Nicht gesehen werden, kann auf der Strasse tödlich enden 

Sehen und gesehen werden lautet die Devise im Strassenverkehr. Die Verkehrspolizei Nidwalden setzt auf Prävention. In Stans gibt es dazu einen Infoanlass.

Marion Wannemacher
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Unfälle sind oft auch die Folge von schlechter Sicht oder schlechter Sichtbarkeit. (Bild Adrian Venetz)

Unfälle sind oft auch die Folge von schlechter Sicht oder schlechter Sichtbarkeit. (Bild Adrian Venetz)

«Nein, eigentlich ist da keine Tendenz zum einsichtigeren Verhalten», ist sich Pius Bernasconi, der stellvertretende Leiter der Verkehrs- und Sicherheitspolizei Nidwalden, bewusst. Es geht um das Verhalten von Verkehrsteilnehmern in der Dunkelheit und Dämmerung. Dunkle Kleidung, mangelhaftes Licht am Velo – wer nicht gesehen wird, wird übersehen und das kann im Strassenverkehr tödlich enden.

Zwar habe es in diesem Jahr noch keinen Unfall gegeben, bei dem ein Verkehrsteilnehmer zu Schaden kam, weil er nicht wahrgenommen wurde. Die Verkehrspolizei in Nidwalden nimmt das Thema trotzdem sehr ernst. Sie unterstützt heute, Samstag, eine Verkehrssicherheits-Aktion des TCS im Länderpark (siehe Kasten).

Aktion für die Familie zur Verkehrssicherheit

(mw) Der TCS, Sektion Waldstätte, die Nidwaldner Polizei, die Samariter Nidwalden, Les Routiers Suisse und SportXX von Migros führen diesen Samstag von 8 bis 18 Uhr einen Familientag durch. Dabei geht es vor allem ums Thema Verkehrssicherheit. Unter anderem können Kinder an einem Kickboard-Sicherheitskurs teilnehmen. Bei einem virtuellen Reality-Game geht es darum, auf spielerische Weise mehr über den Einfluss des ökologischen und ökonomischen Fahrens zu erfahren. Wer richtig schaltet und beschleunigt, spart Sprit. Die Samariter klären über lebensrettende Massnahmen am Unfallort auf. Bei der Polizei kann man mit einer 3D-Brille die Perspektive eines Schulkindes testen oder sich Tipps holen zum Thema Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit. Ausserdem werden Leuchtbänder verteilt. 


Ansonsten führt die Nidwaldner Verkehrspolizei mehrere präventive Beleuchtungskontrollen bei Zweirädern in verschiedenen Gemeinden durch. Rund zehn Prozent der Velos, Töffli und Töffs seien nur ungenügend beleuchtet, schätzt Bernasconi. Wer in einer Präventionsaktion auffällt, kommt mit einer Verwarnung davon, wer dagegen in einer Kontrolle erwischt wird, handelt sich eine Busse ein: Innerorts auf beleuchteten Strassen kostet diese 40, ausserorts auf unbeleuchteten Strassen 60 Franken.

Ausserdem darf er sein Vehikel nicht mehr fahren. «Viele Zweiradlenker haben das Gefühl, das seien Schikanen, aber sie sehen die Gefahr hinter ihrem Verhalten nicht», so der stellvertretende Leiter der Verkehrs und Sicherheitspolizei.

Wer nicht Auto fahre, könne sich nicht vorstellen, wie leicht man übersehen werden, so Bernasconi. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) weist darauf hin, dass Personen in dunkler Kleidung erst ab einer Distanz von 25 Metern wahr genommen werden, mit heller Kleidung auf einer Distanz von 40 Metern und mit reflektierenden Kleidern sogar ab einer Distanz von 140 Metern. Vor allem ältere Menschen trügen eher dunklere Kleidung, bemängelt Pius Bernasconi und erinnert sich in diesem Zusammenhang an einen tragischen Verkehrsunfall mit einem Senioren vor vielen Jahren, der in der Vorweihnachtszeit im Schützenhaus Ennetbürgen einen Anlass besucht hatte und beim Überqueren der Stanserstrasse überfahren wurde.

Sachsler Erfindung für die Sicherheit

Was Autofahrer anbelangt, seien diese gehalten, für gute Sicht und Beleuchtung ihres Autos zu sorgen. «Einfach nur ein Guckloch auf der vereisten Windschutzscheibe freizukratzen reicht nicht», sagt Pius Bernasconi. Ein der Witterung entsprechendes Tempo versteht sich von selbst.

Generell raten Verkehrssicherheitsexperten zu heller Kleidung mit lichtreflektierenden Materialien, mindestens aber lichtreflektierenden Elementen an Hand- und Fussgelenken. Eine Leuchtweste erhöht die Sichtbarkeit zusätzlich. Ebenfalls wichtig: der Verkehrsteilnehmer muss von allen Seiten, also auch von hinten gut zu sehen sein. Beim Velo sind Beleuchtung sowie Reflektoren vorne (weiss) und hinten (rot) vorgeschrieben. Laut einer neuen Verordnung müssen nun auch fahrzeugähnliche Geräte wie Trottinetts oder Kickboards so beleuchtet werden.

Seit dem Jahr 2012 lässt die Sachsler Unternehmerin Anita Herzig reflektierende Lichtbänder, die man diagonal über dem Oberkörper anlegen kann, produzieren. 5000 dieser Bänder habe sie seitdem vor allem via Internet verkauft, teilt sie auf Anfrage mit.

Zahlreiche Leuchtaccessoires gebe es auf dem Markt, betont Anita Micanovic vom TCS: reflektierende Kappen, Schirme, Schals oder Buttons. Der tierliebende Hundehalter rüstet natürlich auch seinen vierbeinigen Begleiter mit Leuchthalsband oder Leuchtweste aus.