Nach vier Nidwaldner Corona-Fällen will der Kanton die weitere Ausbreitung verhindern

Vier Personen sind in Nidwalden am Corona-Virus erkrankt. Nun versucht man, die Übertragungskette zurückzuverfolgen.

Matthias Piazza
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Hier, im Kantonsspital Nidwalden, wird einer der vier Corona-Infizierten behandelt.

Hier, im Kantonsspital Nidwalden, wird einer der vier Corona-Infizierten behandelt.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 2. August 2017)

Nun ist auch Nidwalden «angesteckt». Bei einer 37-jährigen und 32-jährigen Frau sowie einem 31- und 60-jährigen Mann (letztere drei Personen sind miteinander verwandt) wurde das Corona-Virus festgestellt, wie der Kanton am Mittwoch mitteilte. Die vier Personen meldeten sich mit typischen Symptomen bei ihrem Hausarzt. Die definitive Bestätigung des Referenzlabors wird in diesen Tagen erwartet, wie Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger auf Anfrage sagte. Der 60-jährige Mann befindet sich aufgrund seines Krankheitsverlaufs in isolierter Spitalpflege im Kantonsspital Nidwalden. Genauere Details wollte Blöchliger wegen des Arztgeheimnisses nicht bekanntgeben. Die anderen drei Personen mit weniger ausgeprägten Symptomen werden medikamentös behandelt und sind zu Hause isoliert. 

Wie sie sich angesteckt haben und in welchem Umfeld sie sich aufhielten, könne sie aufgrund des Amtsgeheimnisses ebenfalls nicht bekanntgeben. Ihres Wissens hätten sich die Personen nicht in Italien aufgehalten. Das Land ist in Europa am stärksten vom Corona-Virus betroffen. «Nun versuchen wir, die Ansteckungskette nachzuvollziehen, indem wir weitere Kontaktpersonen ausfindig machen und sie bei Bedarf ebenfalls unter Quarantäne stellen», erklärt Michèle Blöchliger. Die Gefahr bestehe, dass schon weitere Personen angesteckt seien. Mit den Massnahmen solle die weitere Verbreitung möglichst eingedämmt werden. Wie gross dieser Quarantänekreis gezogen werde, könne man so absolut nicht sagen. Als Grundregel gelte: Wer sich während mehr als einer Viertelstunde in weniger als zwei Meter Nähe einer Person aufgehalten habe, die möglicherweise mit dem Corona-Virus infiziert sei, solle sich umgehend telefonisch beim Arzt oder beim Spital melden. Dann werde entschieden, ob eine Quarantäne angebracht sei oder nicht.    

Hausärzte erhalten viele Anrufe 

Auch wenn die Zahl von Corona-Infizierten zunähme, käme das Kantonsspital Nidwalden mit der Infrastruktur noch nicht an seine Grenzen, zumal ein Corona-Patient nach erfolgreicher Behandlung das Spital nach etwa einer Woche wieder verlassen könne. Zudem könne man bei Bedarf innert Stunden das unterirdische Spital mit etwa 70 zusätzlichen Betten in Betrieb nehmen, das sich unter dem Kantonsspital Nidwalden in Stans befindet. Ziemlich gefordert seien allerdings die Hausärzte, die ja bei einem Verdachtsfall die erste Ansprechstelle seien. «Sie erhalten viele Anrufe von besorgten Bürgern, die wissen wollen, ob sie ebenfalls infiziert sind.» Michèle Blöchliger zeigt sich dankbar, dass sich die Leute an die Weisung halten, bei einem Verdacht nicht sofort den Hausarzt aufzusuchen, sondern zu telefonieren, auch um das Ansteckungsrisiko gering zu halten. Der Arzt entscheidet dann aufgrund der Schilderungen, ob ein Test angezeigt ist oder ob der Patient sich zu Hause bis 24 Stunden nach Abklingen der Symptome isolieren soll.   

Trotz der neuen Entwicklung verschärft der Kanton die Massnahmen nicht. Nach wie vor sind Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen verboten. Allerdings sei es so gut wie sicher, dass dieses Verbot, dass vorderhand bis am 15. März gelte, verlängert werde. «Wir warten dazu auf die Weisungen des Bundesrates, die er am Freitag erlassen will.»  

Ihrer Einschätzung nach gehe die Nidwaldner Bevölkerung gut mit der aussergewöhnlichen Situation um. «Die Verantwortlichen von Veranstaltungen mit weniger als 200 Teilnehmern liefern vorbildlich eine Kontaktliste der Teilnehmer, damit wir sie im Bedarfsfall zurückverfolgen können.»

Besuche in Spitälern, Alter- und Pflegheimen meiden

Kantonsarzt Peter Gürber ruft die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. «In den meisten Fällen verläuft die Krankheit mild. Am stärksten gefährdet sind Leute, die über 65 Jahre alt sind oder an einer Vorerkrankung leiden.» Wer die Verhaltensregeln befolge, minimiere das Risiko einer Ansteckung, die über Tröpfchen erfolge, die beim Husten oder Niesen anderer Personen ausgestossen würden. Besonders wichtig sei das regelmässige und gründliche Händewaschen mit Seife, damit beim Griff an Augen, Nase oder Mund keine Viren in die Schleimhäute gerieten. Weiter wird empfohlen, in die Armbeuge oder in ein Papiertaschentuch zu niesen oder zu husten und dieses in geschlossenen Abfalleimern zu entsorgen. Zudem soll man das Händeschütteln vermeiden und in der Öffentlichkeit Abstand zu anderen Menschen halten. Er rät von nicht zwingenden Besuchen in Spitälern sowie Alters- und Pflegeheimen ab, um ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, zu schützen. 

Auf www.nw.ch/coronavirus können sich die Nidwaldner über die neusten Entwicklungen und Verhaltensregeln informieren, was das Corona-Virus betrifft.

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