NEPAL/NIDWALDEN: Jeder Rappen kommt bei den Opfern an

Unbeschadet hat ein Stanser Ehepaar im April das Erd­beben überstanden. Jetzt sind die beiden zurück in Nepal und helfen mit Spenden.

Philipp Unterschütz
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Buddhi (links) und Ruth Odermatt mit einem Mechaniker und seiner Familie vor deren zerstörtem Haus. (Bilder Walter Odermatt/PD)

Buddhi (links) und Ruth Odermatt mit einem Mechaniker und seiner Familie vor deren zerstörtem Haus. (Bilder Walter Odermatt/PD)

Philipp Unterschütz

Sie waren mittendrin, als das Erdbeben im April in Nepal unzählige Menschen tötete, verletzte oder zu Obdachlosen machte. Ruth und Walter Odermatt aus Stans, die seit März 2014 mit ihrem Wohnmobil durch die Welt reisen, hatten Glück. Ihnen ist nichts passiert, aber sie mussten vor ihrer geplanten zweimonatigen Rückkehr in die Schweiz Verwüstung und menschliche Tragödien miterleben. Auch wenn sie sich bewusst waren, dass bis dahin die Folgen der Naturkatastrophe nicht überwunden sein würden, hielten sie an ihrem Plan fest, im Juli zurückzukehren und weiter- zureisen.

Zuvor hatte das Ehepaar seine Erlebnisse in unserer Zeitung geschildert. Dies hat offensichtlich einiges ausgelöst. «Aufgrund des Berichts bekamen wir von Freunden einen namhaften Betrag mit der Bitte, dieses Geld direkt den betroffenen Leuten der Erdbebenkatastrophe in die Hand zu drücken, um ihnen beim Wiederaufbau zu helfen. Schlussendlich waren das über 7000 Dollar», schreiben Walter und Ruth Odermatt unserer Redaktion per E-Mail.

Ruth Odermatt (zweite von links) mit ìBuddhiî (links) dem Vertrauensmann der Odermatts, der Chef einer Garage in Kathmandu ist. Rechts von Ruth mit dem hellblauen Hemd ein Mechaniker von Buddhi mit seiner Familie. (Bild: Walter Odermatt)
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Hoch oben auf einem Felsvorsprung, die "Kye Gompa", das grösste buddhistische Kloster in der Bergwelt von Spiti in Nordindien, wohin Ruth und Walter Odermatt mittlerweile von Nepal aus weiter gereist sind. (Bild: Walter Odermatt)
Das Wohnmobil haben Ruth und Walter Odermatt nach ihrem 2-monatigen Heimaturlaub in der Schweiz unversehrt angetroffen. Es stand die ganze Zeit unter einem stabilen Blechdach in der Garage ihres Vertrauensmanns Buddhi. Hier an einem ihrer Übernachtungsplätze in der Bergwelt von Ladakh und Spiti in Nordindien, wohin sie mittlerweile von Nepal aus weiter gereist sind. (Bild: Walter Odermatt)
Ruth und Walter Odermatt in einer provisorischen Schule mit tibetischen Flüchtlingskindern. Odermatts haben die Patenschaft für zwei Kinder übernommen in der Hoffnung, dass sie eine bessere Zukunft bekommen. Das eigentliche Schulhaus wurde beim Erdbeben völlig zerstört. (Bild: Walter Odermatt)
Der erfreute Vorsteher des Dorfes etwa eine Stunde südlich von Kathmandu. Im Dorf, das von 8 Familien bewohnt ist, kam nur wenig Hilfe der Hilfswerke an. Ruth und Werner Odermatt spenden über 7000 Dollar, das nicht zuletzt aufgrund unseres ersten Artikels zusammengekommen ist, damit die Dorfbewohner ihre Häuser wieder aufbauen können. (Bild: Walter Odermatt)
Ruth Odermatt mit dem Vorsteher des Dorfes etwa eine Stunde südlich von Kathmandu. Im Dorf, das von 8 Familien bewohnt ist, kam nur wenig Hilfe der Hilfswerke an. Rechts sitzt "Buddhi" der Vertrauensmann der Odermatts. (Bild: Walter Odermatt)
Ruth und Walter Odermatt brachten gesammelte Kleider in ein Dorf etwa eine Stunde südlich von Kathmandu. Im Dorf, das von 8 Familien bewohnt ist, kam nur wenig Hilfe der Hilfswerke an. Rechts sitzt "Buddhi" und nimmt die Adressen der Familien auf. (Bild: Walter Odermatt)
Bild: Walter Odermatt
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Ruth Odermatt (zweite von links) mit ìBuddhiî (links) dem Vertrauensmann der Odermatts, der Chef einer Garage in Kathmandu ist. Rechts von Ruth mit dem hellblauen Hemd ein Mechaniker von Buddhi mit seiner Familie. (Bild: Walter Odermatt)

Wie erwartet, hätten sie nach ihrer Ankunft in Kathmandu feststellen müssen, dass sich in der Zwischenzeit nicht viel getan hatte. «Punktuell ist die Stadt ein einziges Trümmerfeld. Mittendrin ist die asphaltierte Strasse aufgerissen wie nach einem Bombenangriff. Auf jeder freien Fläche stehen Zelte, wo die obdachlosen Erdbebenopfer eine einstweilige Bleibe gefunden haben», beschreiben sie die Situation vor Ort.

Lebensgefahr bei Stippvisite

Mit einem Vertrauensmann in Kathmandu diskutierten sie, wie sie ihre Spendengelder am nachhaltigsten einsetzen könnten. «Wir entschieden uns, ein kleines Dorf mit acht Familien zu unterstützen, das etwa eine Stunde südlich von Kathmandu an einem Berghang liegt.» Zusammen mit Buddhi, ihrem Vertrauensmann, und einem Dorfbewohner fuhren sie hin, um sich selbst ein Bild zu machen. «Und tatsächlich, jedes der acht Häuser war stark beschädigt oder total vom Erdbeben zerstört. Die ganze Dorfgemeinschaft lebt in provisorisch eingerichteten Zelten. Das Betreten der baufälligen Häuser war lebensgefährlich.» Der Dorfälteste erzählte, dass man zwar vom Roten Kreuz Zeltblachen und Reis bekommen hätte, aber kein Geld für einen Wiederaufbau (siehe auch Kasten). Dafür reiche der eigene kärgliche Verdienst nicht aus, es sei gerade genug da, um zu überleben. Ruth und Walter Odermatt waren überzeugt, dass hier das Geld aus der Schweiz richtig eingesetzt ist.

Als Erstes verteilten sie die mitgebrachten Kleider unter den Betroffenen. Beim Geld entschieden sie sich für eine tranchenweise Auszahlung. Jede Familie erhielt als Starthilfe umgerechnet 300 Dollar, was total 2400 Dollar ergibt. «Wir haben abgemacht, dass wir später Bilder per Mail bekommen, die den Fortschritt beim Wiederaufbau dokumentieren. Buddhi, der auch das restliche Geld verwaltet, wird daraufhin im Dorf einen Augenschein nehmen und das Ganze kontrollieren. Wenn alles so ist, wie besprochen, sollte die nächste Tranche von 2400 Dollar ausbezahlt werden und später nach dem gleichen Prozedere der Restbetrag», erklären Ruth und Walter Odermatt das weitere Vorgehen.

Idee scheint sich zu bewähren

«Wir glauben, das ist der richtige Weg, und die gespendeten Gelder sind sinnvoll und nachhaltig angelegt. Auf jeden Fall kommt jeder Rappen direkt den Opfern zugute», schreibt das Stanser Ehepaar und schickt den Spendern in der Schweiz auch ein riesiges Dankeschön von den Dorfbewohnern. Die Leute im Dorf seien natürlich überglücklich, dass ausgerechnet sie in den Genuss dieser Aufbauhilfe gekommen sind. Damit hätten sie nie gerechnet.

Mittlerweile sei von Buddhi ein Mail gekommen, nachdem er das Dorf erneut besucht habe. Die Fotos zeigten, dass die Leute mit dem Wiederaufbau begonnen und Baumaterial gekauft hätten. «So wie es aussieht, können wir in Kürze einen weiteren Betrag auszahlen. Die Idee mit der Nachhaltigkeit scheint aufgegangen zu sein», freuen sich die beiden.

Patenschaft für zwei Kinder

Und ein weiteres Engagement sind Ruth und Walter Odermatt eingegangen. Sie haben beim Hilfswerk Snow Lion Foundation die Patenschaft für zwei Kinder in einer Schule in Kathmandu übernommen. Das Hilfswerk beschäftigt sich hauptsächlich mit der Ausbildung von tibetischen Flüchtlingskindern. Die Organisation vermittelt Patenschaften, damit sich die Eltern nicht mehr Sorgen über die Begleichung des Schulgeldes machen müssen.

Mittlerweile sind Ruth und Walter Odermatt weitergezogen. Vor einigen Tagen haben sie Nepal mit ihrem Wohnmobil verlassen und bereisen nun Nordindien.

Mehr Eindrücke aus dem Krisengebiet in Nepal unter www.nidwaldnerzeitung.ch/bilder

Weitere Reiseberichte unter www.reisevirus.info