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NATIONALRAT: «Demokratie braucht richtige Wahl»

Zwei junge Nidwaldner wollen eine stille Wahl verhindern. Die geringen Chancen von Nationalratskandidat Andreas Fagetti sind für sie sekundär.
Wollen «richtige» Wahlen: Yves Hürlimann (links) und Gilles Rosset in der Stanser Schmiedgasse. (Bild: Florian Bachmann / WOZ)

Wollen «richtige» Wahlen: Yves Hürlimann (links) und Gilles Rosset in der Stanser Schmiedgasse. (Bild: Florian Bachmann / WOZ)

Matthias Piazza

«Ich finde es wichtig, dass man in einem demokratischen System Wahlmöglichkeiten hat. Ich finde es schade, dass die anderen Parteien nicht willens oder fähig waren, einen Gegenkandidaten zum amtierenden SVP-Nationalrat Peter Keller zu stellen», gibt sich Yves Hürlimann (20) frustriert über den nicht existierenden Nidwaldner Nationalrats-Wahlkampf. Gilles Rosset (21) sieht es ähnlich: «Ich bin ziemlich empört, dass die Bürger keine Auswahl haben. Eine stille Wahl ist keine richtige Wahl und einer Demokratie nicht würdig. Warum sind die Parteien so untätig? Haben Sie keine fähigen Kandidaten? Wir haben den Eindruck, dass sie viel über Politik reden, aber keine Politik machen wollen.»

Wie gerufen sei ihnen darum am Montag kurz vor Eingabeschluss die Anfrage aus dem Umfeld der linken Zürcher Wochenzeitung WOZ gekommen, die Wahl ihres Bundeshaus-Redaktors Andreas Fagetti zu unterstützen, indem sie mit den nötigen zwei Unterschriften die Voraussetzung für die Kandidatur schafften.

Sie wollen die Politik aufmischen

Nun haben die Nidwaldner also am 18. Oktober die Wahl, wen sie als einzigen Nidwaldner Nationalrat nach Bern schicken wollen, den amtierenden Peter Keller (SVP) oder Andreas Fagetti, hinter dem die Vereinigung «Demokratie ermöglichen» steht (siehe gestrige Ausgabe). Um politische Grabenkämpfe gehe es ihnen nicht. «Wir verstehen die Kandidatur eher als Weckruf, wollen damit ein Zeichen setzen, die politische Landschaft aufmischen», hält Yves Hürlimann fest. Für Gilles Rosset ist dies auch eine philosophische Frage. «Wie kann man als Bürger ohne richtige Wahl Verantwortung übernehmen?» Dass man mit der Kandidatur in letzter Minute Peter Keller, der sich wohl seiner Wiederwahl ziemlich sicher gewesen sei, einen Strich durchdie Rechnung gemacht habe, sei dabei eher Nebensache.

Besser ein Auswärtiger als keiner

Mit dem Zürcher Andreas Fagetti (Jahrgang 1960) kandidiert ein Auswärtiger, der den Kanton Nidwalden, den er ja in Bundesbern vertreten soll, laut eigenen Aussagen bisher nur von einer Schulreise und einem dreiwöchigen Einsatz als Monteur kennt. Das stört die beiden nicht. «Ein auswärtiger Gegenkandidat ist immer noch besser als gar keiner», ist für Gilles Rosset klar.

Allerdings knüpften die WOZ-Leute die Kandidatur an zwei Bedingungen. Sie verlangten, dass der auswärtige Gegenkandidat keiner Partei angehört und seine Kandidatur zurückzieht, sollte sich bis am Schluss noch jemand anderes für die Wahl zur Verfügung stellen, was auch der Grund gewesen sei, dass man mit der Kandidatur bis zur letzten Minute gewartet habe.

Sie selber fühlen sich als richtige Nidwaldner, auch wenn beide unter der Woche auswärts wohnen. «Ich fühle mich als stolzer Schmiedgässler», meint Gilles Rosset, der in Stans geboren und aufgewachsen ist und nun in Basel Philosophie und Germanistik studiert. Auch Yves Hürlimann sieht seinen Lebensmittelpunkt noch immer in Nidwalden, auch wenn er unter der Woche in Zürich wohnt und Rechtswissenschaften studiert.

Dass Fagettis Chancen wohl eher gering bis aussichtslos sind, dessen seien sie sich sehr wohl bewusst. Dies spiele aber nur eine untergeordnete Rolle im Kampf um die Verhinderung einer stillen Wahl, betonen die beiden Supporter Fagettis. «So verkommen die Wahlen nicht zur Farce. Eine Demokratie, wie sie die Schweiz und Nidwalden ja für sich in Anspruch nehmen, braucht eine richtige Wahl.»

Kritik bei der SVP Obwalden

Ähnliche Töne hatte Obwaldens SVP-Kantonalpräsident Albert Sigrist kürzlich an der Nominationsversammlung in Giswil angeschlagen: «Eine direkte Demokratie lebt von Wahl- und Abstimmungskämpfen.» Stille Wahlen und Absprachen seien fast schon «Politkorruption am Volk», worauf der als Gastredner eingeladene Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller meinte: «Was soll ich denn machen? Ich kann ja wohl nicht gegen mich selber antreten.»

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