Nach 25 Jahren ist für ihn Schluss mit Winterdienst auf Wiesenberg

Nach 25 Jahren hat Reto von Büren den Winterdienst auf Wiesenberg abgegeben. Wenn es ununterbrochen schneite, wurde der Weg zur Endlosschleife und er war dann gut und gerne 13 Stunden am Pflügen.

Philipp Unterschütz
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Reto von Büren befreite Wiesenberg 25 Jahre lang vom Schnee.

Reto von Büren befreite Wiesenberg 25 Jahre lang vom Schnee.

Bild: Philipp Unterschütz (3. Dezember 2019)

Wenn Frau Holle tüchtig Flocken vom Himmel schüttelt, dann ist es jeweils Zeit für die vielen wichtigen Helfer, die zu fast jeder Tages- und Nachtzeit die Strassen freiräumen und damit für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen. Auf Wiesenberg war es Reto von Büren, der diese wichtige Arbeit erledigte. «Du darfst es bis zum Schluss richtig geniessen», spöttelten die Nachbarn, als er am 10. Mai nochmals den Pflug an den Traktor montieren musste. Überraschend hatte sich der Winter auf Wiesenberg mit einem halben Meter Schnee zurückgemeldet. Es waren dann aber definitiv seine letzten Räumungsfahrten. Der 45-jährige gelernte Landwirt, der mit seiner Frau Irene (42) den Hof Huismatt auf Wiesenberg bewirtschaftet, hat nämlich nach 25 Jahren den Winterdienst abgegeben.

In all den Jahren befreite er im Dallenwiler Ortsteil Wiesenberg zuverlässig die Kantonsstrasse von der Lourdesgrotte bis zum Ächerlipass und die Flurstrassen entlang dieser Route vom Neuschnee. Für eine Fahrt auf der insgesamt rund 15 Kilometer langen Route brauchte er etwa dreieinhalb Stunden. Bis um 6 Uhr musste jeweils die Hauptachse bis Dallenwil geräumt sein, so wollte es der Kanton. Das hiess dann Arbeitsbeginn um 4.30 Uhr. Und wenn es ununterbrochen schneite, wurde der Weg zur Endlosschleife und er war dann gut und gerne 13 Stunden am Pflügen – egal ob an Sonntagen oder Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern.

Er kennt jeden Schacht und jede Unebenheit

«Ich habe die Arbeit gerne gemacht, aber nach 25 Jahren hat man es irgendwann einfach gesehen», erklärt Reto von Büren den Hauptgrund, warum er den wichtigen Nebenerwerb aufgegeben hat. Er hätte zudem vermehrt auch Rückenprobleme bekommen. «Und wenn man jung ist, plant man weniger, man ist flexibler.» Das habe sich geändert, er sei nicht mehr so unbekümmert. «In den letzten Jahren habe ich nachts manchmal zum Fenster hinausgeschaut, nur um zu sehen, wie viel Schnee es hat. Das war früher nicht so.»

Schnell aus der Ruhe zu bringen, ist Reto von Büren aber nicht.

Eigentlich gab es nur eines, was ihn «stressen» konnte: Defekte am Traktor oder Pflug. «Es gibt nichts Schlimmeres, als mit einem kaputten Traktor morgens um 5 Uhr früh im Nirgendwo im Schnee stehen zu bleiben.» Er habe zu Hause zwar viele Ersatzteile gehabt, aber halt nicht alles. Und das Wetter machte wegen ihm auch nicht einfach Pause. «Einmal habe ich genau an Ostern einen Hydraulikschlauch gebraucht. Zum Glück konnte ich trotz Feiertag einen Garagisten finden, der einen vorrätig hatte.»

Reto von Büren, der von sich sagt, dass ihm eine Ferienreise nach Norwegen lieber wäre als an einen heissen Strand, genoss den Winterdienst. Es sei immer «cool» gewesen, früh am Morgen in die Dunkelheit und den Schnee hinauszufahren. «Es war ein gutes Gefühl, mutterseelenallein mit der Maschine unterwegs zu sein. Ich konnte trotz aller Konzentration immer gut über dies und jenes nachdenken.» Geholfen hat Reto von Büren auch die jahrelange Erfahrung. «Ich kenne jeden Schacht und weiss, wo Unebenheiten sind, bei denen ich den Pflug heben muss, damit ich nicht mit dem Kopf an der Scheibe lande.»

Es kommt nicht nur auf die Schneemenge an

In den vergangenen 25 Jahren hat sich im Winterdienst Wiesenberg aber viel verändert. Waren es früher ein oder zwei Autos, welche im Winter am früheren Morgen die Strasse nach Dallenwil benutzten, sind es heute gegen 25.

Folgen eines Klimawandels hat auch Reto von Büren festgestellt, allerdings eher in der Landwirtschaft als bei der Schneeräumung. «Weil es bei uns auf 1200 Meter über Meer im Sommer deutlich wärmer ist, haben wir besseres Gras, das auch schneller wächst.»

Im Winter bleibe wegen Temperaturschwankungen der Schnee weniger lang liegen. «Bei der Schneeräumung kommt es aber nicht so auf die Schneemenge an. Schneeverwehungen durch Wind spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Zehn Zentimeter Neuschnee können Dich bei Wind locker zwei Tage beschäftigen.» Verändert hätte sich auch das Sicherheitsdenken. «Wir haben deshalb zwei Naturgefahrenbeobachter in Wiesenberg, welche die Lage und die Lawinengefahr beurteilen müssen.»

Beim Jassen dem Winterdienst zugeschaut

Weil Reto von Büren auch im Dallenwiler Gemeinderat sitzt und dem Gemeindeführungsstab angehört, war er so quasi sein eigener Chef. Und deshalb musste er auch selber seinen Nachfolger suchen.

Gefunden hat er ihn mit dem 31-jährigen Walter Niederberger vom Wirzweli, der hauptberuflich ein eigenes Baggergeschäft führt. «Es musste unbedingt jemand aus dem hinteren Teil von Wiesenberg sein. Zwischen dem Wetter in Dallenwil und hier liegen oft Welten. Da unten würde man oft nicht auf die Idee kommen, dass hier oben Schneeräumung dringend nötig ist.»

Und so genoss Reto von Büren heuer erstmals die ersten Schneefälle gemütlich in der heimischen Stube beim Jassen. «Ich sah dem Schneepflug zu und habe es richtig genossen. Ich wollte nichts anderes.» Endlich könnten er und seine Frau Irene besser planen, Jodlerkonzerte in Ruhe erleben, auch wenn es draussen Bettlaken schneit und insbesondere Wochenenden und Feiertage mit der Familie geniessen, ohne vom Wetter abhängig zu sein.

Doch «angezündet» wird Reto von Büren von den Kollegen immer noch. Hiess es früher an Anlässen immer, während es schneite, was er nachher mache, tönt es nun: «Es schneit, ist Dir nicht langweilig?»