Netzwerk als Trumpf

Oliver Mattmann über die nationalen Wahlen in Nidwalden.

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Nur die Statistik betrachtend, ist die Niederlage der CVP tatsächlich historisch. Nach 167 Jahren muss sie den Ständeratssitz erstmals an die FDP abtreten. Dennoch wäre die Überraschung um einiges grösser ausgefallen, hätte nicht Hans Wicki für die Liberalen die Kastanien aus dem Feuer holen können. Mit Therese Rotzer stand ihm zwar die CVP-Kantonalparteipräsidentin gegenüber, doch diese verfügt über einen bedeutend kleineren Leistungsausweis als der ehemalige Gemeindepräsident von Hergiswil und aktuelle Baudirektor.

Der neue Ständerat fühlt sich den liberalen Werten verpflichtet, ist ein Vertreter des Wirtschaftslagers. Die Frage wird sein, ob er dieses Korsett in Bern abstreifen und auch für Anliegen aus seinem Kanton einstehen kann, die aus einer anderen Ecke kommen. Der Noch-Regierungsrat macht keinen Hehl aus seiner Geradlinigkeit, betont aber auch seine Kompromissfähigkeit. Diese wird im 46-köpfigen Ständerat noch stärker vonnöten sein als in seinen bisherigen Ämtern – und dürfte für Wicki, der von politischen Mitstreitern zuweilen als Alphatier bezeichnet wird, zu einer persönlichen Herausforderung werden.

Umgekehrt verfügt Hans Wicki über eine Ausstrahlung, die es gerade in Bern braucht, um andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Sein breites Netzwerk wird dem nur förderlich sein. Heldentaten für Nidwalden, etwa beim nationalen Finanzausgleich, können aber auch von ihm nicht erwartet werden. Und dennoch wird er in spätestens vier Jahren an seinem eigenen Wahlslogan gemessen werden: «Weil Leistung zählt.»

Oliver Mattmann, Neue Nidwaldner Zeitung