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Kolumne

Neulich am Futtertrog

Christian Hug schreibt in seinem «Ich meinti» über unliebsame Erfahrungen mit Billig-Food.
Christian Hug
Kolumnist Christian Hug.

Kolumnist Christian Hug.

Fragen Sie nicht, wie es so weit gekommen ist. Aber letzte Woche war ich in einer Ikea. Also im Ikea-Restaurant. Und dort habe ich, weil ich halt schon mal dort war, diese Ikea-typischen Fleischbällchen gegessen, Köttbullar heissen die. Es gab Kartoffelstock mit Schlabbersauce dazu und verkochte Erbsli im Glas. Kostete inklusive Getränk nur ein paar Franken.

Es war fürchterlich. Es war richtig grauenhaft. Alles schmeckte nach nichts, wahrscheinlich hat nasser Karton mehr Aroma. Und alles war schrecklich pampig. In meinem Teller lag Zeugs, das nur so tat, als wäre es Essen.

Nun gut. Ich will nicht jammern. Ich wusste ja, wo ich war, nämlich in der Ikea, und da sind die Menüs noch billiger als die Möbel. Was mich hingegen verblüffte, war, dass das schmucklose Restaurant bis auf den letzten Platz besetzt war. Eine riesige Kantine voll von Billig-Essern. Und komischerweise zeigte kein einziger irgendwelche Anzeichen von Heiterkeit. Niemand freute sich über das Futter-Schnäppchen. Kein Wunder, dachte ich mir, denen ist die Pampe wahrscheinlich genauso im Hals stecken geblieben wir mir.

Die Fleischbällchen stiessen mir noch am nächsten Morgen unangenehm auf, als ich in der Migros einkaufen war. Aber dann kam alles noch schlimmer. In der Fischauslage entdeckte ich, ganz neu im Angebot: Budget-Sushi! Ja, genau: Budget-Sushi. Also Billig-Thuna aus der Dose und Billig-Gemüse in Billig-Reis eingerollt, dazu ein paar billige Edamame-Bohnen, Billig-Wasabi und Salz statt Sojasauce. Frischer Fisch spielt übrigens nicht mit, eingelegter Ingwer fehlt auch. Das ist etwa so weit von einem echten Sushi entfernt wie eine Garette von einem Porsche.

Ist das nicht erstaunlich? Da reden jetzt alle von gesundem Essen, von Bio und Tierwürde, von Fair Food und Terroir und Handgemacht, Kochshows im Fernsehen, Foodblogs im Netz und Kochbücher in der Buchhandlung sind der Renner – und jetzt kommt die Migros mit Budget-Sushi im 400-Gramm-Pack für 9 Franken 90? Da kann ich ja genauso gut nochmals ins Ikea-Restaurant.

Also echt, danke, aber nein: So was kommt mir nicht auf den Teller. Ich esse keine Reis-Rugili, die so tun, als wären sie Sushi. Und ich esse auch nie wieder Ikea-Chugili, die so tun, als wären sie Fleischbällchen. Wenn ich esse, dann will ich echtes Essen. Weil es für mich selbstverständlich ist, dass man sich achtsam ernährt. Manchmal beschleicht mich allerdings das ungute Gefühl, dass auch der ganze Bio- und Gesund-Trend nur so tut, als wäre er ein Trend. Weil wir nämlich kürzlich über die Fair-Food-Initiative abgestimmt haben, und da lag die Stimmbeteiligung gerade mal bei 37 Prozent. Das bedeutet: Zweien von drei Abstimmungsberechtigten ist es völlig wurscht, was sie essen. Das ist deprimierend.

Diese schweigende Mehrheit kann man übrigens ganz leicht erkennen: Sie strahlen keine Freude aus, wenn sie am Tisch sitzen.

Christian Hug, Journalist aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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