermöglicht mir immer wieder, aus der Zeit zu springen und die Geschichte voranzutreiben.»

Sesemanns Haus wächst aus der Bühne hervor

Weil er die ideenreiche Bühnenbildnerin Elionora Amstutz kannte, erlaubte sich Müller einige Szenenwechsel. Neben der Alp ist da auch das Dörfchen mit Dorfplatz und Geissenpeters Hütte. Später wächst aus der Bühne sogar Sesemanns nobles Haus in Frankfurt hervor. «Ich gebe zwar viele Regieanweisungen, doch dreinreden wollte ich der durchsetzungsfreudigen Regisseurin Eva Mann und dem Ensemble keineswegs», sagt Müller. Und: «Ich freue mich nun riesig auf die Premiere!»

Premiere am 11. Januar, 21 weitere Aufführungen bis am 1. März. Weitere Angaben finden Sie unter www.theater-buochs.ch