Nid-/Obwalden
Essen und Trinken sollen im Zug erlaubt bleiben – finden Zentralbahn-Fahrgäste

Im öffentlichen Verkehr gilt Maskenpflicht. Aber Essen und Trinken sind erlaubt. Wie sieht das in der Zentralbahn aus? Ein Augenschein in der S-Bahn während der Mittagszeit.

Matthias Piazza
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Die S5 auf der Fahrt von Giswil nach Luzern.

Die S5 auf der Fahrt von Giswil nach Luzern.

Bild: Matthias Piazza (Luzern, 27. Januar 2021)

Um 11.42 Uhr fährt die S5 in Luzern los in Richtung Hergiswil–Sarnen–Giswil. Ein Sandwich kaufen und es während der Fahrt essen? Warum nicht, wenn man in der Mittagspause unterwegs ist oder einfach Hunger hat? Was in «normalen» Zeiten kaum der Rede wert ist, schliesslich sind essen und trinken offiziell in den Zügen der SBB und der Zentralbahn erlaubt, sorgt in Zeiten der Coronapandemie für Diskussionen und Schlagzeilen. Schliesslich sind ja die Restaurants geschlossen und im öffentlichen Verkehr gilt seit Juli eine Maskenpflicht, ausser beim Essen und Trinken.

Die Rede ist von Fahrgästen, die während der ganzen Fahrt picknicken oder von Jugendlichen, die ein Trinkgelage veranstalten und dabei mit demselben Zug mehrmals von Endstation zu Endstation fahren – natürlich die ganze Zeit ohne Maske. Auch an diesem Mittwochmittag in der S5 packt gerade ein Mann sein Essen aus. Gegenüber der Zeitung will er sich aber nicht zum Thema äussern. Ein paar Abteile weiter geniessen zwei Jugendliche ihr Mittagessen, während sie Musik hören. Davon lassen sie sich auch nicht abbringen, als unsere Zeitung sie um ein Statement zum Thema bittet. Keine Lust zu reden, geben sie einem unmissverständlich zu verstehen.

Gesprächiger ist hingegen Beatrice Schwob aus Wetzikon. «Als ich am Morgen von Zürich nach Luzern anreiste, sah ich zwei ältere Damen mit Kuchen und Thermoskanne auf den mit Servietten bedeckten Tischchen. Mein erster Gedanke war ‹geht's noch?›». Ein Problem habe sie damit aber schliesslich nicht gehabt. Beatrice Schwob:

«Sie waren sehr diskret und es hatte kaum Leute im Wagen, darum empfand ich es nicht als störend.»

Sie sei überzeugt, dass diese Damen in einem vollen Wagen darauf verzichtet hätten. Auch sie selber esse ein Sandwich, wenn sie zwei Stunden in einem Fernverkehrszug unterwegs sei und Hunger habe. Sie würde es darum auch als unzumutbar empfinden, wenn zum Beispiel im IC Zürich–Genf ein Ess- und Trinkverbot ausgesprochen würde. «Aber in der S-Bahn, wo man vielleicht nach zwei Stationen schon wieder aussteigt, frag ich mich schon, ob es nicht auch ohne Verpflegung geht.»

Schüler seien auf Essen im Zug angewiesen

Auch Rosemarie Simeonidis aus Sachseln hat eine differenzierte Meinung. «In einem vollen Zug würde ich nicht essen, wenn ich aber allein im Abteil bin, schon.» Flavia Wüest ist ebenfalls gegen ein Trink- und Essverbot im Zug – vor allem wegen der Schüler. «Als ich in Luzern zur Schule ging, musste ich aus Zeitgründen immer im Zug essen, den ich in Sarnen bestieg.» Dass es ausgenützt werde, um der Maskenpflicht zu entgehen, habe sie bis jetzt nie erlebt. Sie selber esse auch im Zug. «Nachdem ich mein Sandwich gegessen habe, ziehe ich die Maske aber sofort wieder an.»

Ab Montag zahlen Fehlbare eine Busse

Thomas Keiser, Leiter Unternehmenskommunikation der Zentralbahn.

Thomas Keiser, Leiter Unternehmenskommunikation der Zentralbahn.

Bild: PD

Gerade während der Mittagszeit verpflegen sich viele Fahrgäste im Zug, wie auf Anfrage ZB-Mediensprecher Thomas Keiser sagt. Auch nach einem Skitag werde auf der Rückreise oft mal etwas getrunken oder ein «Zvieri» genommen, weil die Restaurants geschlossen sind. Trotzdem würden die Reisenden die Maskentragepflicht grossmehrheitlich einhalten, wenn sie nicht essen oder trinken würden. «Wer sich nicht an die Regel hält, wird freundlich auf das Fehlverhalten hingewiesen und gebeten, die Maske anzuziehen. In Ausnahmefällen kann das Zugpersonal die Transportpolizei zur Unterstützung beiziehen», so Thomas Keiser.