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MUSIKTAGE: Musik mit besonderem Aroma

Aus dem Dichter ist ein Sänger geworden: Michael Fehr begeisterte mit einem gepfefferten Auftritt. Hindi Zahra verströmte dagegen sanfte Magie.
Hindi Zhara überzeugte im vollen Kollegi-Saal mit einem Groove, der sich sanft ins Herz bohrte. (Bild Pius Amrein)

Hindi Zhara überzeugte im vollen Kollegi-Saal mit einem Groove, der sich sanft ins Herz bohrte. (Bild Pius Amrein)

Pirmin Bossart

Die Stanser Musiktage sind schon in voller Blüte. Am Mittwochabend lockte ein bunt-scheckiges Programm, das vom alten Schweizer Liedgut der Gruppe Silberen (Kapuzinerkirche) bis zum Trance-Rock von Tal National aus Niger (Club im Engel) reichte. Dazwischen bezauberte die marokkanisch-franzö­sische Sängerin Hindi Zahra das Publikum im vollen Kollegisaal, spielte Luca Siseras Roofer zeitgenössischen Jazz im Chäslager und knisterte die Spannung im Theater an der Mürg, wo Michael Fehr mit einer Band Premiere hatte.

Dieser Fehr hat im Brett der Stanser Überraschungen definitiv einen Nagel eingeschlagen. Ganz unerwartet kam das nicht. Wer den Poeten vor einem Jahr an der Text-Tiegel-Veranstaltung im Kleintheater Luzern erlebt hatte, wie er, statt einen Text vorzutragen, einen archaischen Blues intonierte, konnte davon ausgehen, dass in diesem Dichterherz noch ein paar musikalische Hunde begraben liegen. Und so deftig und aromatisch, wie er dichten kann, singt und ar­ti­kuliert er auch. Man fühlte sich mit seiner Band an Stiller Has erinnert. Aber einen, der schon in der Pfanne brodelt.

Vom Teufel und vom Whiskey

Seit gut einem Jahr ist Michael Fehr gelegentlich mit dem Gitarristen Manuel Troller unterwegs. Für die Stanser Musiktage wurde dieses Duo mit Andy Schnellmann (Bass), Julian Sartorius (Drums) und Roman Bruderer (Perkussion) zum Quintett erweitert. Die Premiere zeigte nicht einen Spoken-Word-Künstler mit musikalischer Begleitung, sondern eine handfeste Band mit einem schlitzohrig coolen Sänger, der fliessend zwischen Artikulation, Sprechgesang, Rezitation, Gesang und Gekreische wechselte.

Fehr arbeitete gekonnt mit Pausen, Reduktion, Wiederholung. Er war ganz Intensität und Präsenz. Inhaltlich blieb er bodenständig, surreal und liebenswürdig. Er sang vom Teufel und dem Grauen oder vom Whiskey, der sich in seinen Garten legte. Er hielt das Publikum mit der dramatisch-komischen Geschichte von den beiden Männern mit den zwei Messern in Atem oder folterte es mit der kruden Rebhuhn-Story: sackbrutal, poetisch und makaber zugleich.

Erfrischend wirkte das «Projekt» nicht zuletzt mit seiner Verschmelzung von Wort, Gesang und einer aufregend charmanten Musik, für deren Arrangements Gitarrist Manuel Troller verantwortlich zeichnete. Roots-betont, aber auch mal funky oder noisy rüttelte der Sound an den Text-Knochen, die Fehr stoisch in die Runde warf. Troller entpuppte sich als fantastisch subtiler Gitarrist. Einmalig, wie er, der sonst in den schrägsten Impro- und Noisefeldern herumtüftelt, auch den melodischen Groove auf den Saiten intus hat.

Musik zum Leben bringen

Einen sublimen Sog entfachte die Band von Hindi Zahra, die im vollen Kollegisaal das Publikum bei der Stange hielt. Die Sängerin packte vom ersten Moment an mit ihrer Ausstrahlung. Eher klein gewachsen, wirkte sie zu keiner Zeit verloren. Etwas sanft Magisches ging von ihr aus. Sie performte nicht wie die gängige Tussi, sie brachte die Musik zum Leben.

Es war eine warmblütige und so meisterlich wie entspannt gespielte Musik mit stetig glühendem Groove, der sich sachte ins Herz bohrte, aber immerzu leicht blieb. Hier wirkte ein Berber-Trance-Faktor, wie ihn die gebürtige Marokkanerin natürlicherweise mitbringt. Dieses besondere Aroma macht die Popsongs von Hindi Zahra interessanter als die Dutzendware der Hitparadenindustrie.

Dazu kamen eine soulige Emotiona­lität, gewisse spanisch-maurische Anklänge, afrikanisch-perkussive Tribal-Rhythmen und mit dem Flügelhornisten und Flötisten auch eine feine Prise Jazz. Die Band fabrizierte einen schönen Sound, der satt schimmerte.

Trance-Faktor

Den puren Trance-Faktor hätte man sicher mit Tal National erleben können, aber dafür ist die reguläre Länge eines Konzerts hiesiger Güte wenig geeignet. Die sympathische Truppe aus dem Niger, die erstmals überhaupt in der Schweiz auftrat, war im Engel-Club gelandet. Gewiss keine schlechte Location, um etwas abzugrooven, aber halt nicht das Umfeld, wo man in stundenlangen Jams wie im Niger sukzessive in einen Sound hineingezogen wird.

Dessen ungeachtet erlebte das Publikum, das westlich-nett mitwippte, eine frohgemute Band, die den Desert-Rock mit vertrackten Rhythmen und traditionellen Gesängen anreicherte und sich alle Mühe gab, etwas afrikanisch aufgeladene Stimmung in den Saal zu bringen.

In der Band seien fünf von insgesamt acht Hauptethnien des Niger vertreten, erklärte der Bandleader stolz und stellte sie alle vor. «We all live together. Peace is important today. The world needs peace.» Mit dem nächsten Song wurden die Geister angerufen und wirbelte der Perkussionist als Tänzer von der Bühne herunter. Der Gitarrist solierte mit einem breiten Lächeln, der Sänger strahlte.

Hinweis

Heute in Stans: La Roza Enflores & Quatuor Alfama «Exilio» (17.30 Uhr, Pfarrkirche), Divanhana (20 Uhr, Kollegium St. Fidelis),Chassol «Big Sun» (20.30 Uhr, Theater an der Mürg), Trevor Watts/Veryan Weston (20.30 Uhr, Chäslager), La Dame Blanche (21.30 Uhr, Engel). www.stansermusiktage.ch

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