Neuer Trainer für die Stanser Seilzieher

Der Seilziehclub Stans-Oberdorf steht neu unter den Fittichen des 25-jährigen Samuel Gräni.

Ruedi Wechsler
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Samuel Gräni (links) übernimmt das Traineramt von Vorgänger Bruno Vogler.

Samuel Gräni (links) übernimmt das Traineramt von Vorgänger Bruno Vogler.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans, 31.3.2020)

Es ist ruhig geworden auf der Sportanlage Eichli in Stans. Nur vereinzelte Sportler und Fussgänger verirren sich auf der Anlage. Im Clublokal des Tug of War Stans-Oberdorf aber prangt eine grosse Trophäen- Pokal- und Medaillensammlung: In den letzten 35 Jahren feierte der Nidwaldner Seilziehverein unzählige Triumphe.

Mit für diese Erfolge verantwortlich ist der abtretende Trainer Bruno Vogler aus Buochs. Nach mehr als drei Jahrzehnten in diesem Verein übergibt er nun das Traineramt an einen jüngeren Nachfolger. Als Aktiver und Coach gewann er von 1986 bis 2019 sagenhafte 36 internationale Medaillen. Dazu zählen drei World Games, neun Weltmeister- und sechs Europameistertitel. An den Schweizer Meisterschaften in den Kategorien U19, U23, Mixed und Eliteteams kamen etliche Titel dazu.

«Ich wollte den Verein auf gute Beine stellen»

Nach ersten Jahren als Trainer bei Stans-Oberdorf übernahm der Automatik Fachmann von 2003 bis 2010 den Seilziehclub Sins (AG) und zugleich die Schweizer Nationalmannschaft. Drei Jahre später folgte die Rückkehr zu seinem Herzensvereins Stans-Oberdorf. «Ich wollte den Verein auf gute und seriöse Beine stellen und mit mindestens 30 Athleten in allen Kategorien erfolgreich sein», sagte Vogler. Zuletzt trainierte er das U23-Team und spürte schon bald, dass mit Samuel Gräni aus dieser Mannschaft ein Juwel und möglicher Nachfolger heranwächst. «Er ist sehr ehrgeizig und zeigte schon in jungen Jahren Leadership», schwärmte der Vorgänger. «Seine Stärken sind positives Denken, die Ausdauer und die Motivation», schob der patentierte Skilehrer nach.

Der Nachfolger Samuel Gräni ist in Oberrickenbach aufgewachsen und Gipser-Vorarbeiter. Als Oberstufenschüler ist er 2011 dem Verein beigetreten – da gab es nur noch wenige Aktive im Verein, vorwiegend in der Eliteklasse. Bereits ein Jahr später stand Gräni in der U19-Nationalmannschaft und feierte 2013 den ersten WM-Titel. Weitere vier WM-Goldmedaillen kamen in den folgenden Jahren mit der U23 dazu. Ab 2018 folgte der Aufstieg in die Königsklasse (640 Kilogramm).

Die Weltmeisterschaften in Sursee sind das neue Ziel

Samuel Gräni wird als Trainer weiterhin aktiv ziehen. Unterstützt wird er von Armin Burch und Jessica Beerli. Beerli stellt die Trainingspläne zusammen und mit Armin Burch setzt Gräni sie in drei wöchentlichen Trainings um. Das grosse Ziel des Vereins ist nun die WM in Sursee im Jahr 2022.

Die Coronakrise nötigte den Zentralvorstand, den Trainingsbetrieb Anfang März sofort einzustellen. Vogler und Gräni befürchten, dass bis zu den Sommerferien alle Wettkämpfe ausfallen. Davon betroffen sind das Turnier in Mosnang und die WM in Bilbao. Bruno Vogler vermutet, dass sich der Zentralvorstand für eine verkürzte Herbstmeisterschaft entscheiden werde. Samuel Gräni, seit letztem Herbst erfolgreich auf Medaillien-Jagd, organisierte über Ostern das Trainingslager an der Costa Brava. Er hoffe, dass der bereits bezahlte Betrag rückerstattet werde. Auf die Haupteinnahmequelle des Vereinsjahres am Pfingstturnier müsse der Verein ausserdem verzichten, ergänzte Bruno Vogler. Genügend Reserven federn diesen herben finanziellen Verlust etwas ab.

Der Virus trifft auch die beiden Seilzieher

Die beiden hoffen, dass sich die Bevölkerung an die Vorgaben halte und der Bund die Versprechen so erfüllen könne. Sorge bereiten Vogler und Gräni die Wirtschaft und vor allem auch die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung. Grosse Mühe hätte Samuel Gräni, wenn seinen Grosseltern wegen des Virus etwas zustossen würde.

«Es muss ein Umdenken stattfinden. Man soll den einheimischen Produkten vertrauen und weniger importieren», sagte er. Zudem müsse beim Konsum vermehrt auf die Schweizer Bauern gesetzt werden. Bruno Vogler appelliert an die Bevölkerung, dass wieder vermehrt auf die Qualität der Produkte geachtet werden müsse. «Unsere Gesellschaft will Alles – aber trotzdem nur das Billigste. Den Online-Handel muss man eindämmen und vermehrt die einheimischen Geschäfte berücksichtigen», wünscht sich der langjährige Seilzieher.