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NID-/OBWALDEN: Im Verkehrs- und Sicherheitszentrum hängt der Haussegen schief

Im Verkehrssicherheitszentrum rumort es. Nach der Kündigung des dritten Geschäftsleiters innert 14 Jahren und der Ankündigung von Anpassungen sind die Mitarbeiter verunsichert.
Philipp Unterschütz
Ein Experte (mit Tablet in der Hand) blickt in der Prüfhalle des VSZ in Stans unter eine Motorhaube. (Bild Corinne Glanzmann)

Ein Experte (mit Tablet in der Hand) blickt in der Prüfhalle des VSZ in Stans unter eine Motorhaube. (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

Das Verkehrssicherheitszentrum NW/OW, das 2002 aus der Fusion der Strassenverkehrsämter der beiden Kantone als öffentlich-rechtliche Anstalt entstand, ist ein gut funktionierender und rentabler Betrieb mit rund 40 Mitarbeitenden. Nach dem Geschäftsjahr 2014 erhielten die beiden Kantone je 100 000 Franken aus dem Überschuss von über 268 000 Franken bei einem Umsatz von 5,8 Millionen Franken. Laut Marianne Blättler, seit Gründung des Zentrums Verwaltungsratspräsidentin, werden sich die Zahlen des Geschäftsjahres 2015 in der gleichen Grössenordnung bewegen. Die Gebühren, die in Obwalden und Nidwalden erhoben werden, sind die tiefsten in der Zentralschweiz. Doch obwohl der Betrieb gut läuft, hängt der Haussegen im VSZ schief.

Mitarbeiter sind «besorgt»

Ein Auslöser war nicht zuletzt eine ausserordentliche Personalinformation am 8. Januar. Es ging an der Sitzung, die von Verwaltungsratspräsidentin Marianne Blättler geleitet wurde, um organisatorische Anpassungen nach der Pensionierung eines Mitarbeiters der Buchhaltung respektive um Änderungen in den Aufgaben einzelner Mitarbeiter. Doch bei den Mitarbeitern scheint diese Kommunikation Unruhe ausgelöst zu haben. In einem Schreiben an den Verwaltungsrat, unterzeichnet von über 30 «besorgten Mitarbeitern», ist nämlich von «tief greifenden strukturellen Änderungen im VSZ» die Rede. Im Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, steht weiter, es sei der Eindruck entstanden, ihre Voten würden nicht ernst genommen und Fragen seien nicht zufriedenstellend oder gar nicht beantwortet worden. Die Rede ist auch von einer Stellenreduktion im Stabsdienst um 190 Prozent, der Entlassung einer Person und der Auslagerung von Personal- und Buchhaltungsarbeiten an den Kanton Nidwalden.

Fragen über Fragen

Dem Brief lag ein längerer Fragenkatalog bei. Auch daraus geht hervor, dass die Mitarbeiter verunsichert sind, wer nun künftig die Arbeit der Abgänge erledigen soll, wer für Personalfragen zuständig sei, ob man mit weiterem Stellenabbau rechnen müsse, und ob es Absicht des Verwaltungsrates sei, dass das VSZ wieder zu den Kantonen zurückgehe. Am 22. Januar antwortete der VR, dass man das Schreiben besprochen habe und stellte die Beantwortung der Fragen durch Geschäftsführer Cyrill Omlin am 2. Februar in Aussicht. Dem Vernehmen nach konnte dieser aber die Fragen immer noch nicht beantworten und vertröstete die Mitarbeiter auf eine weitere Sitzung, die morgen stattfinden soll.

Hohe Fluktuation in der Leitung

Mittlerweile hat Geschäftsführer Omlin allerdings seine Stelle gekündigt und verlässt das VSZ per Ende Mai 2016. Auf Nachfrage zu den Gründen für seinen Abgang will Omlin, der seit über 10 Jahren beim VSZ ist, davon sechseinhalb Jahre als Geschäftsleiter, nichts sagen. Es seien persönliche Gründe. Ehemalige und jetzige Mitarbeiter des VSZ äusserten sich allerdings gegenüber unserer Zeitung hinter vorgehaltener Hand dahingehend, Verwaltungsratspräsidentin Marianne Blättler mische sich zu sehr ins operative Geschäft ein.

Der Blick in die Geschichte des VSZ zeigt tatsächlich eine hohe Fluktuation in der Führungsetage. Seit Gründung des Zentrums 2002 haben drei Geschäftsleiter und zwei Mitglieder der Geschäftsleitung gekündigt. Der allererste Geschäftsführer Daniel Schriber, der seinen Posten nach zwei Jahren räumte, will sich zu seinen Gründen ebenfalls nicht äussern. Bis heute sei er aber überzeugt, dass die Gründung des VSZ als öffentlich-rechtliche Anstalt der richtige Schritt war. Schriber war zuvor Leiter des Nidwaldner Strassenverkehrsamtes.

Fluktuation war bereits Thema

Nachdem im Herbst 2009 kurz nacheinander der damalige Geschäftsführer und auch der Leiter Verkehrsprüfung kündigten, befasste sich die Interparlamentarische Geschäftsprüfungskommission damit. In einem Bericht vom April 2010 steht: «Eine erste Personalumfrage ergab eine grosse Unzufriedenheit. Diese bezog sich im Wesentlichen auf das Verhältnis der Vorgesetzten zu den Mitarbeitern.» Im Sitzungsprotokoll des Nidwaldner Landrats von Juni 2010 heisst es von Seiten der Kommission: «Wir sind überzeugt, dass die getroffenen Massnahmen geeignet sind, um die personellen Veränderungen und Unruhen beseitigen zu können. Hilfreich ist sicher auch das eigens entwickelte Führungshandbuch.»

Kommission will mehr wissen

Wie das Thema nun von der Interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission aufgenommen wird, ist offen. Die Kommission wird aktuell vom Ennetbürger SVP-Landrat Pius Furrer präsidiert, der hinter die Fluktuation gewisse Fragezeichen setzt. Er habe zwar Kenntnis vom Abgang des VSZ-Geschäftsführers, kenne aber dessen Gründe nicht, meint er auf Anfrage. «Wir werden das Thema sicher an der nächsten Sitzung Mitte April behandeln.»

Als öffentlich-rechtliche Anstalt ist das VSZ grundsätzlich den Justiz- und Sicherheitsdirektionen der beiden Kantone zugeordnet. Diese haben aufgrund der rechtlichen Strukturen aber keine direkte Zuständigkeit oder Einflussmöglichkeit. Die Nidwaldner Sicherheitsdirektorin Karin Kayser sagt zur künftigen Strategie, dass es absolut kein Thema sei, dass das VSZ zu den Kantonen zurückgehen könnte. Im Gespräch mit unserer Zeitung (siehe Kasten) bestätigt auch Verwaltungsratspräsidentin Marianne Blättler, dass keinerlei derartige Absichten bestehen.

«Möglicherweise hätten wir mit der Information noch warten sollen.»

unp. Der Brief der Mitarbeiter an den Verwaltungsrat zeigt, dass dort gar spekuliert wird, ob das VSZ aufgelöst respektive zurück an die Kantone gehen könnte. Zudem gibt es Vorwürfe, Verwaltungsratspräsidentin Marianne Blättler sei mitverantwortlich für die Abgänge in der Führungsetage. Im Gespräch mit unserer Zeitung nimmt Marianne Blättler zur Unruhe im VSZ und zum Brief der Mitarbeiter Stellung.

Dem VSZ sind in 14 Jahren fünf Geschäftsleitungsmitglieder davongelaufen. Auch der aktuelle Geschäftsführer geht. Warum?
Marianne Blättler:
Der jetzige Geschäftsführer hat dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass er nach über elf Jahren Tätigkeit im VSZ eine neue Herausforderung als Geschäftsführer in der Privatwirtschaft angenommen hat. Man sagt zwar schon, dass es sich beim VSZ um «Lebensstellen in der Verwaltung» handle, aber der heutige Geschäftsführer beispielsweise ist ein Mann, der mit seinen Fähigkeiten noch weiterkommen möchte. Generell hat das VSZ aber eine sehr geringe Fluktuation. Wir haben über die Jahre eine durchschnittliche Fluktuationsrate von etwa drei Prozent, was als unterdurchschnittlich gilt.

Was sind das für «tief greifende» strukturelle Änderungen im VSZ, die im Brief an den Verwaltungsrat erwähnt werden?
Blättler:
Als «tief greifend» kann man das nicht bezeichnen. Der Verwaltungsrat hat lediglich beschlossen, dass die Finanz- und Kreditorenbuchhaltung, von der beispielsweise Löhne und Sozialversicherungsbeiträge schon jetzt von der Finanzverwaltung des Kantons Nidwalden gemacht werden, neu vollständig dort erledigt wird. Dies auch, weil mit der Software, welche alle Gemeinden und die Kantone Nid- und Obwalden einsetzen, eine Effizienzsteigerung möglich ist. Die Debitorenbuchhaltung, beispielsweise das Versenden der Rechnungen sowie das Inkasso der Steuern und Gebühren, bleibt wie bisher beim VSZ. Der Zeitpunkt für dieses Outsourcing ist gut geeignet, weil in der Buchhaltung ein Mitarbeiter pensioniert wurde. Im Rahmen dieser Reorganisation gibt es für einzelne Mitarbeitende Aufgabenverschiebungen. Die operative Umsetzung ist Aufgabe der Geschäftsleitung.

Die Mitarbeiter fühlten sich am 8. Januar bei der entsprechenden Information nicht ernst genommen. Ihre Botschaften sind offenbar nicht angekommen?
Blättler:
Das Auslagern der Finanzbuchhaltung war ein Entscheid des Verwaltungsrates, den ich am 8. Januar kommuniziert habe. Zu diesem Zeitpunkt war das Outsourcing zwar beschlossen, die operative Umsetzung durch die Geschäftsleitung aber erst in Vorbereitung. Die Reaktionen von Mitarbeitern auf diese Information haben uns überrascht. Möglicherweise hätten wir mit der Information noch warten sollen, bis die Geschäftsleitung die neue Aufgabenverteilung konkret hätte darstellen können. Warum die Information über das Outsourcing zu einem Gerücht über die Auflösung des Verkehrssicherheitszentrums führte, kann ich mir nicht erklären. Davon war nie die Rede. Es gibt angesichts des gut funktionierenden Betriebes und der Geschäftszahlen auch nicht den geringsten Grund dazu.

Dass Mitarbeiter den Brief an den VR öffentlich gemacht haben, zeigt aber, dass sie nach wie vor unzufrieden sind. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass Ruhe im VSZ einkehrt?
Blättler:
Dass organisatorische Veränderungen zu einer Verunsicherung führen, kann ich gut verstehen. Die Geschäftsleitung arbeitet intensiv mit den Betroffenen an der Umsetzung. Die nächste Information durch die Geschäftsleitung findet morgen statt. Dort wird konkret auf die Veränderungen eingegangen. Es ist dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung sehr wichtig, den Mitarbeitern zu zeigen, dass wir ihre Anliegen ernst nehmen. Eine Mitarbeiterinformation mit Vertretung vom Verwaltungsrat findet am 21. April statt. Als Verwaltungsrat sind wir aber auch verpflichtet, sich bietende Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen und umzusetzen, damit das VSZ möglichst effizient im Dienst der Bevölkerung arbeiten kann. Genau das haben wir mit dem Outsourcing von Finanz- und Kreditorenbuchhaltung getan.

Marianne Blättler, VR-Präsidentin des VSZ. (Bild Corinne Glanzmann)

Marianne Blättler, VR-Präsidentin des VSZ. (Bild Corinne Glanzmann)

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