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NID-/OBWALDEN: Hat Wasserkraft noch eine Chance?

In beiden Kantonen hat die Wasserkraft zwar eine grosse Bedeutung. Doch «Geht es mit ihr weiter bachab?», lautete eine der Fragen an der Generalversammlung der Naturforschenden Gesellschaft Nagon.
Robert Hess
Wasserkraft wird in Obwalden unter anderem aus dem Melchsee gewonnen. (Bild: PD)

Wasserkraft wird in Obwalden unter anderem aus dem Melchsee gewonnen. (Bild: PD)

Robert Hess

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Diese und andere Fragen zur Energiepolitik stellte Gastreferent Patrick Dümmler, Forschungsleiter Offene Schweiz bei Avenir Suisse, in den Raum. Das von über 60 Mitgliedern und Gästen besuchte Referat im Anschluss an die statutarischen Geschäfte der 22. Generalversammlung (siehe Kasten) beleuchtete Herausforderungen und Zukunft der Schweizer Strombranche.

«Die guten Zeiten für die Schweizer Stromwirtschaft und ihre öffentlichen Eigentümer scheinen zumindest vorübergehend vorbei zu sein», erklärte der Referent. Hauptgrund sei der massiv gesunkene europäische Grosshandelspreis, der heute oft unter den Gestehungskosten für Schweizer Strom liege. Damit müsse man leben, denn die Schweiz mit ihrem zu kleinen Markt könne diesen Preis nicht selber bestimmen, sondern sei mit ihrem starken grenzüberschreitenden Handel stets abhängig vom europäischen Strompreis, insbesondere dem deutschen und französischen. «Die Schweiz ist Preisnehmerin», so das klare Fazit Dümmlers. Ursachen dieser Preisentwicklung seien der starke Franken bei schwachem Euro, die schleppende konjunkturelle Entwicklung in Europa und tiefere Kosten für fossile Primärenergieträger wie Erdöl und Kohle. Weitere Gründe sei der tiefe Preis für CO2-Zertifikate mit dem in den vergangenen Jahren stark gesunkenen Preis für den Ausstoss einer Tonne CO2. Auch die massive Subventionierung des Stroms aus nachhaltigen Quellen wie Wind und Sonne – vorab in Deutschland – verzerrten die Preise.

Rettungsplan für die Schweizer Wasserkraft?

Heute (Zahlen von 2015) profitierten Kantone und Gemeinden mit insgesamt 557 Millionen Franken aus den Wasserzinseinnahmen. Beispielsweise «hole» der Kanton Uri rund einen Viertel der kantonalen Steuereinnahmen aus den Wasserzinsen, ohne diese Einnahmen in die Berechnung für den Finanzausgleich einbeziehen zu müssen. Neue Regelungen seien für die Zukunft ab 2020 zur Rettung der Schweizer Wasserkraft notwendig. Entsprechende Pläne würden im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 von Politikern gefordert.

Möglicherweise bekomme die Wasserkraft durch den vollständigen Wegfall der Kernenergie ab 2035 wieder grössere Bedeutung. Erneuerbare Energien wie Fotovoltaik (Sonne) und Wind könnten den Nuklearstrom nur zu rund einem Drittel ersetzen. Und beim Bau entsprechender Anlagen wie grösseren Windparks spielten in der Schweiz auch Landschafts- und Heimatschutz eine Rolle.

Heute bestehe in der Schweiz «ein nur halb geöffneter Strommarkt», die Liberalisierung sei ins Stocken geraten, so Dümmler. Kleinkunden – weniger als 100000 Kilowattstunden pro Jahr – sowie private Haushalte hätten keine freie Wahl des Stromversorgers und bezahlten Preise über dem europäischen Grosshandelspreis. Die freie Wahl hätten seit 2009 nur Grosskunden sowie grössere Gewerbe oder die Industrie.

Der Referent zeigte sodann Grundsätze einer künftigen marktwirtschaftlichen Strompolitik auf: etwa die rein marktwirtschaftliche Ausrichtung der Stromkonzerne, keine marktverzerrenden Subventionen, mehr Effizienz bei der Nutzung der Anbindung ans Ausland oder Wahlfreiheit mit vollständiger Öffnung der Märkte. Gerade der letzte Punkt sei ins Stocken geraten. Der Bundesrat habe im Mai 2016 entschieden, mit der Öffnung zuzuwarten. Dümmlers Fazit: «Die Öffnung ist auf den Sankt-Nimmerleins-Tag aufgeschoben worden.»

«Die guten Zeiten scheinen vorbei zu sein.» Patrick Dümmler, Forschungsleiter Offene Schweiz bei Avenir Suisse.

«Die guten Zeiten scheinen vorbei zu sein.» Patrick Dümmler, Forschungsleiter Offene Schweiz bei Avenir Suisse.

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