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NID-/OBWALDEN: Am Lopper entsteht bald eine Grossbaustelle

161 Millionen Franken werden bis 2023 am Lopper und zwischen Hergiswil und Horw in Autobahn und Kantonsstrasse investiert. Wir zeigen auf, warum, was geplant ist, und was das für Auto- und Velofahrer heisst.
Markus von Rotz
Kantonsstrasse in Hergiswil mit Viadukt am Lopper. (Bild: Corinne Glanzmann (Hergiswil, 10. Januar 2018))

Kantonsstrasse in Hergiswil mit Viadukt am Lopper. (Bild: Corinne Glanzmann (Hergiswil, 10. Januar 2018))

Markus von Rotz

markus.vonrotz@nidwaldnerzeitung.ch

Diesen Monat fahren die ersten Baumaschinen im Bereich des Lopperviadukts in Hergiswil auf. Am Ende der fünfjährigen Bauzeit sollten die Kantonsstrasse Stansstad–Hergiswil und die A2 bei Hergiswil wieder auf dem neuesten Stand sein. Und Obwaldner Autofahrer in Zeiten grosser Verkehrsüberlastung somit eine «eigene Einfahrt» nach dem Loppertunnel auf die Autobahn haben – auf dem umfunktionierten Pannenstreifen.

Gibt es Verkehrseinschränkungen in der Bauzeit zwischen Lopper und Einfahrt Hergiswil?

Auf diesem Abschnitt werden die Arbeiten weitgehend tagsüber ausgeführt. Für das Einrichten der Verkehrsführung ist punktuell Nachtarbeit vorgesehen. Im Juni 2019 sind für den Einbau des Deckbelages auf der Kantonsstrasse Nachtsperrungen geplant. Die Abklärungen, nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen bei der Sanierung der Achereggbrücke, ergaben, dass die Verkehrsströme ohne grössere Behinderungen abgewickelt werden können. Die Absprachen mit Kantonspolizei und Verkehrsdiensten sind erfolgt, sodass bei besonderen Feststellungen rasch reagiert werden kann.

Auch die Lopperstrasse mit Autobahnviadukt zwischen Stansstad und Hergiswil wird saniert. Wie wird der Verkehr auf der Lopper­strasse geregelt? Ist da kein Verkehrschaos zu erwarten?

Der Verkehr von Hergiswil nach Stansstad wird weiter auf der Seestrasse geführt. Zwischen Hergiswil und der A2-Auffahrt Reigel­dossen wird ein Einbahnsystem eingerichtet. Der Verkehr in Richtung Hergiswil wird ab Reigeldossen über die Lopperviadukte und die Ausfahrtsrampe Hergiswil geführt. Zwischen Kreisel Acheregg und der Einfahrt Reigeldossen wird der Verkehr abschnittsweise mit Lichtsignal geregelt. In diesem Abschnitt ist mit Wartezeiten zu rechnen. In diesem Abschnitt dürfen auch Traktoren und andere Fahrzeuge ohne Vignette die «Autobahn» benützen, die dort als Hauptstrasse signalisiert sein wird. Für den Langsamverkehr (Fussgänger, Velos und Töffli) wird die Durchfahrt auf dem Velo-/Gehweg entlang dem See offen gehalten. Hier ist punktuell mit Behinderungen zu rechnen.

Wir erinnern uns an eine grosse Sanierung, die 2011 zu Ende ging: Steinschlagschutz oberhalb der Kantonsstrasse, Sanierung des Viadukts und des kurzen Tunnels in Richtung Hergiswil. Warum sind jetzt schon wieder 40 Millionen Franken nötig?

2009 bis 2012 wurden an der Loppernordseite Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren, insbesondere Steinschlag, erneuert und verstärkt. Diese waren mit grossen finanziellen Aufwendungen und massiven Verkehrsbehinderungen verbunden. Sie sind aber auch Voraussetzung, dass die nach einer Betriebsdauer von mehr als 50 Jahren erforderlichen Instandsetzungsarbeiten an den Kunstbauten durchgeführt werden können. Aufgrund der Priorisierung der finanziellen Mittel mussten diese jetzt geplanten Instandsetzungsarbeiten um einige Jahre aufgeschoben werden.

Zwischen Bootshafen Hergiswil und Stansstad ist ein beliebter Tauchplatz. Wie steht es um diesen?

Als Folge der Baustelle kann der Tauchplatz Reigeldossen von Mitte Januar 2018 bis Frühjahr 2019 nur eingeschränkt benutzt werden. Der Parkplatz bei der Rampe ist aus Platzgründen gesperrt. Während der Arbeiten an den Galerien ist punktuell aus Sicherheitsgründen ein Tauchverbot nötig.

Eine andere grosse Baustelle gibt es ab 2020 in Hergiswil. Dort wird unter anderem der Pannenstreifen in eine temporäre dritte Spur Richtung Luzern umgebaut. Warum das?

Damit will das Bundesamt für Strassen (Astra) die Verkehrsüberlastung senken. Das soll den Verkehr verflüssigen, für mehr Sicherheit sorgen und die Umweltbelastung reduzieren. Das Astra geht davon aus, dass bis 2030 rund 400 Kilometer des Autobahnnetzes regelmässig überlastet sein werden.

Wo gibt es schon so ein Modell Pannenstreifen und wie geht das?

Der Abschnitt Morges–Ecublens auf der A1 am Genfersee wurde 2010 als Pilotversuch in Betrieb genommen. In Spitzenzeiten wird der Pannenstreifen mit Ampeln für den Verkehr freigegeben. Für Pannenfahrzeuge gibt es Nothaltebuchten. Die ausgezogene Linie des Pannenstreifens darf zum Überholen überfahren werden, wenn der für den Verkehr freigegeben ist, das Rechtsüberholen ist aber verboten. Ein weiteres Projekt besteht auf der A6 zwischen Wankdorf und Muri. Damit will man verhindern, dass Fahrzeuge, welche sich am Morgen auf dem Ostring stauen, noch andere A6-Spuren verstopfen oder in Quartiere ausweichen.

Wie sehen die ersten Erfahrungen mit der Pilotstrecke Ecublens aus?

Laut Astra wurde der Verkehrsfluss bereits im ersten Jahr erheblich besser, bei freigegebenen Pannenstreifen gab es keine Staus mehr. Die Unfallrate sank. Schliesslich konnte man den Schadstoffausstoss in Strassennähe um einen Fünftel senken. Bis 2020 sollen rund 125 Kilometer Pannenstreifen umgenutzt werden. Pläne gibt es auch in Winterthur sowie mittel- und längerfristig in Genf, Lausanne, Aargau-Solothurn, Basel und am Zürichsee.

Gibt es Fälle, wo eine solche Umnutzung nicht funktioniert?

Pannenstreifen müssen breit genug sein und dürfen nicht auf Brücken oder in Tunneln verlaufen. Es sind auch temporär tiefere Höchstgeschwindigkeiten vorgesehen. Die aktuelle Forschung zeigt gemäss Bund, dass ein Autobahnabschnitt bei 85 Stundenkilometern die maximale Kapazität erreicht. Die so gewonnene Erhöhung der Kapazität «reicht in vielen Fällen aus, um Staus zeitlich zu verzögern und abzuschwächen», so das Astra.

Was bedeuten diese Bauarbeiten rund um den Pannenstreifen in Hergiswil für die Autofahrer?

In der Galerie werden in Fahrtrichtung Süden eine Lastwagen- und zwei schmalere Autospuren markiert. Die Geschwindigkeit wird auf 60 km/h reduziert. Hier verkehren Autos in beide Richtungen und Lastwagen in Richtung Süden. Die Lastwagen in Richtung Norden fahren in der Bauzeit auf einer Spur ausserhalb der Galerie.

Wie weit wird der Pannenstreifen als dritte Spur genau verlängert?

Von der Einfahrt der A8 auf die A2 in Richtung Luzern bis vor der Einfahrt Hergiswil. Die Fahrbahn in Richtung Norden wird dafür um 1,5 Meter verbreitert, um genug Platz zu haben.

Warum gibt es nicht auch für den vielen Verkehr auf der A2 in Richtung Süden einen dritten Streifen?

Der Kanton Nidwalden hatte im Zusammenhang mit dem Bypass in Luzern einen dritten Fahrstreifen auch in Richtung Süden verlangt, drang damit aber nicht durch. «Eine rein markierungstechnische Lösung ist nicht möglich und die bauliche Lösung nur mit hohen Investitionskosten umsetzbar», schreibt der Bund dazu. Laut Nidwaldner Regierung ergaben Auswertungen des Bundesamtes für Raumentwicklung schon 2002, dass bereits bei einem tiefen Szenario von 24 Prozent mehr Verkehr zwischen 2000 und 2020 der Abschnitt Horw–Lopper über der Kapazitätsgrenze und damit in der ersten Prioritätsstufe liege. Für den sechsstreifigen Ausbau zwischen Luzern und Horw geht man von Zusatzkosten von 185 Millionen Franken aus. Für dasselbe zwischen Hergiswil Nord und Lopper wären 250 Millionen nötig. Der Bund erachtet in diesem Fall das Kosten-Nutzen-Verhältnis als «deutlich ungenügend».

Aber im Tunnel Spier gibt es neu drei Spuren?

Die Ummarkierung auf je drei Spuren ist für die gleiche Zeit geplant, in welcher in Hergiswil der Pannenstreifen als dritte Spur umgebaut wird, unabhängig vom Projekt Bypass und vorgängig.

Gleichzeitig werden auch die Lärmschutzwände erneuert und erhöht. Was bringen diese?

Die heutigen Lärmschutzwände müssen abgebaut werden, weil die Autobahn in Richtung Norden 1,5 Meter verbreitert wird, um genug Platz auf dem umgenutzten Pannenstreifen zu erhalten. Geplant ist eine 5,6 Meter hohe sogenannte Tablarwand. Die Strecke soll auch künftig mit 100 km/h befahren werden können.

Warum muss sich die Gemeinde Hergiswil an den Kosten des Lärmschutzes beteiligen?

Das Stimmvolk von Hergiswil sagte im März 2015 mit 78 Prozent Ja zu einer Kostenbeteiligung von 12 Millionen Franken an den A2-Lärmschutzwänden. Das Astra-Projekt sah nur das gesetzliche Minimum an Lärmschutz vor, was der Gemeinderat als «ungenügend» erachtete und dem Volk empfahl, Mehrkosten für die durchgehend 5,6 Meter hohen Lärmschutzwände zu übernehmen. Diese verhinderten «insbesondere zusätzliche Lärmreflektionen gegen den Berg». Der Gemeinderat schrieb damals: «Die beste Lösung wäre ein Autobahntunnel, der aber leider in absehbarer Zeit nicht realisiert werden kann. Zu hoch sind die Kosten, zu gross die technischen Anforderungen, zu klein der gesamtschweizerische politische Wille.»

Auch die reine Instandsetzung der A2 in Hergiswil kostet nochmals 65 Millionen Franken. Warum so viel Geld?

Im Rahmen des Erhaltungsprojekts A2 Hergiswil werden auch die zahlreichen Kunstbauten (inklusive Lärmschutzgalerie) in schwierigem Gelände auf einem der ältesten Autobahnabschnitte der Schweiz in Stand gesetzt und wo nötig verstärkt, damit sie heutigen Ansprüchen genügen und Tragsicherheit, Dauerhaftigkeit sowie Funktionstüchtigkeit für die Zukunft gewährleistet sind.

Hinweis

Die hier wiedergegebenen Antworten stammen aus Unterlagen und unserem E-Mail-Verkehr mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) sowie Dokumenten des Kantons Nidwalden und der Abstimmungsbotschaft der Gemeinde Hergiswil. Alle Infos zur Grossbaustelle finden Sie hier.

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