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NID-/OBWALDEN: «Gerät macht noch keinen Lebensretter»

Die Zahl der öffentlichen Defibrillatoren steigt stetig an. Doch benützen werden sie wohl nur ausgebildete Personen.
Philipp Unterschütz
Ein öffentlicher Defibrillator am Bahnhofplatz Stans. (Bilder Corinne Glanzmann)

Ein öffentlicher Defibrillator am Bahnhofplatz Stans. (Bilder Corinne Glanzmann)

philipp Unterschütz

Vor kurzem hat die Gemeinde Emmetten drei Defibrillatoren angeschafft. Einer dieser Lebensretter, die bei Herzstillständen zum Einsatz kommen (siehe Kasten), wird bei der Bushaltestelle bei der Post installiert und ist damit rund um die Uhr öffentlich zugänglich. Emmetten steht damit nicht allein. Seit einiger Zeit rüsten sich Kantone, Gemeinden, Betriebe oder Vereine mit den Geräten aus. In der Zentralschweiz sind derzeit 540 sogenannte Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) beim Sanitätsnotruf 144 Zentralschweiz registriert. Im Kanton Obwalden gibt es rund 80 davon, teilweise sind sie an öffentlichen, permanent zugänglichen Orten platziert. In Nidwalden stehen rund 60 AED zur Verfügung, davon sind einige rund um die Uhr zugänglich.

Unbedingt Notruf 144 wählen

Bei Herzstillständen drängt die Zeit. In den ersten 5 bis 7 Minuten erhöhen sich durch sofortige Herzmassage und unter Einsatz eines Defibrillators die Überlebenschancen auf bis zu 50 Prozent. Die Herzmassage soll nicht unterbrochen werden, um einen Defibrillator zu holen. «Bei einer lebensbedrohenden Situation ist es ganz wichtig, dass zuerst die Notrufnummer 144 gewählt wird», betont Iris Weber, Leiterin Sanitätsnotruf Zentralschweiz. Wenn eine Meldung mit Symptomen eines Herzversagens eingeht, werden die Anrufer informiert, wo sich der nächste Defibrillator befindet. Wichtig ist auch, dass der Ersthelfer sofort Unterstützung bekommt. «Er sollte um Hilfe rufen, damit umstehende Personen ihn unterstützen», sagt Sandra Schallberger, die in Obwalden verantwortlich ist für die Herznotfallgruppen.

Zeitgewinn durch örtliche Gruppen

Während Nidwalden auf den Rettungsdienst setzt, der in der Regel direkt vom Spital ausrückt, gibt es in Obwalden schon sieben Herznotfallgruppen mit insgesamt 102 ausgebildeten, sogenannten AED-First-Respondern. «Wenn bei der Notfallnummer 144 ein Alarm mit Verdacht auf Herzversagen eingeht, werden die im Postleitzahlenkreis des Notfallortes wohnhaften First-Responder parallel mit dem Rettungsdienst per SMS alarmiert», so Schallberger. Ausgerüstet mit einem Einsatzrucksack mit Defibrillator und Sauerstoff treffen sie durchschnittlich nach 3 bis 4 Minuten ab Alarm am Einsatzort ein. «Weil sie aus der Nachbarschaft kommen, gewinnen sie wertvolle Zeit.» Im vergangenen Jahr leisteten die Herznotfallgruppen Obwalden 16 Einsätze, bei denen sie Leben retteten oder die Betroffenen vor grösseren Schäden bewahrten. Bis spätestens 2020 sollen in Obwalden flächen­deckend Herznotfallgruppen zum Einsatz kommen. «Grundsätzlich macht es nur an exponierten, bevölkerten Plätzen Sinn, öffentliche Defibrillatoren zu installieren. Förderlich ist es auch, wenn grosse Betriebe Geräte für Ernstfälle bereithalten», sagt Sandra Schallberger.

Breite Bevölkerung hat Kenntnisse

Fachleute betonen zwar immer wieder, die Bedienung der Defibrillatoren sei einfach, weil die Geräte via Sprachsteuerung auch unerfahrene Helfer anleiten, was zu tun ist. Die verbreitete Ausbildung in BLS-AED (Basis Lebensrettende Sofortmassnahmen und die Anwendung eines Defibrillators), wie sie beispielsweise in Nothelfer- und in Firmenkursen erfolgt, ist trotzdem äusserst wichtig. «Das Gerät allein macht noch keinen Lebensretter», sagt Sandra Schallberger. «Im BLS-AED-Kurs lernt man, wie die Herzmassage durchzuführen ist und der Einsatz eines Defibrillators funktioniert. «Ich glaube, ein grosser Teil der Bevölkerung hat schon einmal einen Wiederbelebungskurs besucht. Trotzdem braucht es Mut, um die Hemmschwelle zu überwinden, einen öffentlichen Defibrillator zu benützen.»

Trotz Kursen grossen Respekt

Unsere Umfrage bei Passanten vor dem öffentlichen Defibrillator auf dem Stanser Bahnhofplatz stützt diese Aussage. Von zehn zufällig befragten Passanten haben acht in einem Kurs (Betrieb, Verein oder Nothelferkurs) mit einem Defibrillator geübt. Nur eine Person wusste nicht, wofür das Gerät dient. Doch trotz den Kenntnissen aus Kursen betonen einige, dass sie wohl im Ernstfall mit gehörigem Respekt oder gar einer gewissen Furcht das Gerät bedienen würden. Auch die Passanten betonen die Wichtigkeit der Ausbildung. Alle sind sich einig, dass viele Laien die öffentlichen Geräte aus Angst, trotzdem etwas falsch zu machen, wohl nicht benützen würden.

So funktioniert es

Defibrillationred. Mit einem gezielten Stromstoss wird das elektrische «Chaos» im Herzen (Kammerflimmern) wieder in einen geordneten Rhythmus gebracht. Während der Flimmerphase ist das Herz ausser Stande, eine genügende Pumpleistung zu erreichen. Dies führt zu einem Kreislaufstillstand. Je früher die Defibrillation also erfolgt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Gerät führt Analyse durch

Um den Defibrillator zu benutzen, müssen die Klebe-Elektroden auf dem entblössten Brustkorb des Patienten angebracht werden (siehe Bild unten). Bei korrekt aufgeklebten Elektroden führt das Gerät selbstständig eine Analyse des Herzrhythmus durch. Wird ein Elektroschock empfohlen, so ist der verantwortliche Helfer zuständig, dass beim Betätigen der Auslösetaste niemand mit dem Patienten in Kontakt ist. Nach dem Stromstoss (oder falls das Gerät keinen Schock empfiehlt) wird mit den Basismassnahmen weitergefahren – also mit der Herzdruckmassage und der Beatmung.

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