NID-/OBWALDEN: Er tritt gegen die grossen Kinos an

Vor vier Jahren gingen die Lichter aus im einzigen Kino in Nidwalden. Bruno Arnold will dem Landkino nun zu frischer Blüte verhelfen.

Philipp Unterschütz
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Bruno Arnold im Kino Seefeld, das am 15. Dezember wieder seinen Betrieb aufnimmt. Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 4. November 2016)

Bruno Arnold im Kino Seefeld, das am 15. Dezember wieder seinen Betrieb aufnimmt. Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 4. November 2016)

Seit der Schliessung des Kinos Buochs im Dezember 2012 ist Nidwalden cineastisch ein weisser Fleck. Dies ändert sich ab Sommer 2017. Vielleicht reichts gar für die neusten Abenteuer von Captain Jack Sparrow in «Pirates Of The Caribbean» oder der «Minions». Irgendwann um den Kinostart dieser zwei Blockbuster öffnet vis-à-vis vom Länderpark ein neues Kino die Türen. Hinter dem Vorhaben steckt die Bildhaus GmbH mit Sitz in Sins – die gleiche Firma also, die in Sarnen das Kino Seefeld übernimmt und in Sins mit dem Cinepol noch ein Landkino betreibt.

«Läuft alles wie erwartet, sollte Ende Februar die Baubewilligung vorliegen», sagt Bruno Arnold von der Bildhaus GmbH. «Dann beginnen sofort die Bauarbeiten, die maximal fünf Monate dauern.» Gebaut werden zwei unterschiedlich grosse Kinosäle mit total maximal 200 Plätzen. Ausreichend Parkplätze sind in unmittelbarer Nähe vorhanden. «Wir haben zudem die Option für einen dritten Saal. Darüber werden wir aber erst nächstes Jahr entscheiden. Wir wollen zuerst Erfahrungen sammeln und die Auslastung kennen.» Die Kosten für das Kino Stans belaufen sich auf 600 000 Franken. Der Hauptteil davon entfällt auf die Projektions- und Tontechnik.

Synergien zwischen den beiden Kinos nutzen

Die Bildhaus GmbH beabsichtigt zudem, nach Erhalt der Baubewilligung ihr Domizil nach Stans zu verlegen. Zuerst wird das ein Geschäftsleiter sein, später kommen noch mindestens zehn Stellen (teilweise in Teilzeit) für den Kinobetrieb dazu. Der Geschäftsleiter des Kinos Seefeld wird sein Domizil in Sarnen haben – auch dort werden acht bis zehn (Teilzeit-)Stellen geschaffen.

Dass die Sinser Kinofirma noch vor der Eröffnung in Stans nun das Kino Seefeld in Sarnen neu lanciert, war eigentlich gar nicht geplant. Als vor vier Jahren das Kino in Buochs schloss, war man in Sins mitten in der Bauphase des ersten Kinos. «Wir waren angesichts des grossen Einzugsgebietes in Nidwalden äusserst erstaunt über die Schliessung. Und da wir ein zweites Standbein wollten, haben wir anschliessend längere Zeit eine geeignete Lokalität in Stans gesucht.» Vom Standort sei man absolut überzeugt. Dass sich dann nach dem Tod des bisherigen Kinobetreibers in Sarnen kurzfristig noch diese Möglichkeit ergab, sei Zufall gewesen. Bruno Arnold versichert: «Wir werden keines der beiden Kinos stiefmütterlich behandeln.» An beiden Orten werden am Vorabend und Abend zwei Filme gezeigt. Am Mittwoch, Samstag und Sonntag sowie in den Schulferien geht der Betrieb ab 14 Uhr los. Einzig Spätfilme wird es nur in Sarnen geben, in Stans geht dies wegen der Nachbarn nicht. Beim Programm sollen Synergien genutzt werden. Bei drei Filmstarts werden beispielsweise zwei in Stans und einer in Sarnen erfolgen.

Innovative Landkinos fürchten Konkurrenz nicht

Laut Bruno Arnold steht der Wiedereröffnung des Kinos Seefeld, Sarnen, am 15. Dezember nichts mehr im Weg. Am wichtigsten sei die Verbesserung des Klangs. «Hinter der Leinwand bauen wir noch eine Dämmwand ein, damit das störende Echo im Saal verschwindet.» Ursprünglich sei geplant gewesen, im nächsten Sommer weitere Umbauten in Sarnen vorzunehmen. «Nun denken wir aber über grössere Änderungen in etwa 18 Monaten nach. Diese würden eine Schliessung von ein bis zwei Monaten bedingen.» Als Unterwaldner Kinokönig oder ­Kinoretter sieht sich Bruno Arnold nicht. Man wolle einfach das Landkino wieder zum Leben erwecken und dies nicht einem grossen Konzern überlassen. «Wir werden für jedes Zielpublikum die geeigneten Zeitfenster und Programminhalte anbieten», sagt er. Insofern fürchtet Arnold auch nicht die Konkurrenz der Grosskinos in der Agglomeration Luzern. Seit in Emmenbrücke im Jahr 2000 acht Säle eröffnet wurden, hat sich nach einem Einbruch um 50 Prozent auch in der Stadt Luzern die Lage stabilisiert. Wenn 2017 in Ebikon im Multiplex zwölf neue Leinwände zur Verfügung stehen, wird dies wohl vor allem zu einem Kampf der Titanen. So ist in Emmenbrücke bereits ein Ausbau um sechs weitere Säle auf 2019/20 angekündigt. Innovative Landkinos dürften davon indes kaum betroffen sein.

Hinweis

Das Programm des Kinos Seefeld, Sarnen, ist ab morgen unter www.kinoseefeld.ch ersichtlich.

Philipp Unterschützphilipp.unterschuetz@ nidwaldnerzeitung.ch

«Das ist eine Bereicherung»

Reaktion  Der Kulturverantwortliche im Stanser Gemeinderat, Lukas Arnold, freut sich über das angekündigte Kino. «Das ist eine Bereicherung, nicht nur für Stans, sondern für ganz Nidwalden.» Dass das Konzept mit Filmpremieren und Synergien mit dem Kino Sarnen funktionieren sollte, sei keine Frage. «Ich erlebe die Stanser als sehr offen und bin sicher, dass sie Bruno Arnold die Türen einrennen. Das Projekt verdient Unterstützung. Auch ich werde das Kino sicher ab und zu besuchen.»

Er sei überzeugt, dass es viele Leute gebe, die es schätzten, wenn sie nicht nach Luzern müssen, um einen Film zu schauen. Für die Gemeinde sei es gut, dass die Umgebung beim Länderpark auch am Abend belebt werde. Zudem würden neue Arbeitsstellen generiert. Es sei zu hoffen, so Arnold, dass auch der dritte Saal realisiert werden könne.

(unp)