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MÜNCHEN/OBERDORF: Amoklauf in München: Nidwaldner Paar erlebt Panik am eigenen Leib

Das Ehepaar Gander sass im CityBus, als unweit von ihnen der Amokläufer durchdrehte. Der Vorfall hat sie aufgewühlt – aber nicht nur die Tat an sich.
Oliver Mattmann
«Ich habe das Gefühl, diese Leute verlieren allmählich den Bezug zur Realität.» Maya Gander, Oberdorf. (Bild: PD)

«Ich habe das Gefühl, diese Leute verlieren allmählich den Bezug zur Realität.» Maya Gander, Oberdorf. (Bild: PD)

Oliver Mattmann

Es ist kurz vor 18 Uhr, als am Freitagabend beim Olympia-Einkaufszentrum in München der Horror mit dem Amokläufer und zehn Toten seinen Lauf nimmt. Nur wenige Augenblicke später steigen Maya Gander aus Oberdorf und ihr Mann Hans beim Olympia-Park in einen City-Tour-Bus – nicht ahnend, was für ein Drama sich wenige hundert Meter von ihnen entfernt gerade abspielt. Beim Halt am Marienplatz verlassen sie den Bus. Im «Weissen Bräuhaus» machen sie es sich bequem und bestellen ihr Essen. Nach und nach füllt sich das Gasthaus, und als ein paar junge Erwachsene am Tisch nebenan heftig diskutieren, hören sie erstmals davon, dass es eine Schiesserei gegeben haben soll.

Im «Bräuhaus» bricht Panik aus

Offenbar macht sich die Nachricht schnell breit, denn als vom Marienplatz her plötzlich Knalle ähnlich wie Schüsse zu hören sind, bricht im Gasthaus Panik aus. «Die Leute kippten Tische um und gingen hinter diesen oder unter anderen Tischen in Deckung, Gläser und Teller zerbrachen, Kinder schrien, die Türe wurde verbarrikadiert», erinnert sich Maya Gander. Sie seien dennoch relativ ruhig geblieben, ist die 54-jährige Nidwaldnerin im Nachhinein selber etwas erstaunt. Dies hänge wohl auch mit ihrer Einstellung zusammen. «Ich glaube ans Schicksal und dass ich daran nicht wirklich etwas ändern kann.» Dennoch sei ihnen natürlich mulmig zu Mute gewesen. «Man liest nur immer von Terroranschlägen und Amokläufen. Und plötzlich steht man mittendrin.»

Nachdem Ganders und die anderen Gäste auf Geheiss der Polizei mehrere Stunden im «Bräuhaus» verharrt hatten, gab es erste Entwarnung. Sofort machten sie sich auf der empfohlenen Route auf ins 15 Minuten entfernte Hotel. «Es war gespenstisch ruhig, die Strassen waren praktisch leer, keine S-Bahn, keine Taxis fuhren mehr.» Kurz überlegten sie sich, den 3-Tages-Trip abzubrechen, doch letztlich zogen sie ihr Programm bis Sonntagabend mehr oder weniger durch. Bereits am Samstag unternahmen sie wieder eine Tour mit dem City-Bus. «Es ist grauenvoll und traurig, was passiert ist. Wir konnten in der Nacht praktisch kein Auge zudrücken», so Maya Gander. «Dennoch haben wir uns gesagt: Das Leben geht weiter. Wichtig ist, darüber zu sprechen und das Ganze zu verarbeiten.» Bewusst suchten sie wie viele andere Menschen Kirchen in der Stadt auf, um so ihre Dankbarkeit auszudrücken, dass ihnen nichts zugestossen ist.

Zusätzlich Angst geschürt

Inzwischen sind Ganders in die Heimat zurückgekehrt. Der Vorfall wühlt sie immer noch sichtlich auf. «Wir haben schlecht und wenig geschlafen.» Doch nicht alleine die schreckliche Tat, sondern auch die Reaktion vieler Gäste im «Bräuhaus», nachdem Panik ausgebrochen war, gibt Maya Gander zu denken. «Eine Frau hatte sich an den Scherben eine tiefe Schnittwunde zugezogen. Doch anstatt zu helfen, zückten neben ihr die meisten einfach nur ihre Handys, schalteten die Videofunktion ein oder machten Bilder vom Chaos im Restaurant.» Sie hätten dann geholfen, der Frau einen Druckverband auf die Wunde zu legen.

Geärgert hat sich Maya Gander auch, dass die mit den Handys geschossenen und wahrscheinlich schnell weiterverbreiteten Bilder wohl zusätzlich Angst schürten bei den Empfängern. «Dieses Verhalten trug zur Panikmache in der ganzen Stadt bei», ist sie überzeugt.

Die Gefahren der virtuellen Welt

Klar, auch sie sei froh gewesen, dass sie sich mit dem Handy über die aktuelle Lage informieren konnte. «Doch ich will mich nicht versklaven lassen von den elektronischen Hilfsmitteln», ist sie besorgt über die Entwicklung, wie stark vor allem junge Leute heute davon vereinnahmt sind. «Ich habe das Gefühl, diese Leute verlieren allmählich den Bezug zur Realität. Sie tauchen in die immer grösser werdende virtuelle Welt ab und sind deshalb auch eher fähig zu solchen Gräueltaten.»

Dies sei auch der Hauptgrund gewesen, weshalb sie sich bei unserer Zeitung gemeldet habe, gibt Maya Gander unumwunden zu. Auch der Amokläufer in München habe seine Opfer über ein erfundenes Facebook-Profil zum Tatort gelockt. «Viele sind sich der Gefahren des Internets gar nicht bewusst. Die Menschen müssen aufgerüttelt werden!»

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