Nach Nacktbild-Affäre und Anzeige durch Obbürger Pfarrer: Kirchenrat nimmt Stellung und räumt Differenzen ein

Mehrere Tage nach Bekanntwerden der Nacktbild-Affäre äussert sich der Stansstader Kirchenrat erstmals. Er bestätigt Differenzen mit dem Pfarrer und betont, dass in solchen Vorfällen null Toleranz gelte.

Christian Glaus
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Die Pfarrei Obbürgen ist seit Freitag in heller Aufregung. Damals ist bekannt geworden, dass der Pfarrer der Sekretärin des Kirchenrats ein Nacktfoto geschickt hat. In der Folge erhob der Pfarrer schwere Vorwürfe gegen den Kirchenrat und stellte sich als Opfer einer Verschwörung dar. Am Sonntag teilte er mit, er habe Strafanzeige gegen den Kirchenratspräsidenten, die Vizepräsidentin und die Kirchenratssekretärin eingereicht. Die Liste der Anschuldigungen ist lang.

Nach Tagen des Schweigens nimmt nun Kirchenratspräsident Edi Scodeller im Namen des Kirchenrats gegenüber unserer Zeitung schriftlich Stellung. Die angezeigten Personen fühlten sich betroffen, schreibt Scodeller, «da wir keine der erwähnten Anschuldigungen nachvollziehen können». Es gelte nun, die polizeilichen Ermittlungen abzuwarten. Die Kantonspolizei Nidwalden bestätigt, dass nach der Anzeige durch den Pfarrer ein Verfahren läuft. Zum Stand gibt sie keine Auskunft. Ob erste Befragungen stattgefunden haben, lässt sie offen.

Pfarrer und Kirchenrat decken sich mit Anzeigen ein: Wie erklärt sich der Kirchenrat diese Eskalation? «Von Eskalation möchte ich nicht sprechen. Aber der ganze Fall weist auf eine heikle Thematik in der Kirche hin. Das wirft ein besonders helles Licht.» Er spricht damit frühere Sex-Skandale in der katholischen Kirche an.

Externe Hilfe geholt

In seiner Stellungnahme schrieb der Obbürger Pfarrer am Freitag, dass das Verhältnis zwischen ihm und dem Kirchenrat seit seinem Amtsantritt 2014 angespannt gewesen sei. Scodeller hingegen beschreibt das Verhältnis als «bis anhin gut». Es habe ab und zu arbeitsbedingte Diskussionen gegeben, «wie sie in jedem Arbeitsumfeld vorkommen». Dass das Verhältnis doch nicht so gut war, darauf lässt eine weitere Aussage schliessen. Vor allem in den Anfangszeiten des Arbeitsverhältnisses habe es Diskussionen innerhalb des damaligen Seelsorgeverbundes gegeben.

«Um gute Lösungen herbeizuführen, haben die beteiligten Parteien externe Unterstützung beigezogen.»

Dabei seien gute Resultate erzielt worden. Unklar ist, wie es zur Demission des Pfarrers kam. Das Bistum Chur teilte ursprünglich mit, der Pfarrer habe demissioniert. Der Betroffene hingegen schreibt, er habe den Aufhebungsvertrag unterzeichnen müssen – noch bevor eine Aussprache stattgefunden habe. Den Ablauf lässt Kirchenratspräsident Edi Scodeller offen. Der Aufhebungsvertrag sei «das Resultat des digitalen Bildversands an die Pfarreisekretärin». Man habe sich an die Vorgaben des Generalvikariats Urschweiz gehalten. Ausserdem betont Scodeller, dass seitens der Schweizerischen Bischofskonferenz «klar die Weisung gilt: Null Toleranz bei solchen Vorfällen».

Was sagt der betroffene Obbürger Pfarrer zum Fall? Er hatte angekündigt, dass sich sein Anwalt am Montag äussern werde, was nicht geschehen ist. Nach wie vor ist er im Pfarrhaus anzutreffen und öffnete einem Journalisten unserer Zeitung die Tür, um diesen in bestimmtem Ton wegzuweisen. Angesprochen auf die Stellungnahme seines Anwalts sagte er, diese werde noch folgen. Es gilt die Unschuldsvermutung.