Nid-/Obwalden
Der Stromverbrauch steigt – die Versorgungslage wird sich im Winter zuspitzen

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission warnt vor Stromknappheit – vor allem in der kalten Jahreszeit. Das betrifft auch die Elektrizitätswerke in Nid- und Obwalden.

Matthias Piazza
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Nidwaldner Strom kommt unter anderem aus dem Bannalpstausee.

Nidwaldner Strom kommt unter anderem aus dem Bannalpstausee.

Bild: PD (30. Mai 2018)

Die Wasserkraftwerke in Nidwalden liefern mehr Strom, als der Kanton braucht – übers Jahr gesehen. Anders sieht die Situation im Winter aus. Besonders im leistungsschwächsten Monat Dezember. Dann muss die Hälfte des Stroms für Nidwalden am Strommarkt ausserkantonal beschafft werden. Dies, obwohl ein Teil des Stroms aus den Kernkraftwerken Leibstadt und Gösgen stammt, an denen das EWN beteiligt ist. Doch die Tage der Kernkraftwerke sind bekanntlich gezählt. Sie bleiben nur noch so lange am Netz, bis sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, beziehungsweise solange sie sicher betrieben werden können. So sieht es die Energiestrategie 2050 vor.

Heute liefern die Schweizer Atomkraftwerke im Winterhalbjahr 14 der benötigten 32 Terawattstunden. Der Bundesrat will den Ausbau der Speicherwasserkraft um rund zwei Terawattstunden ausbauen, um die heutige Selbstversorgungsfähigkeit zu erhalten – ebenso wie die erhöhten Zielwerte bei den erneuerbaren Energien. Dies genügt aber aus Sicht der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom) nicht. Die Schweiz müsse grössere Anstrengungen unternehmen, um die Stromversorgung zu sichern. So steige der Importbedarf im Winterhalbjahr nach der Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke gemäss Energieperspektiven über längere Zeit auf weit über zehn Terawattstunden an, schreibt die Kommission in ihrem Jahresbericht.

«Ich teile die Meinung von Elcom, die Situation ist seit langem bekannt, aber die Politik will das nicht hören. Das bereitet mir schon Sorgen», sagt dazu EWN-Direktor Remo Infanger. Erschwerend komme dazu, dass man wegen des längerfristigen Verzichts auf Öl- und Gasheizungen von einem höheren Strombedarf im Winter ausgehen müsse. «Nebst Wärmeverbünden, die kaum Strom brauchen, wenn sie mit Holz betrieben werden, kommen auch Wärmepumpen zum Einsatz. Studien gehen darum davon aus, dass der Stromverbrauch im Winterhalbjahr gegenüber heute um rund einen Viertel zunimmt.» Dadurch werde sich die Importsituation aus dem Ausland noch verstärken.

Kein Ausbaupotenzial für Wasserkraft in Nidwalden

Grosses Potenzial für den Ausbau der Wasserkraft in Nidwalden sehe er nicht. «Ein Ausbau der bestehenden Stauseen auf Bannalp oder Trübsee mit dem dazugehörigen Kraftwerk geht aus geologischen Gründen nicht. Das Wasser versickert.» Und für Windenergie eigne sich Nidwalden nicht besonders. Seit vergangenem Herbst darf das EWN Anlagen zur Produktion, Verteilung und Verwendung von Wasserstoff, Gas, Wärme und Kälte betreiben. Noch sei aber keine solche Anlage in Betrieb. «Mit der Wasserstofftechnologie stehen wir ganz am Anfang. Wir gehen Schritt für Schritt vor. Bis man damit gar saisonale Schwankungen ausgleichen kann, ist es wohl noch ein weiter Weg.»

Ansonsten setzt Remo Infanger vor allem auf die nationale Politik. «Sie muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Schweiz weniger Strom importieren muss.» Ein Problem ortet er auch bei den Einsprachemöglichkeiten der Umweltverbände, wodurch etwa der Ausbau des Grimsel-Kraftwerks oder der Bau von Windrädern verhindert worden seien. «Es ist an der Politik, die richtigen Interessenabwägungen zu machen.»

Der Lungerersee. Das abfliessende Wasser treibt die Turbinen des Kraftwerks Unteraa in Giswil an.

Der Lungerersee. Das abfliessende Wasser treibt die Turbinen des Kraftwerks Unteraa in Giswil an.

Bild: Romano Cuonz (28. Juni 2019)

Nach 18 Jahren drehen die Windräder endlich

In einer ähnlichen Situation ist auch das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO). Auch seine Wasserkraftwerke vermögen den Obwaldner Strombedarf im Winter nicht zu decken. Dann wird 60 Prozent des Stroms ausserkantonal produziert. Auch in Obwalden sei ein Ausbau der Wasserkraft nicht mehr möglich, hält EWO-Geschäftsführer Thomas Baumgartner fest. Im kleineren Rahmen unterstütze das EWO den Bau von Fotovoltaikanlagen. Doch auch damit könne Obwalden seinen eigenen Strombedarf im Winter nicht vollständig decken. Auch er setzt auf die nationale Politik. Sie solle optimale Rahmenbedingungen schaffen, damit es nicht Jahrzehnte dauere, bis Energieprojekte umgesetzt würden, meint er mit Anspielung auf die Windanlage auf dem Gotthard. Ganze 18 Jahre dauerte es, bis diese fünf Windräder auf der Passhöhe im vergangenen Herbst endlich Strom produzierten. Der Tessiner Heimatschutz sprach von einer Verschandelung der Landschaft, rekurrierte bis vor Verwaltungsgericht, blitzte dort aber ab und gab schliesslich seinen Widerstand auf.