Natur funktioniert auch im Kleinen

Im Garten von Bino Blättler in Hergiswil gibts fast alles – von den gängigen Beeren, Sträuchern und Gemüsen über das Judasohr bis zu indischen Laufenten.

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Albin Blättler in seinem Garten in Hergiswil. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Albin Blättler in seinem Garten in Hergiswil. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Bino (Albin) Blättler (68) liebt die Natur. Nicht die gekünstelte der Schnittblumen und Rasenflächen, sondern die unverfälschte Natur. In diesem Sinne gestaltet er, zusammen mit seiner Frau Yolanda, seinen rund 600 Quadratmeter grossen Garten mittlerweile seit über 21 Jahren. Der Garten befindet sich zwischen dem Bahntrassee und der Pilatusstrasse, gegenüber der Pension Rosenchalet. Die Arbeitsteilung ist klar geregelt: Yolanda Blättler ist für das Gemüse zuständig, den ganzen Rest besorgt ihr Mann.

Bino Blättlers ungekünsteltes Verhältnis zur Natur zeigt sich schon darin, dass das Wort «Unkraut» in seinem Vokabular nicht existiert. «Mein Ziel ist es, den Garten so naturnah wie möglich zu gestalten», sagt er. Konkret bedeutet dies, dass er zum Beispiel keine Chemie und keine Schneckenkörner einsetzt, dafür eigenen Kompost produziert. Das Schneckenproblem löst er auf natürliche Weise, indem er im Garten zwei indische Laufenten hält, zu deren Lieblingsspeisen die Nacktschnecken und deren Eier gehören. Natürlich dürfen da ein Entenhaus und ein Ententeich nicht fehlen.

Stundenlang beobachten

Die Liebe zum Natur- oder Ökogarten geht bei Bino und Yolanda Blättler aber noch weiter und zeigt sich in einem integrativen Ansatz zwischen Mensch und Natur. «Der Garten ist für uns nicht nur Arbeit, sondern auch Erholung», so Bino Blättler. Wenn er im Garten sei, könne er manchmal stundenlang nur beobachten, wo wieder ein neues Pflänzchen gedeihe, etwas Unbekanntes spriesse – oder wie sich die Enten verhalten. «Uns würde der Garten total fehlen, wenn wir ihn nicht hätten», sagt Bino Blättler. Manchmal verbringe er den ganzen Tag im Garten. Doch einen Sitzplatz mit Gartenhaus sucht man vergebens, denn es soll ja kein Schrebergarten oder Grillplatz sein. Vielmehr ein naturnaher Garten, der zur Erholung und Entspannung dient, aber auch Gemüse liefert und einen vielfältigen naturgemässen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bietet.

Bino Blättler ist fasziniert vom Wandel der Natur, vom Wechsel der Jahreszeiten, vom Entstehen und Vergehen von Pflanzen. Zwar bedeuten seine Eingriffe im Garten auch Veränderung, jedoch versucht er, diese im Einklang mit der Natur vorzunehmen und der natürlichen Entwicklung genügend Zeit zu lassen. Daher ist sein Garten kein «fertiger» Garten, sondern ein Entwicklungsprozess.

Der «Bänkli-Chef» des Dorfes

Korrekt würde Bino Blättler eigentlich «Albin» heissen, doch unter diesem Vornamen kennt ihn fast niemand. Bekannt ist er den Hergiswilern als sogenannter «Bänkli-Chef», das heisst als Verantwortlicher für die rund 60 Sitzbänke des Tourismusvereins in ganz Hergiswil. Diese gilt es zu kontrollieren, zu warten, zu reparieren, zu streichen, sodass Einheimische und Touristen immer auf einladende Sitzbänke im ganzen Dorf treffen. Wenn Bino Blättler durch seinen Garten führt, fällt auf, wie sich der ehemalige Schreiner und Küchenbauer in Botanik auskennt. Kaum eine Pflanze, die er nicht kennt, unter anderem Hibiskus, Sanddorn, Feuerbusch, Vogelbeerbaum, Holunder, Saibling, Judasohr (Pilz), verschiedene Tannen- und Fruchtbäume oder die Sumpfkrötenlilie, sein Lieblingsstrauch.

Bald duftet es nach Rosmarin und somit auch ein bisschen nach Sonntagsbraten. Womit wir beim Essen wären. Yolanda Blättler pflanzt fast alle gängigen Gemüse, so verschiedene Salate wie Endivie, Zuckerhut oder Kopfsalat, Blumenkohl, Fenchel, Rüebli, Rosenkohl, Mais, Gurken, Zucchetti, Auberginen, Peperoni, Tomaten, Krautstiel und Kartoffeln. «Während des Sommers sind wir beim Gemüse Selbstversorger», sagt Bino Blättler. Da aber zu viel anfällt, wird ein grosser Teil davon verschenkt.

Steigerung der Lebensqualität

Passanten interessieren sich oft für Bino Blättlers Garten und bleiben stehen. Was ihn dabei etwas ärgert: Es gibt einzelne Leute, die seinen Naturgarten als «Wildnis» oder «Urwald» bezeichnen. Zu Unrecht, wie er sagt. «Ziel meines Naturgartens ist, ein stabiles ökologisches Gleichgewicht zu schaffen.» Deshalb werde der Garten von natürlichen Gesetzmässigkeiten der Natur bestimmt. Wenn er dies den Leuten erkläre, würden sie oft staunen und seien interessiert. Der Blick für das ökologische Detail ist ihm wichtig, denn er ist überzeugt: «Natur funktioniert auch im Kleinen.» Und nicht nur dies: «Jeder Quadratmeter eines ökologisch bewirtschafteten Gartenflecks trägt in der Summe zur Steigerung der Lebensqualität auch für uns Menschen bei.».

Kurt Liembd

Die zwei indischen Laufenten sind für das Schneckenproblem zuständig. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die zwei indischen Laufenten sind für das Schneckenproblem zuständig. (Bild: Corinne Glanzmann)

Eine Sonnenblume im Garten von Albin Blättler. (Bild: Corinne Glanzmann)

Eine Sonnenblume im Garten von Albin Blättler. (Bild: Corinne Glanzmann)