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«Schwarze Spinne» bedroht Ennetmooser Bauern

Während eines Schwingfests befreien in Ennetmoos 14 Theaterleute Jeremias Gotthelfs berüchtigte «Schwarze Spinne». Die Bedrohung jedoch, die von ihr ausgeht, gilt der Landwirtschaft im Hier und Jetzt.
Romano Cuonz
Pächter Ernst Amrhein (v.l.) im Gespräch mit Autor Christoph Fellmann, seiner Frau Elsbeth Amrhein und alt Gemeindepräsident Peter Scheuber. (Bild: Romano Cuonz (Ennetmoos, 27. April 2019))

Pächter Ernst Amrhein (v.l.) im Gespräch mit Autor Christoph Fellmann, seiner Frau Elsbeth Amrhein und alt Gemeindepräsident Peter Scheuber. (Bild: Romano Cuonz (Ennetmoos, 27. April 2019))

Im historischen Sägemehlring auf dem Allweg geht es wieder einmal deftig zu und her. Doch die «Bösen» im Ring sind für einmal Schauspieler, denen der legendäre Kobi Niederberger einige flotte Schwünge beigebracht hat. «Aber, was zum Teufel wird denn da in unserer traditionellen, bäuerlichen Welt gespielt?», fragen ein paar Ennetmooser, die gerade vorbeispazieren und dem wilden Treiben zugucken.

Ja, um den Teufel geht’s! Der erscheint den Schwingern und Bauern in der Gestalt eines Jägers. Und er verlangt nicht weniger, als er es schon 1842 in der berühmten Novelle «Die schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf tat: ein ungetauftes Kind! Nur um einen so hohen Preis will er den Bauern aus ihren Nöten helfen. Dass das Volk den Teufel später um seinen Lohn prellt, zieht in der alten Sage schlimme Folgen nach sich: Bauern samt ihren Höfen werden von schwarzen Spinnen dahingerafft und zerstört.

Geschichte vom Bauernsterben

«Gotthelfs ‹Schwarze Spinne› ist eine tolle Geschichte mit Wucht, Kraft und erzählerischer Dringlichkeit», sagt Autor Christoph Fellmann. Schade nur, dass sie auf der Bühne und im Film schon hundertfach abgespielt sei. Doch ein Aspekt, der ihn selber interessiere, sei bislang kaum beachtet worden. Nämlich, dass das unbeeinflussbare Schicksal, das die Bauern zu einem Bund mit dem Teufel bewegte, auch im Hier und Jetzt walten könnte. Etwa als unaufhaltbares Bauernsterben, verursacht durch Klimaveränderung und Globalisierung der Märkte. Oder auch durch den gesellschaftlichen Wandel mit neuen Familienbildern und mit unsicheren Perspektiven für Nachfolgeregelungen auf den Höfen.

«Die Regisseurin Ursula Hildebrand und ich hatten die Idee, die alte Geschichte unter diesem Aspekt neu zu bearbeiten und zu erzählen», sagt Christoph Fellmann. Anstelle der berühmten Kindstaufe stehe ein Schwingfest in schönsten Farben und Klängen, mit Fahnen und Jodelliedern. «Doch nichts, was da erzählt wird, ist erfunden, alles ist in der Realität irgendwo recherchiert und dokumentarisch belegt», beteuert der Autor.

Hoch erfreut sind die Initianten, wie kooperativ die einheimischen Bauern auf ihr Vorhaben reagieren. Die Familie Ernst und Elsbeth Amrhein mit ihren vier Kindern etwa bewirtschaften das Heimet «Ober Hinterbach» hoch über dem Allweg. «Wir haben den historischen Platz beim Schlachtfeld seit Generationen in Pacht», sagt Bauer Amrhein. Und: Es werde auch weitergehen. Jedem Bauernsterben zum Trotz. «Unser Sohn Billy, der eine Maurerlehre gemacht hat, absolviert zurzeit noch die Schule als Landwirt», bemerkt Amrhein stolz. Doch wisse er nur zu gut, dass das Thema des Stücks nicht aus der Luft gegriffen sei. «Unsere oft steilen Höfe sind arbeitsintensiv, die vielen Konflikte lassen sich in Zukunft kaum mehr bremsen», stellt er fest. Und: «Der Druck auf Landwirte ist beinahe schon brutal.» Ohne seine überall mitarbeitende Frau könnte er den Betrieb nicht führen. Elsbeth Amrhein selber meint: «Dieses wohl eher düstere Theaterstück kenne ich nicht, aber ich weiss, wie sehr sich eine Bäuerin heute einbringen muss, damit man einen Betrieb überhaupt führen kann.» Die Theateraufführung wollen Amrheins unterstützen. «Heute gibt es leider oft auch kritische Stimmen gegenüber uns Bauern, vielleicht sorgt so ein Stück auch für Verständnis», begründet Ernst Amrhein. Man könne mit einer positiven Haltung bei der Bevölkerung Goodwill schaffen.

Existenzkampf auch in Ennetmoos bekannt

«Der Ennetmooser Gemeinderat unterstützte das Vorhaben der Theaterleute vom ersten Moment an mit Freuden», sagt Anwohner Peter Scheuber. Der frühere Landwirt war während 16 Jahren selber Gemeindepräsident im Dorf. Er unterstützt das Theater als Beirat und Platzwart. «Der Existenzkampf der Landwirte ist leider auch in unserer Gemeinde bekannt.» Freude macht ihm, dass die Bevölkerung rund um den Spielort der Grossproduktion so positiv gegenübersteht. «Wir haben bislang noch keine negative Stimme gehört», erklärt er.

Freilichtspiel auf dem Schwingplatz Allweg Ennetmoos von Christoph Fellmann unter der Regie von Ursula Hildebrand. Vom 24. Mai bis zum 29. Juni. Mehr Infos hier

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