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NID-/OBWALDEN: Für Imker ist es kein Honigschlecken

Für Bienen gabs dieses Jahr kein ideales Flugwetter. Die Honigernte ist so schlecht wie schon lange nicht mehr. Doch es gibt auch gute Nachrichten.
Die Honigernte ist heuer dürftig: Imkerin Brigitte von Flüe. (Bild: PD)

Die Honigernte ist heuer dürftig: Imkerin Brigitte von Flüe. (Bild: PD)

Philipp Unterschütz

Mit einem Honigglas steht Brigitte von Flüe vor ihrem Bienenhaus in Stalden. Das Glas ist zur Hälfte mit Honig gefüllt. «Sind die Gläser halb leer oder halb voll? Ansichtssache!», schrieb Brigitte von Flüe zum Bild, das sie dieser Tage an unsere Redaktion schickte. Und ergänzte, das Bild sei nach der «kargen» Ernte entstanden. Auf Nachfrage erzählt die Präsidentin des Obwaldner Bienenzüchtervereins, deren Bienen in Stalden ausfliegen, dass sie persönlich weit weniger als 50 Prozent eines normalen Jahres ernten konnte. «Blütenhonig gab es, doch der Sommerhonig, der Waldhonig, ist ausgeblieben.» Auch wenn es zwar lokal noch Unterschiede gibt – so wie Brigitte von Flüe erging es dieses Jahr der Mehrheit der Imker in der Schweiz.

Wenig Ernte, aber gesunde Bienen

Bernhard Guhl, Aargauer Nationalrat und Präsident der Apisuisse, unter deren Dach die verschiedenen Schweizer Bienenzüchterverbände zusammengeschlossen sind, sagt, dass die exakten Zahlen zwar noch nicht vorlägen. Es sei aber sicher so, dass die Ernte dieses Jahr eher tief ausgefallen sei. «Bei der Honigernte ist es halt wie überall in der Landwirtschaft: Die Erträge sind mal besser, mal schlechter.» Die Honigerträge seien von vielen Faktoren abhängig wie Wetter, Vegetation oder auch Vitalität der Bienen. Auch seine Bienenvölker in Windisch hätten mehr Blütenhonig produziert als Waldhonig. «Aber für mich als Imker ist die Ernte nur eine Seite. Fast wichtiger für mich ist die positive Tatsache, dass wir in der Schweiz diesen Winter nur geringe Verluste bei den Bienenvölkern hatten. Die Imker haben die Varoa-Milbe, die vielen Bienen den Tod bringt, immer besser im Griff.» Auch die Vereine in Ob- und Nidwalden bestätigen, dass es dieses Jahr nur sehr wenige Krankheiten gab.

Grosse lokale Unterschiede

Von einer «durchzogenen» Ernte, die bestenfalls durchschnittlich sei, spricht Hampi Krähenbühl. Der Präsident des Nidwaldner Bienenzüchtervereins, dessen 131 Mitglieder rund 980 Völker bewirtschaften, ist mit seiner eigenen Ernte auf Fürigen zwar durchaus zufrieden. «Es gibt gebietsweise aber auch Mitglieder, die nichts geerntet haben.» Genaue Zahlen hätten die Imker nicht bekannt gegeben, aber er schätze, dass man im Vergleich zu erfolgreichen Jahren höchstens 50 Prozent Ertrag habe. «Im Gebiet Bürgenstock/Fürigen war beispielsweise die Ernte sehr gut, im Engelbergertal mittelmässig und im Bereich Kehrsiten sehr schlecht», weist Krähenbühl auf grosse lokale Unterschiede in Nidwalden hin. Mitglieder von Kehrsiten überlegten sich sogar nach einigen Missernten, ihre Völker umzusiedeln. «Das fast schon mediterrane Klima dort ist für die Honiggewinnung nicht optimal. Die Blütezeit ist eher zu früh für die Bienen, die so kurz nach dem Winter noch nicht so aktiv sind.»

Regen hat die Läuse vertrieben

In Obwalden scheint die Honigernte tendenziell noch etwas karger gewesen zu sein als in Nidwalden. Angela Michel, Vizepräsidentin des Obwaldner Bienenzüchtervereins, der 110 Mitglieder mit fast tausend Bienenvölkern hat, hat sich bei den Mitgliedern umgehört. «Einer unserer Imker, der schon seit Jahrzehnten dabei ist, hat gesagt, es sei eines der schlechtesten Honigjahre, an das er sich erinnern könne.» Auch ihre eigne Ernte in Kerns war gering: wenig Blütenhonig, keinen Waldhonig. Der Grund für die landesweite Missernte liegt beim Wetter. Im Frühling zur Blütezeit war das Wetter zu feucht oder aber zu trocken. «Die Blüten bieten nur Nektar an, wenn es genügend feucht ist, andererseits können die Bienen umgekehrt den Blütenstaub nicht verbreiten, wenn es zu nass ist», erklärt Hampi Krähenbühl. Und dass der Waldhonig vielerorts fast ganz ausgeblieben ist, bringt Angela Michel auf den Punkt: «Es hat die Rindenläuse von den Bäumen ‹gespült›». Tatsächlich hat der viele Sommerregen die Läuse, deren zuckerhaltige Ausscheidungen – sogenannter Honigtau – von den Bienen als Grundlage für den Honig gesammelt wird, derart reduziert, dass es vielerorts keinen Waldhonig gibt.

Verschiedene Bienenarten

Was übrigens viele Laien nicht wissen: In Ob- und Nidwalden fliegen nicht die gleichen Bienenarten aus. Vor über 11 000 Jahren entwickelten sich nach der Gletscherschmelze aus der Ur-Honigbiene zwei Gruppen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Heimisch in unseren Gefilden wurde die Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera). Diese Art ist in Obwalden nach wie vor heimisch. In Nidwalden jedoch ersetzten die Imker sie vor gut 25 Jahren durch die Graue Biene (Apis Carnica) aus der zweiten Gruppe. Von Züchtern in Osteuropa war diese Art auf Leistung, Sauberkeit und Sanftmut getrimmt worden. Inwieweit dieser Unterschied für die Honigerträge verantwortlich sei, könne man nicht einfach pauschal sagen, meint Bernhard Guhl. «Beide Arten haben ihre Vorteile, das ist ein Stück weit auch eine Glaubensfrage. Match­entscheidend war dieses Jahr eindeutig das Wetter.»

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