Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NID-/OBWALDEN: «Die Leute vermissen die Post»

Immer mehr Poststellen werden zu Agenturen. Ennetbürgen und Wolfenschiessen haben diesen Wandel schon hinter sich – mit unterschiedlicher Bilanz. Im Nachbarkanton sind Politiker aufgeschreckt.
Matthias Piazza
Die Ennetbürger Post ist seit Oktober im Volg-Laden zu finden. Bild: Matthias Piazza (22. Februar 2017)

Die Ennetbürger Post ist seit Oktober im Volg-Laden zu finden. Bild: Matthias Piazza (22. Februar 2017)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Auch Lungern muss sich umgewöhnen. Ab dem 12. Juni ersetzt eine Postagentur im Volg die Post. «Die Nachfrage nach Postdienstleistungen reicht nicht mehr aus, um vor Ort weiterhin eine eigenständige Postfiliale betreiben zu können», hiess es im Flugblatt, das die Post an die Bevölkerung verteilte. In der Postagentur können die Kunden Briefe und Pakete aufgeben und abholen, Briefmarken kaufen, Einzahlungen mit Karten erledigen und Geld mit der Postfi­nance-Card beziehen. Bereits an über 850 Standorten in der Schweiz hat sich dieses Modell gemäss Post bewährt.

Ennetbürgen hat «seine» Post bereits im Oktober des vergangenen Jahres verloren. Kunde Sepp Mathis (62) ist gar nicht glücklich über die Agenturlösung im Volg, spricht von einem Blödsinn, einer Zumutung, einer massiven Serviceeinschränkung. «In der Post konnte man beispielsweise auch das Postautobillett lösen, das geht jetzt nicht mehr.» Hanny Odermatt (57) kann mit der Umstellung leben. «Ich brauche die Post selber nicht so viel.» Sie könne sich aber vorstellen, dass ältere Leute ein Problem damit haben könnten.

Der Ennetbürger Gemeindepräsident Peter Truttmann bedauert die Postschliessung in seiner Gemeinde. «Die Leute vermissen die Post. Die Postagentur im Volg mit ihrem eingeschränkten Dienstleistungsangebot ist eine unbefriedigende Lösung.» Er ist überzeugt, dass mit der Schliessung der Post auch die Standortattraktivität der Gemeinde gelitten habe. «Damit verlor unsere Gemeinde wieder ein KMU, Arbeitsplätze und ein Begegnungszentrum.» Darum habe die Gemeinde auch für den Erhalt der Postfiliale an der Stanserstrasse gekämpft, bekanntlich ohne Erfolg. «Die Post hatte für unsere Anliegen kein Gehör.» Damit müsse man sich nun wohl oder übel abfinden.

Seit dem 28. November 2016 hat auch Wolfenschiessen auf die Agenturlösung umgestellt. «Ältere Leute haben mich auf die Schliessung angesprochen. Sie vermissen die Post, während Jüngere die Umstellung problemlos verkrafteten», meint der Wolfenschiesser Gemeindepräsident Wendelin Odermatt. Das Agenturmodell im Volg an der Hauptstrasse 21 erachtet er als taugliche Alternative. Auch Ennetmoos, Dallenwil, Melchsee-Frutt und Stalden haben eine Postagentur. Aus Sicht der Post sind die Agenturen gut und den Erwartungen entsprechend gestartet, heisst es auf Anfrage. Zahlen dazu will die Post hingegen keine bekannt geben.

Volg spricht von einer guten Zusammenarbeit

Tamara Scheibli, Leiterin Kommunikation/PR der Volg Konsumwaren AG, spricht von einer guten Zusammenarbeit mit der Post und einem bewährten System: «Wir arbeiten schon sehr lange erfolgreich mit der Post zusammen. Davon profitieren alle. Der zusätzliche Service stärkt unsere Verkaufsstellen. Unsere Kunden können einkaufen und Postdienstleistungen beanspruchen, und dies zu attraktiven Öffnungszeiten», hält sie fest.

Die Schliessung von Poststellen beschäftigte auch den Obwaldner Kantonsrat. In einem Postulat forderte die SP-Fraktion die Regierung auf, sich gegen die geplanten Poststellenschliessungen zu wehren, sollten sie zu einem Abbau des Service public in den Gemeinden führen. Ausserdem solle geprüft werden, wie die Gemeinden frühzeitig in den Prozess eingebunden werden könnten. Der Regierungsrat bedaure die Schliessungen, sei sich aber bewusst, dass die sinkende Wirtschaftlichkeit von eigenbetriebenen Postfilialen die Post zum Handeln zwinge, heisst es in der Antwort. Im Übrigen beschränke sich der Einfluss des ­Regierungsrates auf die regelmässigen Gespräche mit der Post. Er werde nicht in die Verhandlungen zwischen Post und Gemeinden einbezogen und sei nicht legitimiert, die zuständige Aufsichtsbehörde der Post, die Postcom, anzurufen. Dies bleibe den Gemeinden vorbehalten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.